Wirtschaft
08.01.2018

Sorge vor Finanzkrise der Schwellenländer

Schuldenrekord: Private, Firmen, Banken und Staaten stehen weltweit mit 233.000 Milliarden Dollar in der Kreide.

Der Weltbankenverband IIF sorgt sich um die finanzielle Stabilität der Schwellenländer. 2018 sei deren Umschuldungsrisiko besonders hoch. So erreichen heuer Schuldtitel im Wert von 1500 Milliarden US-Dollar das Ende ihrer Laufzeit und müssen umgeschuldet werden – das heißt, durch neue Kredite abgelöst.

Haarig würde es, wenn dabei die Investoren Zweifel bekommen, ob sie ihr Geld je wiedersehen. Dann droht eine Schuldenkrise oder Pleitewelle. Ein gutes Viertel dieser Schwellenländer-Kredite muss obendrein in der Fremdwährung Dollar beglichen werden. Weil die Zinsen in den Vereinigten Staaten wieder steigen, wird das nach und nach teurer. Eine relativ hohe Dollar-Last hätten 2018 China, Russland, Südkorea und Brasilien zu schultern, schreiben die IIF-Experten.

Auch für 2019 gibt es keine Entwarnung; der Finanzbedarf steigt sogar auf 1600 Milliarden US-Dollar. "Die hohe Verschuldung könnte das Tempo und Ausmaß drosseln, mit dem die Notenbanken die Geldpolitik straffen", warnen die Experten. Heißt: Die Zinsen steigen womöglich langsamer, als sie sollten.

Sehr kritisch sieht das IIF die Lage der Türkei. Bei 17 von 22 Kennzahlen steht die Risikoampel im roten Bereich. Das zeigt an, dass die Finanzen wackelig sind, die Abhängigkeit vom Ausland groß und die politische Unsicherheit beträchtlich. Ähnlich schlecht stehen auch die Ukraine, Argentinien, Kolumbien oder Malaysia da.

Chinas Schuldenanstieg hat sich unterdessen eingebremst. Weil die Schattenbanken an die Kandare genommen wurden, sind die Schulden 2017 nur um 2 Prozentpunkte auf 294 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP) geklettert. In den fünf Jahren davor hatte der Zuwachs im Schnitt 17 Prozentpunkte pro Jahr betragen.

Globale Schulden

Alles in allem hatten private Haushalte, Unternehmen, Banken und Staaten Ende des dritten Quartals 2017 233.000 Milliarden Dollar an Krediten ausständig – ein Rekordwert und Plus von 16.000 Milliarden zum Vorjahr. Weil die Wirtschaft zuletzt aber kräftig gewachsen ist, ergibt das relativ gesehen einen Rückgang von 321 Prozent des BIP (2016) auf jetzt 318 Prozent. Zum Vergleich: Vor zwanzig Jahren hatte die Gesamtverschuldung noch 217 Prozent betragen.