Wirtschaft
04.05.2017

Solarstrom für Afrika soll Flüchtlingsstrom stoppen

Die Mikrokreditbank legt ihren neuen Schwerpunkt auf Afrika und finanziert Kleinst-Solaranlagen.

Mehr als 600 Millionen Afrikaner haben keinen Zugang zu elektrischem Strom: Gekocht wird am offenen Feuer, beleuchtet mit Kerosinlampen, deren Abgase Bronchien und Lungen angreifen.

"Strom und Licht aber ist eine Voraussetzung, um der Armut zu entkommen. Denn Bildung ohne elektrische Beleuchtung ist kaum möglich", betont Friedhelm Boschert, Vorstand der Oikocredit Austria. Die Genossenschaftsbank, deren Hauptsitz in den Niederlanden ist, hat sich daher vorgenommen, billigen Solaranlagen für Afrikas Arme zu finanzieren. Sein Vorstandskollege Rainald Tippow ist überzeugt, dass Unterstützung für Afrika auch Europas Überleben sichern helfe: "Wenn wir Afrikanern eine Lebensgrundlage, das heißt Einkommen, sichern, werden sie nicht nach Europa flüchten."

Rund 275.000 Haushalte in Kenia wurden mit Hilfe von Mini-Krediten der Bank schon Kleinstsolaranlagen auf den Hüttendächern errichten. 120 Euro koste eine Anlage, für die die Familien einen Kredit der Oikocredit erhalten. Innerhalb eines Jahres könne die Finanzierung getilgt werden. "Denn zehn Euro im Monat zahlen die Familien üblicherweise auch für Kerosin oder Batterien. Diese Ausgabe fällt dann weg", sagt Boschert.Fleißige ÖsterreicherOikocredit finanziert sich über Einlagen von Sparern. Insgesamt 1,2 Milliarden Euro hat die Genossenschaftsbank, deren Gründer kirchliche Organisationen und Entwickelungshilfegruppen sind, an Mittel, die sie als Mikrokredite vergeben kann. 5500 Österreicher haben dazu 103 Millionen Euro beigesteuert. Österreichs Anleger sind damit im Ländervergleich die Nummer 1. "Kein Land hat pro Kopf so viel Geld bei der Oikocredit angelegt, wie die Österreicher", sagt Boschert. Diese Einlagen werden mit zwei Prozent pro Jahr verzinst und sind jederzeit kündbar. Trotz der tiefen Kapitalmarktzinsen will die Bank bei der Ausschüttung von zwei Prozent bleiben.