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Preisfrage
12/29/2014

Netter Zug: Ist Bahnfahren in Österreich günstig?

Bahnfahren in Österreich ist nicht teuer - Fakt oder Mogelpackung?

von Hermann Sileitsch-Parzer

Seit 14. Dezember ist der neue ÖBB-Fahrplan in Kraft. Im Durchschnitt haben die Ticketpreise um 1,1 Prozent angezogen. Die Österreich-Card zweiter Klasse kostet jetzt um 2,5 Prozent mehr – für Erwachsene 1679 Euro.

Ist Bahnfahren in Österreich günstig oder teuer? Eine Studie aus unverdächtiger Quelle gibt darüber Aufschluss: Litra, der Verein der Schweizer Verkehrsunternehmen ("Bahn, Bus, Tram, Schiff und Seilbahn"), hat 2014 die Preise in sieben europäischen Ländern untersucht. Weil die Angebote im öffentlichen Verkehr schwer vergleichbar sind, haben die Autoren 14 typische Reisesituationen simuliert, Wegstrecken vereinheitlicht und alle Kosten auf die jeweilige Kaufkraft umgelegt.

Eine aufwendige Untersuchung. Ihr Fazit: "Die Schweizer Preise sind zusammen mit denjenigen in Österreich am tiefsten", schreiben die Autoren Caspar Sträuli und Maura Killer. Und: In keinem anderen Land seien die Preise seit 2005 so geringfügig angestiegen (siehe Grafiken) wie in Österreich.

Gestiegene Zuschüsse

Ein erfreuliches Ergebnis. Oder doch eine Mogelpackung? "Ganz klar: Österreich hat die günstigen Preise nur, weil die Subventionen so hoch sind", sagt Erich Forster, Vorstand des privaten ÖBB-Konkurrenten Westbahn, zum KURIER. Die Steuerzahler würden sich die Billigtickets gewissermaßen selbst zahlen. Forster sieht sogar einen direkten Zusammenhang zwischen staatlichen Stützungen und Tarifen: Von 2001 bis 2007 seien die Zuschüsse für die ÖBB stabil geblieben, dafür die Ticketpreise stärker – um 3,5 Prozent pro Jahr – gestiegen. Seit 2008 sei es umgekehrt: Höhere Subventionen, geringere Preissteigerungen.Ein KURIER-Check zeigt: Von 2005 bis 2013 sind die Preise für den öffentlichen Verkehr real (also inflationsbereinigt) laut Litra um 2,5 Prozent gestiegen. Die Entgelte für "gemeinwirtschaftliche Leistungen", die der ÖBB Personenverkehr vom Staat erhielt, nahmen stärker zu, nämlich um real 11 Prozent. Zuletzt beliefen sie sich auf 619 Millionen Euro. Ist also des Bahnfahrers Freud’ doch des Steuerzahlers Leid?

Die ÖBB optimieren

"Der Vergleich hinkt", kontert ÖBB-Sprecherin Sonja Horner. Staatliche Stützungen für einzelne Ticket-Arten gebe es nicht mehr. Und die Zahlungen für Leistungen im öffentlichen Interesse seien von 1999 bis 2007 nicht an die Inflation angepasst worden. Das erkläre die in diesem Zeitraum moderate Steigerung.

Seit 2010 gebe es nun allerdings einen neuen Vertrag, der die Teuerungsrate berücksichtige und den ÖBB klare Ziele setze: Qualitätssteigerungen wie bessere Zuggarnituren, Pünktlichkeit oder Sauberkeit würden nun höher abgegolten. Das Preisniveau werde von den ÖBB "fair und marktverträglich" angehoben. Bevor sie Kosten an die Fahrgäste weitergeben, würden interne Optimierungsmöglichkeiten ausgeschöpft, sagt Horner – sie sieht die Litra-Studie als einen Beweis für "ein Top-Angebot zu günstigen Preisen".

Silber für das Angebot

Was tatsächlich stimmt: Beim Preis-Leistungs-Verhältnis werden die ÖBB nur von den traditionell vorbildlichen Schweizerischen Bundesbahnen SBB übertroffen.

In die Beurteilung der Angebotsqualität sind vier Faktoren eingeflossen, für die bis zu vier Punkte vergeben wurden. Gut schneiden die ÖBB bei der Pünktlichkeit und Angebotsdichte (je 3 Punkte) ab. Für die Vernetzung des öffentlichen Verkehrs gibt es 2 Punkte, abgehängt werden die Österreicher und Schweizer bei der Reisegeschwindigkeit im Fernverkehr (nur 1 Punkt). Mit neun von 16 Punkten schaffen die ÖBB damit die Silbermedaille hinter den Schweizern (13 Punkte), aber noch vor der Deutschen Bahn DB (8 Punkte), dem britischen Privatbahnverband ATOC, den Italienern (Ferrovie dello Stato) und Niederländern (Nederlandse Spoorwegen) mit je 7 Punkten.

Schlusslicht in Sachen Angebotsqualität ist die französische SNCF (4 Punkte) – trotz der im Vergleich höchsten Reisegeschwindigkeit.

Was sich anhand der Studie nicht vergleichen lässt: Wie effizient die Bahnen wirtschaften. Dazu müsste man die Zuschüsse aus dem Staatssäckel einrechnen.

Alle Teile des KURIER-Branchenchecks finden Sie hier.

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