Wirtschaft
05.12.2011

Schweizer koppeln Franken an Euro

Mindestkurs festgesetzt: Die Währungshüter in Zürich tolerieren künftig keinen Euro-Kurs unterhalb von 1,20 Franken pro Euro.

Seit Monaten stöhnen die Schweizer unter der Aufwertung ihrer Landeswährung. Die Schuldenkrisen auf beiden Seiten des Atlantiks treiben immer mehr Investoren in sichere Häfen, zu denen auch der Franken zählt. Mit Null-Zinspolitik und zusätzlicher, aber sanfter, Liquiditätsausweitung am Geldmarkt versuchten die Eidgenossen den Höhenflug des Franken zu stoppen. Vergeblich.

Am Dienstag war dann Schluss mit der eidgenössischen Konsens-Verbundenheit. Die Schweizer Nationalbank ( SNB) zog im Alleingang, ohne Absprache mit der Europäischen Zentralbank, die Reißleine und setzte ein unteres Wechselkursziel zum Euro fest. Die Währungshüter in Zürich wollen künftig keinen Euro-Kurs unterhalb von 1,20 Franken pro Euro tolerieren.

Dieser Schritt könnte freilich von Spekulanten als sportliche Herausforderung aufgefasst werden. Laut Experten werde der Devisenmarkt nun sicher versuchen, die 1,20-Marke "anzutesten", wie es im Finanz-Jargon so schön heißt.

Doch die SNB dürfte am längeren Ast sitzen. Sie kündigte an, "den Mindestkurs mit aller Konsequenz durchsetzen". Sie sei bereit, unbeschränkt Devisen zu kaufen.

Zur Durchsetzung dieses Zieles muss die SNB zwar unter Umständen Milliarden Franken verkaufen, um damit andere Währungen (hauptsächlich natürlich Euro) zu kaufen. Aber eine Intervention in diese Richtung - sprich: die eigene Währung abzuschwächen - ist die angenehmere, erläutert Peter Mooslechner von der Oesterreichischen Nationalbank. Denn die SNB könne für dieses Unterfangen, zumindest theoretisch, unlimitiert Franken produzieren.

Export

Ob die Festlegung eines Mindestkurses reicht, um den Frankenkurs auch tatsächlich und nachhaltig zu senken, sei schwer zu prognostizieren, meint Mooslechner. Die Bindung des Schillings an die D-Mark habe 25 Jahre sehr gut funktioniert. Obwohl dies mit der Euro-Franken-Koppelung schwer vergleichbar sei. Denn diese sei doch von wesentlich mehr und internationaleren Marktteilnehmern beeinflusst, als der "regionale Währungsverbund" Schilling/D-Mark.

Mit der doch radikalen SNB-Maßnahme versuchen die Eidgenossen, ihre zuletzt strauchelnde (Export-)Wirtschaft wieder in Schwung zu bekommen. Auch der Schweizer Tourismus leidet unter der Franken-Stärke.

An den Finanzmärkten sorgte die Ankündigung am Dienstag jedenfalls für Bewegung. Der Euro-Kurs sprang von 1,12 Franken auf mehr als 1,21 Franken.

Mehr zum Thema

  • Hauptartikel

  • Hintergrund

  • Hintergrund