Wirtschaft
05.12.2011

Schweiz will Franken zähmen

Starke Währung: In Kürze könnte eine Untergrenze beim Wechselkurs zum Euro eingezogen werden. Das soll die Wirtschaft des Landes entlasten.

Wenn am Mittwoch die Spitzen der Schweizer Notenbank (SNB) mit Vertretern der Schweizer Regierung zusammentreffen, wird der Kampf gegen die Stärke des Schweizer Franken das Hauptthema sein. Denn in der Vorwoche wurde de facto kurzzeitig die Parität zum Euro erreicht, da in Krisenzeiten viele Anleger in Franken anlegen. Zu viele aus Schweizer Sicht.

Denn die Wirtschaft des Landes leidet zusehends. Touristiker fürchten ein Ausbleiben der Gäste in der ohnehin hochpreisigen Schweiz und die exportorientierten großen Konzerne weniger Abnehmer im Ausland. So meldete der Bauzulieferer Geberit am Dienstag, dass der starke Franken das Betriebsergebnis im Halbjahr mit umgerechnet 31 Millionen Euro belastete. Der Lifthersteller Schindler wiederum rechnet bei einem anhaltend hohen Franken mit einem Gewinnrückgang. Nur zwei Beispiele von vielen.

Umgekehrt listet der Handelskonzern Coop 95 Marken-Importprodukte (u.a. von L'Oréal, Mars und Ferrero) aus. Er bezichtigt Lieferanten und Hersteller, die tieferen Preise bei den nun günstiger im Euroland eingekauften Waren nicht weitergeben zu wollen. Weitere Ketten könnten folgen.

Leitzins

Angesichts der größer werdenden Probleme mehren sich in der Schweiz die Stimmen, den Franken zu bändigen. Die Senkung des Leitzinses auf praktisch Null schien nur der Anfang gewesen zu sein. Thomas Jordan, Mitglied des SNB-Direktoriums, deutete in der Vorwoche an, den Franken vorübergehend an den Euro zu binden. Das genügte bereits, um den Franken abzuschwächen. Am Dienstag, notierte der Euro bei 1,12 Franken. Die SonntagsZeitung berichtete, dass eine Untergrenze (aus Schweizer Sicht) für den Wechselkurs von knapp über 1,10 Franken festgelegt werde. Andere halten eine Grenze von 1,25 bis 1,30 oder sogar 1,40 für gesund. Wer unter einer festgelegten Grenze Franken kauft, muss Verluste fürchten. Daher sind die Zuflüsse derzeit überschaubar.
Je höher die Grenze, desto mehr Geld für Euro-Stützungskäufe muss die SNB investieren.

Schon im Vorjahr kostete der Versuch, die Talfahrt des Euro zu stoppen, die SNB 19 Milliarden Franken. Die damals schärfsten Kritiker dieser Politik wie Christoph Blocher, Vizepräsident der stimmenstärksten Partei SVP, finden sich damit ab. Er fordert diese Maßnahme nun sogar vehement ein.