Holcim fusioniert mit Lafarge.

© Reuters/CHRISTIAN HARTMANN

Schweiz/Frankreich
04/07/2014

Zementriesen Holcim und Lafarge fusionieren

Hochzeit der Giganten: Die weltweit führenden Zementhersteller Holcim und Lafarge tun sich zusammen.

Megadeal in der Baustoffbranche: Die beiden weltweit führenden Zementhersteller Holcim und Lafarge fusionieren. Wie die beiden Unternehmen am Montag in der Früh mitteilten, ist ein Zusammenschluss unter Gleichen geplant. Der neue Konzern soll LafargeHolcim heissen und seinen Hauptsitz in der Schweiz haben. Gemeinsam beschäftigen die Unternehmen fast 140.000 Menschen und haben einen Umsatz von über 30 Milliarden Euro.

"Öffentliches Tauschangebot"

Geplant ist ein öffentliches Tauschangebot mit Holcim als Anbieterin. Das Umtauschverhältnis beträgt eine Holcim-Aktie für eine Lafarge-Aktie, teilten die Unternehmen mit. Angepeilt werden Synergien von 1,7 Milliarden Franken (1,39 Milliarden Euro). Lafarge-Chef Bruno Lafont soll CEO des fusionierten Konzerns werden, Holcim-Verwaltungsrat Wolfgang Reitzle Verwaltungsrats-Präsident.

Traditionsreiche Konzerne

Der aus Holcim und Lafarge hervorgehender Konzern soll einen Umsatz von über 30 Milliarden Euro erwirtschaften. Bei Holcim sind derzeit rund 71.000 Menschen in 70 Ländern beschäftigt, bei Lafarge etwa 65.000 in 64 Staaten. Beide Konzerne blicken auf eine lange Tradition zurück: Als Holcim 1912 gegründet wurde, hatte Lafarge schon in den 1860er-Jahren den Zement zum Bau des Suez-Kanals geliefert.

Schuldenabbau

Die Franzosen und Schweizer wollen dank der Fusion gemeinsam Kosten sparen sowie Schulden abbauen. Aus einer gestärkten Position heraus wollen sie zudem auf steigende Energiekosten und eine sinkende Nachfrage reagieren, die die Branche seit 2008 gebeutelt hat. Sowohl in den USA als auch in Europa würde das neue Zement-Imperium den Markt beherrschen.

Ende des Preiskampfs?

Trotz der dominierenden Stellung in Europa und den USA könnte die Fusion der Branche neuen Schub geben. Durch den Abbau von Überkapazitäten dürften auch Firmen wie die deutsche HeidelbergCement auf ein Ende des harten Preiskampfs hoffen. Zudem könnten Holcim und Lafarge von den Wettbewerbsbehörden gezwungen werden, Filetstücke aus den Geschäftsportfolios auf den Markt zu werfen.

EU-Wettbewerbsbehörde will Zusammenschluss nicht kommentieren

Die EU-Wettbewerbsbehörde möchte sich noch nicht zur angekündigten Fusion der beiden Zementgiganten Holcim und Lafarge äußern. Angesichts der Größe der Unternehmen wird die EU-Kommission den Zusammenschluss aber unter die Lupe nehmen müssen.

Die rechtliche Basis ist eine EU-Regulation aus dem Jahr 2004, die Fusionen und Übernahmen verbietet, wenn der Wettbewerb im EU-Binnenmarkt signifikant beeinträchtigt wird. Die zuständige EU-Kommission wollte am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda keinen Kommentar zur Fusion von Holcim und Lafarge abgeben.

Damit die EU-Kommission eine Untersuchung startet, muss der Zusammenschluss im weitesten Sinn eine "EU-Dimension" aufweisen. Dazu wird der Umsatz der beiden Unternehmen betrachtet.

Die Wettbewerbshüter werden etwa aktiv, wenn der Gesamtumsatz der beteiligten Konzernen weltweit über fünf Milliarden Euro liegt und eines der Unternehmen in der EU einen Umsatz von mindestens 250 Millionen Euro erzielt. Holcim hat im letzten Jahr einen Umsatz von 19,7 Milliarden Franken (16,10 Milliarden Euro) erzielt, Lafarge kam auf einen Umsatz von 15,2 Milliarden Euro.

Große Zementproduzenten weltweit

Weltweit wurden 2012 etwa 3,6 Milliarden Tonnen Zement hergestellt. An der gesamten Produktion hatte China nach Angaben des europäischen Zementhersteller-Verbandes Cembureau mit 59,3 Prozent den mit Abstand größten Anteil. Es folgten Indien mit 6,6 Prozent und die USA zwei Prozent.

In Deutschland wurden nach Daten des Vereins deutscher Zementwerke im selben Jahr rund 32,4 Millionen Tonnen Zement hergestellt. Das entspricht etwa einem Anteil von 0,9 Prozent an der weltweiten Produktion.

Nachfolgend die Umsätze der größten Zementproduzenten im Jahr 2013:

- Holcim Ltd, Schweiz (16,1 Mrd. Euro)

- Lafarge Group, Frankreich (15,2 Mrd. Euro)

- HeidelbergCement, Deutschland (13,9 Mrd. Euro)

- Cemex, Mexiko (11,1 Mrd. Euro)

- Anhui Conch Cement, China (6,6 Mrd. Euro)

- Italcementi Grop, Italien (4,2 Mrd. Euro)

- Buzzi Unicem, Italien (2,8 Mrd. Euro)

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