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Importe
04/25/2014

Schweine von den Seychellen

Laut Statistik liefern auch einsame Inseln zu. 70 Prozent kommen aber aus Deutschland.

von Simone Hoepke

Fünf Millionen Schweine werden jährlich in Österreich geboren, gemästet und geschlachtet. Dazu kommen 2,5 Millionen importierte Schweine. Laut Statistik Austria mitunter auch von der Bouvetinsel, die in Sachen Schweinezucht unverdächtig ist. Sie ist unbewohnt, liegt nahe der Antarktis und ist zu mehr als 90 Prozent von Gletschern bedeckt. Mehr als 200 Schweine hätte die Insel 2007 geliefert. "Ein Fehler des Händlers bei der Meldung. Es hätte Dänemark heißen sollen", wird seitens der Statistik Austria betont, dass der skurrile Lieferort bei der Plausibilitätsprüfung aufgefallen ist. Bis zur Richtigstellung des Händlers sei allerdings der Bericht schon fertig gewesen. Neben der Bouvetinsel scheinen aber auch andere Exoten wie Seychellen und Hongkong auf der Lieferantenliste auf, wie eine parlamentarischen Anfrage der FPÖ aufzeigt. "Das ist nicht so außergewöhnlich. Sie scheinen auch in anderen EU-Ländern als Lieferanten auf", betont ein Sprecher der Statistik Austria. FPÖ-Agrarsprecher Harald Jannach fordert dennoch Aufklärung über die Herkunft der Schweine.

"Da werden in der Statistik Kraut und Rüben in den Schweinetopf geworfen", meint Hans Schlederer, Chef der Österreichischen Schweinebörse. Die Daten der Statistik Austria gehen auf Zoll-Angaben zurück. "Jedes Zwerghängebauchschwein, das sich ein Zoo auf den Seychellen kauft, scheint in der Statistik auf. Genauso wie jeder Schinken, der als Mitbringsel aus dem Urlaub mitgebracht wird."

Eingeflogene Zuchteber

Solche exotischen Importe würden nicht einmal ein Prozent der Gesamteinfuhren von Schweinefleisch ausmachen. "Importierte Schlachtschweine kommen zu 70 Prozent von deutschen Lieferanten", rechnet Schlederer vor. Nachsatz: "Wobei es sein kann, dass diese die Tiere von Vorlieferanten und damit von Betrieben aus Holland, Dänemark und Belgien kommen." Neben Deutschland würde Österreich vor allem aus Tschechien, der Slowakei, Ungarn und Slowenien importieren. Schlederer: "Dann sind wir bei 99 Prozent, der Rest sind wie gesagt einzelne Exoten."

Oder auch Zuchttiere aus fernen Ländern. Denn die für die Betriebe wertvollen Tiere werden weltweit gehandelt. Von den mehr als 200 Schweinerassen sind laut Schlederer aber nur etwa zehn für die industrielle Zucht relevant. Um Inzucht in den einzelnen Ländern zu vermeiden, würde es schon vorkommen, dass Tiere vom anderen Ende der Welt eingeflogen werden, "um das Blut aufzufrischen". Schlederer: "Das sind aber vergleichsweise kleine Stückzahlen, für Österreich ein paar Hundert Tiere im Jahr." So sei zu erklären, warum etwa Schweine von Kanada nach Österreich geflogen werden.

In der EU werden rund 270 Millionen Schweine im Jahr "produziert". Normalerweise geht ein knappes Viertel aller Exporte nach Russland (2013 im Volumen von 1,4 Milliarden Euro). Derzeit hat Russland aber einen Importstopp für Fleisch aus der EU verhängt. Offiziell wegen dem Ausbruch der Schweinepest in Litauen. Die EU hat Russland deswegen vor der WTO geklagt.

Schweinemarkt
Aufzucht: In Österreich werden jährlich 7,5 Millionen Schweine verarbeitet, davon rund 5 Millionen aus heimischer Produktion. In Österreich gibt es noch 26.000 Schweinehalter, davon etwas mehr als 10.000 Betriebe, die auch davon leben können. Im Durchschnitt hält ein österreichischer Landwirt 600 Schweine. Zum Vergleich: An deutschen Höfen sind es durchschnittlich 3000 Tiere.
Verarbeitung
: In Österreich gibt es noch 200 Schlachthöfe, wobei nur ein gutes Dutzend eine marktrelevante Größe hat. In Oberösterreich, Niederösterreich und der Steiermark gibt es jeweils drei bis vier Großbetriebe, die auch Tiere aus dem Ausland schlachten, um die Maschinen auszulasten. In den großen österreichischen Betrieben werden bis zu 10.000 Tiere pro Woche geschlachtet. Zum Vergleich: Tönnies, der größte Schweine-Schlachtbetrieb Deutschlands, verarbeitet an einem Standort 100.000 Schweine in der Woche und damit etwa gleich viele wie alle 200 österreichischen Betriebe zusammen.

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