Wirtschaft
16.03.2016

Schlammschlacht um die Macht bei conwert

Das Management fürchtet, dass Großaktionär Adler Immo-Deals zum eigenen Nutzen plant.

Das Wiener Immobilienunternehmen conwert ist Streit und Ungemach unter seinen Aktionären seit Langem gewohnt. Doch was sich jetzt zwischen dem conwert-Hauptaktionär, der deutschen Adler Real Estate und dem conwert-Management sowie Verwaltungsrat abspielt, ist eine unter heimischen börsennotierten Gesellschaften noch nie dagewesene Schlammschlacht, die in der außerordentlichen Hauptversammlung am Donnerstag ihren Höhepunkt finden wird.

Sein oder Nicht-Sein

Oberflächlich betrachtet, scheint die Sache einfach: Da ist auf der einen Seite conwert-Großaktionär Adler, der rund 22 Prozent hält, der in der Hauptversammlung zwei der derzeit vier Verwaltungsräte neu besetzen will. Auf der Seite Adlers steht auch conwert-Aktionär Petrus Advisers (rund sechs Prozent), der mit einem dritten von conwert vorgeschlagenen Verwaltungsrat einverstanden ist. Auf der anderen Seite steht das conwert-Management, das diese Adler-Mehrheit im Verwaltungsrat vehement ablehnt. Nur: Eigentümer kann sich das Management nicht aussuchen. So weit, so gut, möchte man meinen.

Doch im Hintergrund geht es um viel mehr – nämlich um Sein oder Nicht-Sein für conwert, sind deren Manager überzeugt. Sie befürchten, dass Adler mit der Kontrolle des Verwaltungsrats "Immobilientransaktionen zwischen Adler und conwert durchsetzen will, die nicht im Interesse von conwert sind". Adler wolle sich die wenig verschuldete conwert einverleiben, um damit die eigenen Schulden zu verringern. Hinter Adler stünden "Investment-Yuppies", die nur auf schnelles Geld aus seien und nicht auf nachhaltige Entwicklung, wird gemutmaßt.

Übernahmekommission prüft

Und einer dieser "Hintermänner" sei ganz böse: Cevdet Caner, gebürtiger Österreicher mit kurdischen Wurzeln, der mit riskanten Immobiliengeschäften viel Geld machte. In Deutschland hat er mit einer der spektakulärsten Immo-Pleiten, der Level1, negative Schlagzeilen gemacht. Viele Anleger haben dabei Geld verloren, die Staatsanwaltschaft schaut sich die Sache derzeit an. Caner tritt als "Berater von Adler" auf und soll indirekt über seine Privatstiftung und einer weiteren Zwischen-Firma Anteile an Adler halten. Sein Partner soll Tomas de Vargas Macucha sein, Ex-Mitarbeiter der Schweizer UBS, wo er für Immobilienfinanzierungen verantwortlich war.Nun wird vermutet, dass Adler, Caner und Petrus Advisers gemeinsame Sache machen. Die Übernahmekommission prüft den Fall seit Tagen. Kann sie nachweisen, dass die drei gemeinsam vorgehen und mehr als 30 Prozent an conwert halten, müssten sie laut Gesetz ein Übernahmeangebot für die gesamte conwert legen. Das wäre diesen drei Aktionären aber wohl doch zu viel.

Stimmrechte-"Handel"?

Sie dementieren heftig, gemeinsame Sache zu machen. Sie seien lediglich unzufrieden mit der wirtschaftlichen Entwicklung von conwert und der Arbeit des Managements. Mit den neuen Verwaltungsräten Dirk Hoffmann, Hermann Anton Wagner und Wijnand Donkers wollen sie sicherstellen, dass conwert "Gas gibt" und sich im Sinne der Aktionäre positiv entwickle.

Ob sie die Umbesetzung des Verwaltungsrats schaffen, ist mehr als ungewiss. Denn sie brauchen 75 Prozent der bei der Hauptversammlung anwesenden Stimmen. conwert hat schon viele große Investoren wie den Fonds Fidelity auf seine Seite gezogen. Im Hintergrund soll ein heftiges Werben um Stimmrechte laufen. Das heißt: Aktionären wird Geld angeboten, wenn sie ihr Stimmrecht kurzfristig abgeben. Am Donnerstag dürfte es damit ein knappes Rennen der beiden Widersacher werden.