Wirtschaft
05.12.2011

Schatten über Fotovoltaik-Hersteller

Erneuerbare Energie ist in aller Munde, trotzdem kommt die zweitgrößte Insolvenz Österreichs mit der Blue Chip Energy Güssing aus dieser Branche.

W ir sollten alle so werden wie Güssing", erklärte Arnold Schwarzenegger beim Wiener Energieforum der UNIDO vor rund einem Monat. Wenn es um erneuerbare Energie geht, ist die südburgenländische Stadt Vorreiter. Ein Flaggschiff war die Firma Blue Chip Energy, Träger des Innovationspreises 2010, viel gelobt und mit 14 Millionen Euro von EU, Bund und Land gefördert. Ein Technologieunternehmen, das Elemente für Fotovoltaikanlagen herstellte und mehr als hundert Arbeitsplätze bot.

78 Millionen Euro stehen nun auf der Schuldenseite, der Betrieb ist insolvent. Blue Chip Energy hat somit heuer die zweitgrößte Pleite in Österreich geliefert. Eine der Ursachen lag in der schwächeren Nachfrage nach Fotovoltaik in Deutschland und Italien.

Delegationen

Über die Jahre gaben sich Politiker und Delegationen aus der ganzen Welt einander die Klinke in die Hand und besichtigten bei den Touren durch Güssing den Betrieb. Am Dienstag besuchte Masseverwalter Wilhelm Lackner aus Eisenstadt das Unternehmen. Am selben Tag hat die Konkursrichterin das Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung über das Unternehmen eröffnet. Das Unternehmen will den Gläubigern eine Sanierungsquote von 20 Prozent anbieten. Ob der Betrieb weitergeführt wird, war am Dienstag noch nicht absehbar. Laut Direktor Peter Schmitl von der Wirtschaftsservice Burgenland AG gebe es bereits lose Kontakte zu möglichen Interessenten. "Es ist zu früh, um etwas Konkretes zu sagen."

Mehr als 200 Gläubiger sind laut Kreditschutzverband von 1870 von der Pleite betroffen, bis 29. August können Forderungen angemeldet werden. Tief betroffen von der Insolvenz ist auch Güssings Bürgermeister Peter Vadasz, VP: "Für mich war der Betrieb immer ein technologisches Vorzeigeprojekt. Ich hoffe inständig, dass es gelingen wird, das Unternehmen weiterzuführen." Besonders stolz war man bei Blue Chip auf den hohen Wirkungsgrad der Fotovoltaikelemente.

Die Gesellschafter sind die WFE Energy Development GmbH mit 81 Prozent, die SOLON mit 18 Prozent und die SOL Holding mit einem Prozent. Das Stammkapital beträgt 2,3 Millionen Euro. Auch der deutsche Solartechnikkonzern und Gesellschafter SOLON kämpft mit Schwierigkeiten und kündigte ein Restrukturierungsprogramm an.

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