Martin Wallner.

© KURIER/Franz Gruber

Interview
06/16/2016

Samsung-Chef über Trends bei TV-Geräten und den Fußball-Effekt

Samsung-Chef Martin Wallner über den TV-Geräte-Verkauf zur EM und wie das aufs Weihnachtsgeschäft wirkt.

von Sandra Baierl

Martin Wallner ist Vice President von Samsung Österreich. Der koreanische Elektronikkonzern ist mit viel Abstand Marktführer bei Fernsehern und auch Partner des Österreichischen Fußballbundes. Wir erreichen Martin Wallner in einem Hotel in Bordeaux – er ist für die ersten beiden Gruppenspiele der Österreicher nach Frankreich gereist.

KURIER: Herr Wallner, warum schauen Sie sich die Europameisterschaft nicht auf Ihrem großen Fernseher an?

Martin Wallner: Das tue ich natürlich, keine Frage. Aber die ersten zwei Spiele der Österreicher, die möchte ich live im Stadion sehen.

Wie sehr kurbelt ein solches Großereignis den Fernsehgeräte-Absatz an?

Aus der Vergangenheit wissen wird: Europaweit sind das in der Regel zwischen zehn und zwanzig Prozent mehr an verkauften Geräten. Das passiert aber schon bei Ereignissen, wo Österreich nicht selbst mitspielt. Wir sind also sehr gespannt, was die österreichische Teilnahme heuer für den heimischen Absatz bedeutet. Erste Eindrücke: Wir sehen jetzt zu Beginn der EM, dass der Verkauf anzieht. Aber auch, dass die Leute warten: auf noch bessere Angebote.

Großevents gibt es alle zwei Jahre. Deshalb kauft man sich doch nicht immer gleich einen neuen Fernseher.

Die durchschnittliche Fernseher-Nutzungsdauer ist sechs Jahre. Bei einem Großevent wird in Haushalten oft ordentlich umgeschichtet: die Kinder kriegen den alten Fernseher oder er kommt ins Schlafzimmer. Ein neuer wird angeschafft.

Ist es für den Absatz relevant, wie weit Österreich bei der EM dann tatsächlich kommt?

Mit Sicherheit. Auch, weil sich daraus eine Grundstimmung entwickelt, aus der sich die Konsumfreudigkeit ableitet. Interessant ist: Die Fußball-EM schlägt eine Ski-WM bei weitem.

Aber handelt es sich insgesamt nicht bloß um eine Kaufverschiebung – und zu Weihnachten ist dann Flaute?

Nicht unbedingt. In Jahren mit einem Großereignis wird der Fernsehmarkt insgesamt größer. Im Jahr darauf ist das meist nicht zu erreichen.

Die Versicherungswirtschaft sagt, dass die Schäden an alten Fernsehern vor einem Großereignis auf wundersame Weise steigen. Haben Sie davon schon gehört?

Solche Zusammenhänge gibt es immer wieder. Auch wenn es neue Mobiltelefone gibt, gehen die alten plötzlich "kaputt".

Kommt es vor, dass Fernseher gekauft und bei enttäuschender EM wieder zurückgegeben werden?

Nein. Die Leute kaufen sich einen neuen Fernseher, weil sie ein besseres Bild haben wollen oder einen größeren Bildschirm. Sie geben ihn nicht wieder her.

Neue Technologien kommen just vor einem Großereignis auf den Markt. Kein Zufall, oder?

Doch Zufall. Die 4-K-Technologie kommt, völlig unabhängig, welches Ereignis es gibt. Es wird entwickelt und geforscht. Sobald eine Technik marktreif ist, kommt sie auf den Markt.

Ist der Fernseher ein Konsumgut geworden, das man sich alle drei Jahre neu kauft?

Die Zyklen sind kürzer geworden, aber nicht mit einem Mobiltelefon vergleichbar. Fernseher sind nach wie vor ein Investitionsgut.

Wie viel größer und schärfer geht’s beim TV-Gerät noch?

Gute Frage. Das hängt auch von der Größe des Wohnzimmers ab. Mehr als 40 Prozent kaufen heute schon ein 55-Zoll-Gerät. Der Trend geht sogar Richtung 65 und 75 Zoll.

Gibt es ein Überangebot von TV-Geräten auf dem Markt?

Nein, der Markt regelt das. Es gibt jedoch viele verschiedene Fernseher, weil die Menschen das nachfragen und es verschiedene Technologien gibt. Die Auswahl für den Konsumenten ist unglaublich groß – von 300 Euro bis 7000 Euro.

Die Preise sind stark gesunken. Was gibt der Kunde im Schnitt für ein TV-Gerät aus?

Da wäre ich sehr vorsichtig: Der Durchschnittspreis wird eher höher als niedriger. Man kann gutes Geld für Fernseher ausgeben und die Leute tun das auch. Im Mittel werden 1000 Euro für ein Gerät gezahlt. Der Trend geht zu teureren Fernsehern – die können am meisten und sind am größten. Aber natürlich steht der Fernsehmarkt unter Druck, weil es viele Mitbewerber gibt. Man bekämpft sich gegenseitig.

Sie verkaufen Samsung-Fernseher sogar über den Diskonter Hofer. Keine Angst, dass das der Marke schadet?

Hofer ist in der Markenwahrnehmung ein guter Vertriebskanal geworden. Sogar Smartphones werden dort verkauft. Unsere Fernseher waren innerhalb kürzester Zeit ausverkauft.

Wer sind die Kunden, die Fernseher kaufen? Und wie stehen die Jungen zum Fernseher?

Der Fernseher entwickelt sich zum Hauptdisplay zu Hause, mit dem man notwendigerweise nicht nur fernsieht. Das Display wird zur Kommandozentrale. Auch die Jungen werden künftig ein großes Display zu Hause haben, da bin ich 100-prozentig überzeugt.

Samsung soll Nutzerdaten generieren, sogar in Wohnzimmer schauen. Was sagen Sie dazu?

Gar nichts. Dazu gibt es offizielle Stellungnahmen der Konzernleitung.

Marktführer bei TV, Displays und Smartphones

In Österreich werden pro Jahr im Schnitt rund 700.000 Fernseher verkauft, bei einem Großereignis wie der aktuellen Fußball- Europameisterschaft um 15 bis zwanzig Prozent mehr. Fast die Hälfte aller verkauften Fernseher stammen von Samsung.

Samsung, südkoreanischer Elektronikkonzern mit 320.000 Mitarbeitern in 84 Ländern, ist Marktführer bei Mobility (das sind Smartphones und sogenannte Wearable Devices wie Uhren) und Displays (wie TV, Large Format Displays und Monitore), bei Speichersticks und Kühlschränken. 1969 gegründet, investiert Samsung heute 40 Mio. Dollar pro Tag in Forschung und Entwicklung, In Österreich beschäftigt Samsung 200 Mitarbeiter. Martin Wallner, 43, ist seit 2014 Vice President, er berichtet an Präsident Seong Cho, Präsident Samsung Electronics Austria.

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