Wirtschaft
15.09.2017

Safthersteller Spitz: "Man braucht jedes Jahr was Neues"

Spitz wird 160 Jahre alt und ist noch immer in Familienbesitz. Wie hat man das geschafft?

KURIER: Mit welchem Auftrag ist die Eigentümerfamilie Scherb auf Sie zugekommen, als Sie 2009 Geschäftsführer von Spitz wurden?

Josef Mayer: Den Wert des Unternehmens zu steigern. Das ist gelungen. Wir sind ein Familienunternehmen. Walter Scherb Senior ist im Aufsichtsrat, der Junior hat seine Ausbildung abgeschlossen, war im Consulting und ist seit zwei Jahren im Unternehmen. Deswegen ist er auch bei unserem Termin dabei, damit er sieht, wie es bei uns läuft.

Werden Sie die Geschäftsführung bald übernehmen?

Walter Scherb Junior: Es ist eine Option.

Wieso wurde die Geschäftsführung damals extern besetzt?

Scherb: Mein Vater hat sich entschieden, die Spitz-Gruppe von einer übergeordneten Position aus zu überschauen. Daher das externe Management. Das hat super funktioniert. Ich bin ein Verfechter davon, dass jemand auf Basis seiner Fähigkeit und nicht auf Basis seiner Blutlinie eine Funktion in einem Unternehmen haben sollte. Alles andere wäre das Verderben für jedes Unternehmen.

Herr Mayer, Sie sagen "Wir sind ein Familienunternehmen". Sehen Sie sich mittlerweile als Teil der Familie?

Mayer: Wenn man sich als CEO nicht mit dem Unternehmen identifizieren kann, dann muss man es besser aufgeben.

Wieso haben Sie nie selbst gegründet?

Mayer: Es hat sich so ergeben und es macht Spaß.

Sie waren zuvor in der Papierindustrie tätig. Ist Management branchenunabhängig?

Mayer: In der Papier- und Kartonindustrie waren die Lebensmittelbetriebe unsere Kunden. Ich war also nicht ganz branchenfremd. Aber als ich zu Spitz gekommen bin, habe ich Fehler gemacht, die ich mit meinem heutigen Wissen über die Branche und das Unternehmen nicht machen würde. Wenn man Unternehmen und Branche kennt, trifft man Entscheidungen sicherer. Doch es gibt Tools, Regeln und Mechanismen, wie man ein Unternehmen gut führt.

Im Geschäftsjahr 2014/’15 ist der Gewinn gestiegen, der Umsatz gesunken. Zuletzt ist der Umsatz von 244 auf 251 Millionen Euro wieder gestiegen.

Mayer: Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht. Wir haben nicht so sehr auf die Umsatzsteigerung geschaut, sondern haben Produktivität, Prozesse und Qualität verbessert, neue Produkte erdacht. In den nächsten Jahren werden wir uns wieder mehr ums Wachstum kümmern.

2013 hat Spitz Auer-Blaschke übernommen. Wie läuft es da?

Mayer: Auer-Blaschke war in niederländischer Hand. Es wurde nichts investiert und man hat die Marke nicht verstanden. Wir haben zu der Zeit eine Marke gebraucht, auf der wir das Waffel-Geschäft aufbauen. Die eigene Spitz-Waffel hat sich nicht so gut entwickelt. Spitz steht nicht für Waffeln. Für uns hat Auer-Blaschke gut gepasst. Wir haben viel investiert, die Verpackung verändert, die Größe verkleinert. Die Marke läuft sehr gut.

Wie sehr hängt Spitz von aktuelle Entwicklungen ab? Wahlen, Brexit?

Mayer: Wir sind breit aufgestellt. Wir haben rund 1100 Artikel und eine große Anzahl an Rohstoffen und Lieferanten. Und wir haben ein sehr komplexes Geschäftsmodell, wo man sich in verschiedene Richtungen entwickeln kann. Generell arbeiten wir mit agrarischen Rohstoffen und die schwanken. Heuer wird es in Europa zum Beispiel wenige Äpfel geben. Daher werden die Preise für Äpfel steigen. Auf der Marktseite bereitet uns die hohe Marktkonzentration Kopfzerbrechen. Aber wir haben gelernt, mit diesen Entwicklungen zu leben. Die Rahmenbedingungen betreffen unsere Mitbewerber ja auch genauso.

2016 hat Spitz zwölf Millionen Euro investiert. Und heuer?

Mayer: Wieder zwölf Millionen. Wir investieren in Maschinen und in den Markt. Wir machen etwa die Hälfte des Geschäfts im Export. Wir treiben diese Entwicklung voran, gehen aus Österreich raus.

Aber Spitz bleibt in Österreich.

Mayer: Ja, klar. Spitz hat in Österreich Tradition. Wir haben sehr gute Mitarbeiter, haben viel Know-how aufgebaut. Außerdem haben österreichische Lebensmittel international einen sehr guten Ruf, da wir gute Technologien und strenge Auflagen haben. Ich würde aus keinem anderen Land liefern wollen.

Wie ist im gesättigten Getränkemarkt der Weg zu neuen Produkten?

Scherb: Als interne Innovationsquelle haben wir ein eigenes Team gegründet, das Future Business Team, dem wir die Möglichkeit geben, in einem Offsite-Setting Ideen zu brainstormen. Die Erfolgversprechenden werden in Konzepte umgearbeitet. Extern sehen wir, dass kleine Unternehmen den multinationalen Marktanteile wegnehmen. Durch Social Media und eCommerce gibt es gute Möglichkeiten, ein Produkt zu vertreiben. Die Produktion kann man outsourcen. Das war früher viel schwieriger. Wir arbeiten gerade an einem Kooperationsprojekt, wo wir junge Unternehmen mit unserem Know-how fördern können.

Brauchen Kunden denn immer Neues?

Mayer: Innovation ist bei uns sehr groß geschrieben. Nur so können wir überleben. Wir machen im Saftbereich zwar 80 Prozent mit Apfel- und Orangensaft, aber man braucht jedes Jahr etwas Neues, um die Marke und das Geschäft zu beleben. Was sonst passiert sieht man bei Auer. Dort wurden jahrzehntelang keine neuen Produkte gemacht, die Marke nicht kommuniziert. Jetzt haben wir 15-Jährige, die nie eine Berührung mit Auer hatten. Wir beleben die Marke jetzt wieder.

Die Spitz-Gruppe: 1100 Produkte und 670 Mitarbeiter

Spitz ist für Säfte und Sirup bekannt, aber auch die Mineralwassermarke Gasteiner gehört zur Gruppe, ebenso wie seit 2013 Auer, berühmt für die Tortenecken, und Blaschke, berühmt für die Kokoskuppel. Demnächst wird eine Spezialitätenbrennerei eröffnet. Der Konzern hat in Österreich 670 Mitarbeiter und mehr als 1100 verschiedene Produkte. Täglich verlassen 1,2 Millionen Produkte das Werk in Attnang-Puchheim.

Josef Mayer studierte in Linz und Lausanne, war lange in der Papierindustrie tätig, u. a. bei Mayr-Melnhof. Zuletzt war Mayer beim US-Konzern Xerium. Seit Anfang 2009 führt er Spitz.

Walter Scherb studierte an der Queen Mary University of London und der London School of Economics und ist seit zwei Jahren bei Spitz, nunmehr als Head of Business Development.