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Wirtschaft von innen
09/19/2013

Sacher-Chefin lockert die Zügel

Elisabeth Gürtler lässt im Sacher-Imperium jetzt Tochter und Schwiegersohn in die erste Reihe vor.

von Andrea Hodoschek

Eigentlich hat Elisabeth Gürtler mehrere Fulltime-Jobs. Die Spanische Hofreitschule, das Wellness-Hotel Astoria in Seefeld, die Hotels Sacher in Wien und Salzburg sowie das vor zwei Jahren übernommene Bristol neben der Staatsoper. Im Sacher-Imperium lässt Österreichs renommierteste Hotelierin jetzt aber Tochter Alexandra und Schwiegersohn Matthias Winkler in die erste Reihe vor.

„Ich finde es schrecklich, wenn Unternehmer glauben, dass sie unersetzlich sind“, begründet die 63-jährige Vielarbeiterin ihren Teil-Rückzug. Sie habe „tüchtige Kinder, da ist es ganz normal, wenn man Agenden abgibt und eine Übergangsphase schafft, damit sie im Unternehmen Fuß fassen können.“ Viele Jahre habe sie „das Sacher alleine gemanagt. Früher war ich eine One-Woman-Show, jetzt bestimmt der Familienrat“. Sie übernahm die Führung des Sacher nach dem Tod ihres Ex-Mannes 1990 für ihre Kinder und machte das Haus zum internationalen Spitzenbetrieb.

Was nicht heißt, dass die für ihre Disziplin und Zielorientiertheit bekannte Geschäftsfrau und ehemalige Opernball-Chefin, die von ihren Mitarbeitern als „hart, aber herzlich“ beschrieben wird, sich jetzt schon zur Gänze aus dem Sacher zurückzieht. „Ich bin schon noch da, aber die Kinder sollen ihre Chance haben, ihre Vorstellungen umzusetzen. Mich freut’s sehr, weil ich jetzt mehr Zeit habe.“ Tochter Alexandra Winkler ist seit einigen Jahren neben der Mutter in der Sacher-Geschäftsführung. Den Schwiegersohn setzte Gürtler in die Geschäftsführung der Bristol Holding.

Künftig will sich Gürtler auf die Hofreitschule und das Fünf-Sterne-Haus Astoria, das ihrer Familie gehört, konzentrieren. Schon aufgrund der Distanz zwischen Seefeld und Wien ist das Astoria zeitaufwändig. „Eine spannende Herausforderung, die letzten Tage habe ich mich intensiv mit der Positionierung dieses Hauses im Wellness-Markt beschäftigt.“

Sohn Georg Gürtler wird im Familienreich weiterhin für Qualitätsmanagement zuständig bleiben, er hat kein Interesse an einer Geschäftsführung.

Durchaus möglich, dass das letzte Matura-Treffen Gürtlers Entscheidung beschleunigt hat. Die meisten ihrer Schulkollegen sind bereits in Pension. „Tourismus hat viel mit Lifestyle zu tun. Ich will ein Hotel ja nicht für meine eigene Generation machen, sondern für Gäste, die voll im Arbeitsleben sind.“

Ihre „Nebenjobs“ wird Gürtler behalten. Ihr Mandat im Generalrat der Nationalbank, das auf die einst an der Notenbank beteiligte Industriellenvereinigung und die UNIQA zurückgeht, läuft noch vier Jahre. Die Spitzenhotelierin bleibt auch im Vorstand des KSV (Kreditschutzverband von 1870) und im Expertenbeirat der Österreich Werbung. Ihren Aufsichtsratsjob in der Erste Group hat Gürtler bereits vor zwei Jahren zurückgelegt.

Wann sie sich komplett zurückzieht und alle Macht der nächsten Generation übergibt, will sie nicht sagen: „Da will ich den Kindern nichts vorschreiben.“

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