Brasilien liefert vor allem Rindfleisch für die Gastronomie und für Großküchen

© APA/dpa-Zentralbild/Jens Kalaene

Fleischskandal
03/21/2017

Rupprechter fordert Stopp für Rind aus Brasilien

Der Landwirtschaftsminister reagiert auf den Gammelfleischskandal. Brasilien ist für Österreich viertwichtigstes Importland für Rindfleisch.

Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter (ÖVP) fordert angesichts des Gammelfleischskandals in Brasilien den Fleischimport aus dem südamerikanischen Land zu stoppen. Österreich importiert Rindfleisch im Wert von zwölf Millionen Euro und Hühnerfleisch im Wert von vier Millionen Euro. Brasilianisches Rindfleisch landet in Österreich vor allem in Restaurants und Großküchen als Steak auf den Tellern.

Ruf nach lückenloser Aufklärung

"Bis zur lückenlosen Aufklärung der Betrugsfälle von brasilianischen Fleischhändlern fordere ich von der europäischen Kommission zum Schutz der Konsumenten einen Importstopp von Fleisch aus Brasilien", so Rupprechter am Dienstag in einer Aussendung. Außerdem müsse die EU-Kommission genaue Informationen anfordern, wie viele brasilianische Fleischwaren auf dem Weg nach Europa sei. Der heimische Landwirtschaftsminister will das Thema beim nächsten EU-Landwirtschaftsrat im April besprechen.

Brasilien ist Österreichs viertwichtigstes Importland von Rindfleisch. Nur aus Deutschland, Niederlande und Argentinien gab es höhere Rindfleischimporte eingeführt. Im Jahr 2016 wurden laut vorläufigen Zahlen der Statistik Austria frisches oder gekühltes Rindfleisch aus Brasilien im Wert von 8,5 Millionen Euro und gefrorenes Rindfleisch für 3,5 Millionen Euro importiert. Zum Vergleich: Aus Deutschland gelangte im Jahr 2016 Rindfleisch für knapp 91 Millionen Euro nach Österreich.

Mehr als 20 brasilianische Unternehmen sollen verdorbenes Fleisch mit Chemikalien behandelt oder mit frischem Fleisch vermischt und verkauft haben. Mehrere Staaten verhängten am Montag Importstopps gegen Rind- und Geflügelfleisch aus dem südamerikanischen Land. Die chinesische Regierung teilte mit, als Schutzmaßnahme Einfuhren von allen Fleischprodukten aus Brasilien zu stoppen. Brasilien verkauft rund ein Drittel seiner Fleischprodukte nach China.

"Null Toleranz"

Brasilien ist mit einem jährlichen Ausfuhrvolumen von umgerechnet mehr als elf Milliarden Euro der größte Rindfleischexporteur der Welt. Die Fleischbranche ist einer der wenigen florierenden Wirtschaftssektoren in dem rezessionsgeplagten Land.

Der ÖVP-Bauernbund fordert angesichts des brasilianischen Fleischskandals "null Toleranz und null Kompromiss. Präsident Jakob Auer drängt die EU-Kommission weitere Maßnahmen zu prüfen, etwa einen Entzug der Exportzulassung. "Dass das Billig-Argument beim Lebensmitteleinkauf automatisch eine ganze Latte an Problemen nach sich zieht, wird am brasilianischen Gammelfleischskandal überdeutlich", betonte Auer. In Österreich hingegen würden "höchste Tierwohlstandards und strengste Qualitätsvorgaben" gelten.

Kein Hinweis auf Import von Gammelfleisch

Bisher gibt es keinen Hinweis auf nach Österreich gelangtes Gammelfleisch. Die EU-Kommission stehe seit Freitag in Kontakt mit den dortigen Behörden, betonte Ulrich Herzog, Leiter Verbrauchergesundheit und Veterinärwesen im Gesundheitsministerium. "Wir vertrauen der Kommission", die die Federführung in der Sache habe, sagte er.

"Solche Produkte können nur über die Flughäfen Wien-Schwechat und Linz nach Österreich kommen", erläuterte Herzog. Sollten dort Fleischwaren aus Brasilien eintreffen, werden sie überprüft. Dabei handle es sich jedoch um eine geringe Zahl. Brasilianisches Fleisch, das auf dem Landweg nach Österreich gelangt, müsse bereits bei der jeweiligen Eintrittsstelle in die EU kontrolliert werden.

Brasilianisches Schweinefleisch darf nicht in die EU eingeführt werden. Aus Brasilien werde hauptsächlich Rindfleisch für Steaks sowie Hühnerfleisch importiert, sagte Herzog. Dieses sei nicht im Einzelhandel zu finden. Gastronomen seien aber aufgefordert, ihre Ware zu prüfen. Alles, was Frischfleisch betrifft, unterliegt in Österreich einer strengen Herkunftskennzeichung, betonte der Experte.

Importstopp denkbar

Ein EU-Importstopp ist für Herzog denkbar, "wenn die Rückmeldungen der brasilianischen Brasilien ungenügend sind." Er sprach sich aber für Maßnahmen "mit Ziel und Augenmaß" aus. Nach Rückmeldung der Kommission, "wird man sehen, in welchem Ausmaß die EU betroffen ist oder nicht", betonte Herzog. Gegen die betroffenen Unternehmen wurden demnach bereits Maßnahmen eingeleitet, vier Betrieben könnte die Zulassung entzogen werden. Sollte Österreich betroffen sein, wird das Gesundheitsministerium die Öffentlichkeit informieren.

Der aktuelle Fleischskandal betreffe nicht den österreichischen Markt, betonte Josef Domschitz vom Fachverband der Nahrungs- und Genussmittelindustrie. Aus Brasilien werde in erster Linie "hochwertiges Rindfleisch" importiert, schloss er aus dem hohen Kilopreis der eingeführten Waren im Vorjahr. Beim Hühnerfleisch seien zudem nicht einmal 1,5 Prozent der benötigten Importmengen aus Brasilien eingeführt worden.

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