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Wirtschaft
12/05/2011

Rumoren bei der Rail Cargo Austria

49 Prozent der finanzmaroden Güterverkehrstochter in Ungarn könnten wieder veräußert werden.

In der Rail Cargo Austria (RCA), der Güterverkehrssparte der Österreichischen Bundesbahnen, rumort es. Nicht zum ersten Mal. Bei der Aufsichtsratssitzung letzte Woche haben die Vertreter des Betriebsrates ihre Zustimmungen zu den Punkten Strategie und Organisation verweigert. Diesen Donnerstag wurden die Mitarbeiter informiert. Der Vorwurf: Es sei keine nachhaltige Strategie ersichtlich. "Es ist alles verbockt da drinnen", meint RCA-Betriebsratschef Werner Harrer.
Was allerdings selbst die Belegschaftsvertreter noch nicht wissen: Die Rail Cargo Austria wird laut KURIER-Informationen Anfang November eine Kooperationsvereinbarung mit den ungarischen Staatsbahnen (MAV) unterzeichnen, die die Kostenexplosion bei der schwer defizitären Rail Cargo Hungaria (vormals MAV Cargo) eindämmen soll. Sogar ein teilweiser Verkauf der Ungarn-Tochter, die zum Spielball der ungarischen Staatsbahn wurde, ist nicht mehr ausgeschlossen, wie aus vertraulichen Unterlagen hervorgeht, die dem KURIER vorliegen.

MAV-Cargo war 2008 vom mittlerweile geschassten RCA-Vorstand Poschalko zu horrenden Preisen übernommen worden. In Summe mussten die ÖBB bis dato rund 700 Millionen Euro in den ungarischen Patienten stecken. Im Februar 2011 wurden im RCA-Aufsichtsrat erstmals Verkaufsabsichten thematisiert: 49 Prozent der Rail Cargo Hungaria könnten abgetreten werden. Mit der Vermittlung beauftragt: Heinrich Pecina, der auf Erfolgsbasis arbeitet - 1,75 Prozent des Transaktionsvolumens, Obergrenze 1,75 Millionen Euro. Ein Hinweis darauf, dass selbst ÖBB-Optimisten nur noch mit einem Bruchteil dessen spekulieren, was Richtung Ungarn geflossen ist? Die ÖBB dementieren.

Was den Betriebsrat offenkundig erregt: Die Rail Cargo Austria werde zugunsten des ÖBB-Personenverkehrs ausgedünnt. Tatsächlich geht aus einer streng vertraulichen Unterlage eines ehemaligen RCA-Vorstandes hervor, dass die RCA im Jahr 2010 "ohne vom Eigentümer angeordnete Sondereffekte auf (...) Budget- und Sanierungskurs" lag. Betriebsratschef Harrer: "Die ÖBB hat die Rail Cargo Austria als Goldene Gans gesehen, als Cashcow - und hat sich
ordentlich bedient."

Eine Aussage, die wiederum ÖBB-Konzernsprecherin Sonja Horner erzürnt: "Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In der Rail Cargo Austria wurde binnen sechs Jahren eine Milliarde Euro an Eigenkapital verbrannt." Die Annahmen des damaligen Rail-Cargo-Vorstandes seien unrealistisch gewesen. Mitte 2010 kam Christian Kern als neuer ÖBB-Generaldirektor an Bord. Sprecherin Horner: "Als wir uns das genauer angesehen haben, haben wir keine Cashcow vorgefunden, sondern eher eine ausgemergelte Milchkuh am Ganges."

Derweilen wollen die ÖBB gegen ehemalige Rail-Cargo-Austria-Manager gerichtlich vorgehen: Laut Format geht es unter anderem um überteuerte Zukäufe und Immobiliendeals in Rumänien und Italien.