Kraft-Kinz ermutigt die Menschen zum Sparen mittels Wertpapieren.

© KURIER/Jeff Mangione

Sparen
10/30/2014

Georg Kraft-Kinz: "Wir sind Konsumfreaks geworden"

Der Vorstand der RLB NÖ-Wien hält Sparen auch in Zeiten tiefer Zinsen für wichtig.

von Robert Kleedorfer

Am Freitag ist Weltspartag. Das klassische Sparbuch sollte dabei nicht mehr im Mittelpunkt stehen, sagt Banker Georg Kraft-Kinz. Er empfiehlt den Vermögensaufbau über Wertpapiere.

KURIER: Die Zinsen sind im Keller. Gibt es eigentlich noch etwas zu feiern am Weltspartag?

Georg Kraft-Kinz: Ich lehne den Zynismus gegenüber dem Sparen ab, nur weil die Zinsen so tief sind. Was es immer zu feiern gibt, ist der Weltspartag als Ausdruck unseres Wohlstands und dass Sparen Sinn macht. Und natürlich ist es ein Tag für uns als Bank, sich bei den Kunden zu bedanken. Hauptgrund ist aber, sich Gedanken übers Sparen und die Liquiditätsplanung fürs ganze Leben zu machen.

Ist es aber nicht so, dass es immer weniger gelingt, sich etwas zur Seite zu legen? Unabhängig davon, wie hoch die Zinsen sind.

Wir sind natürlich Konsumfreaks geworden und geben in vielen Bereichen unnötig Geld aus. Wenn ich höre, dass 16-Jährige viel Geld für Klingeltöne ausgeben, dann möchte ich empfehlen, darüber nachzudenken, ob man das Geld nicht lieber für sinnvolle Anschaffungen spart. Mir geht es dabei nicht primär um die Pension. Die permanente Diskussion, was in 30, 40 Jahren sein wird, hat für junge Menschen eine gewisse Absurdität.

Die Pensionslücke wird seit dem Versenden der Pensionsbriefe aber heftig diskutiert.

Ich finde es gut, dass es den Brief gibt. Ein Teil der Menschen fühlt sich jetzt verunsichert, aber nur weil die Wahrheit auf dem Tisch liegt. Man sollte sich aber ohnehin nicht auf das verlassen, was vom Staat kommt. Und ich glaube, es gibt mit dem Thema eine gewisse Ermüdung. Wir sollten uns nicht immer nur damit beschäftigen.

Mit was dann?

Die Pension muss man erst erleben und dann gesund sein. Das Paradies ist auch jetzt. Wenn ich immer davon träume, in die Karibik zu fahren, dann ist das genauso wichtig wie die Pensionslücke zu schließen. Ich möchte auch in meinem jetzigen Leben Dinge erleben, die besonders schön sind.

Wie sieht für Sie sinnvolles Sparen aus?

Ich möchte alle ermutigen, in drei Dimensionen zu denken. Also wie viel brauche ich kurzfristig für Notfälle, wie etwa, wenn die Waschmaschine kaputtgeht; wie viel benötige ich mittelfristig, etwa für meine Ausbildung; und wie viel langfristig in der Pension.

Das Sparbuch kann aber nur das Basisprodukt sein.

Ich bin total dagegen, dass man nur mit Sparbuch spart. Wir müssen uns trauen, Teile des Vermögens in Wertpapiere zu investieren. Je länger man in Wertpapieren veranlagt ist, desto weniger ist die Volatilität der Kurse gefährlich. Ich spreche hier nicht von aggressiver Veranlagung, sondern von Beimischung über Investmentfonds. Je jünger man ist, desto höher sollte dieser Anteil sein.

Wie hoch konkret?

Mein Sohn Louis ist jetzt sieben und für ihn spare ich seit der Geburt 100 Prozent in einem Aktienfonds an. Bei Kindern sollte man sich das durchaus trauen. Bei 50 plus sollte man schon drauf schauen, die Anteile zu verringern. Und mit 65, 70 sollte der Aktienanteil bei null sein.

Die Österreicher sind dem Thema Wertpapiere aber nicht sehr aufgeschlossen. Wie versucht die RLB ihre Kunden davon zu überzeugen?

Mit dem Thema Inflationsschutz. Auf dem Sparbuch verliert man aufgrund der Geldentwertung laufend. Kunden sollten beginnen, zehn Prozent in Wertpapiere zu investieren. Und dann nicht jeden Tag auf die Entwicklung schauen. Das ist völlig sinnlos, man muss da eine Gelassenheit entwickeln. Das alles sollte man mit seinem Partner und dann mit seinem Berater besprechen.

Apropos Berater: Viele Kunden haben für ein Gespräch untertags keine Zeit. Ihre Mitbewerber verlängern in Wien die Öffnungszeiten. Warum will die RLB dies nicht?

Diesen Schritt mache ich nicht. Es geht hier nur um die Kassenöffnungszeiten. Ich muss das Geschäftsmodell so ökonomisch halten, dass es auch lebensfähig ist. Eine Ausweitung würde die Struktur so teuer machen, dass es am Ende auch für die Kunden teurer wird. Beratung kriegt man bei der RLB nach Terminvereinbarung von Montag bis Freitag von 8:00 bis 18:00 Uhr. Im Private Banking auch darüber hinaus.

Georg Kraft-Kinz

Karriere

Der gebürtige Tiroler wuchs in Graz auf und studierte dort Jus. 1988 begann er in der CA, 1995 Wechsel zur Raiffeisenbank Wien, 2001 wurde er Teil des Vorstands.
Seit 2003 ist er im Vorstand der RLB NÖ-Wien für Privat- und Gewerbekunden zuständig. Seit 2010 ist er Vize-Generaldirektor.

Hobbys

Kraft-Kinz (52) ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er ist Initiator und Gründungsobmann des Vereins „Wirtschaft für Integration“, der Zuwanderer gezielt fördert, und Mitglied des Stiftungsrates von „Nein zu arm und krank“. Seine Hobbys sind Skiwandern, Klettern und Radfahren.

Kleine Geschenke, um die Sparer bei Laune zu halten

Erfunden wurde der Weltspartag vor mittlerweile 90 Jahren. Mit der Tradition, für den 31. Oktober kleine Geschenke zu besorgen, wollen die Banken auch weiterhin festhalten. Hier ein kleiner Überblick, was die Institute heuer vorrätig haben.

Bank Austria: Lernrätsel, Buntstifte, Kopfhörer und Sticks für Fahrradspeichen.
Erste Bank (in Ostösterreich): Sparefroh-Zaubertafeln, faltbares Sitzkissen und Stifte mit drei Funktionen (Kugelschreiber mit Touchpen und LED-Lampe).
RLB NÖ-Wien: Sumsi-Kuscheldecke, Almdudler-Flasche samt Öffner, Stofftaschen und Quartettspiele.
Bawag/PSK: Stehkalender, Wärme-Kältekissen im PopCoins-Design und Handy-Zubehör-Täschchen (mit Selbstklebefolie zum Anbringen an der Handy-Rückseite).
Volksbanken: Bücher über Tiere im Regenwald mit 3-D-Brille zum Aufklappen, kleine Puzzles zum Bemalen.

Am Weltspartag werden rund 1,3 Millionen Besucher in den heimischen Bankfilialen erwartet.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.