Wirtschaft 05.12.2011

Rennen um Rohstoffe treibt Preise

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China sichert sich wichtige Ressourcen. Auch Europa müsse sich auf höhere Preise einstellen, so der Ex-Politiker.

Was die Welt wirklich verändert, ist der Aufstieg der Schwellenländer und nicht Ereignisse wie 9/11", sagt Joschka Fischer, Ex-Außenminister und Vizekanzler von Deutschland. "Immer mehr Menschen streben nach einem höheren Lebensstandard." Es gehe jetzt darum, nachzudenken, "wie das Vorhandene effizienter auf mehr Köpfe aufgeteilt" werden kann, ohne dabei die Ökosysteme zu überlasten, sagte Fischer am Dienstag beim Stakeholderforum des Handelskonzerns Rewe in Wien. Da China sich für seine wohlhabender werdende Gesellschaft Ressourcen sichert, müsse sich auch Europa auf steigende Lebensmittelpreise einstellen. Gerade exportorientierte Länder wie Österreich müssten ihre Wirtschaftsstruktur auf Nachhaltigkeit umstellen.

Fischer ist seit 2009 Unternehmer und berät mit seinem Team unter anderem Rewe (Billa, Merkur, Bipa, Penny, Adeg), die am Dienstag ihren Nachhaltigkeitsbericht in Wien präsentiert hat. Bei Konzernen aller Branchen sind Nachhaltigkeitsberichte derzeit in Mode. "Es gibt immer den Verdacht, dass da mit grüner Farbe gearbeitet wird, die schnell abblättert und nicht viel bringt", räumt Fischer ein. Da "die Ressourcenknappheit mehr Nachhaltigkeit erfordert", sei er aber optimistisch, dass es um einen "substanziellen Wandel" gehe. "Volkswirtschaften und Unternehmen, die sich beizeiten darauf einstellen, werden auf der Gewinnerseite stehen", betont der frühere Grün-Politiker. Nachhaltigkeit sei "von einer Nische zum Mainstream" geworden.

Umdenken

"Wir müssen uns von der Vorstellung verabschieden, dass die Politik die Probleme löst", meint Rewe-Chef Frank Hensel. Die Wirtschaft müsse Verantwortung übernehmen, was von den Konsumenten auch verstärkt gefordert wird. Jeder Zweite würden beim Lebensmitteleinkauf auf Nachhaltigkeit Wert legen, Tendenz weiter steigend. Hensel: "Die Leute sehen, dass billig allein uns am Ende einen Skandal einbringt, weil man Abstriche machen muss."

Rewe hat unter anderem CO2-Emissionen eingespart und setzt verstärkt auf regionale Ware. Seit 2011 wurde ein Teil der Verpackungen auf umweltfreundliche Zellulosefolie umgestellt. Verbesserungspotenzial sieht Hensel bei der Förderung von Mitarbeitern mit Migrationshintergrund. Mit Sprachkursen sei es nicht getan.

Erstellt am 05.12.2011