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Auslands-Geschäfte
10/14/2014

Rechnungshof zerpflückt Verbund

Vorstände sollen Risiken in Frankreich, Italien und Türkei ignoriert haben.

von Irmgard Kischko

Mitten ins Chaos um den OMV-Vorstand platzt der Rechnungshof mit einer neuen Bombe in einem teilstaatlichen Konzern: Der 51 Prozent der Republik Österreich gehörende Verbund soll die Expansion ins Ausland ohne eingehende Prüfung der Risiken durchgeführt haben.

Die aus den Beteiligungen in der Türkei, Frankreich und Italien entstandenen Millionenverluste könnten auf die zuständigen Vorstände zurückfallen. Der Rechnungshof fordert in den Schlussfolgerungen aus der Überprüfung des Verbund-Auslandsgeschäfts in den Jahren 2008 bis 2012 sogar, es gebe in Zusammenhang mit dem finanziellen Engagement in Frankreich „einen begründeten Verdacht von Sorgfaltspflichtverletzungen durch Vorstandsmitglieder der involvierten Verbundgesellschaft“. Der Aufsichtsrat solle daher eingehende Untersuchungen zur Klärung von Schadenersatzpflichten und Organhaftung einleiten.

Die Prüfer lassen insgesamt kein gutes Haar an der Auslandsstrategie von Österreichs größtem Wasserkraftunternehmen. „Der Verbundkonzern führte vor dem Markteintritt keine tiefer gehenden Analysen durch und verfolgte seine Expansionsstrategie trotz der festgestellten Risiken“, heißt es im Abschlussbericht des Rechnungshofs. Zwischen 2008 und 2012 brachte das Auslandsgeschäft fast 600 Millionen Euro Verlust ein. 2,3 Milliarden Euro Eigenkapital schoss der Verbund bis 2012 in die Töchter in Frankreich, Italien und Türkei ein.

Der Verbund hat sich inzwischen von all diesen Beteiligungen verabschiedet. Und Aufsichtsrats-Chef Gilbert Frizberg hat sich schon Anfang dieses Jahres mit einem Gutachten abgesichert. Darin wird den Vorständen bescheinigt, sie hätten das gesamte Auslandsgeschäft völlig korrekt abgewickelt. Auch die interne Revision im Verbund hat laut Verbund-Sprecherin Ingun Metelko das Auslands-Engagement regelmäßig untersucht.

Unruhe

Der Rechnungshof-Bericht dürfte für einige Spitzen-Manager dennoch heikel werden: ÖBB-Boss Christian Kern war bis 2010 im Verbund für das Auslandsgeschäft zuständig. Dann wanderte der Bereich zu Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber. Sein Vertrag läuft bis 2018. Dennoch brodelt die Gerüchteküche bereits. Martin Graf, E-Control-Vorstand soll ebenso wie Energie-Burgenland-Chef Michael Gerbavsits Chancen auf den Chefsessel im Verbund haben.

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