Ratingagentu­ren im Visier der US-Justiz

Heile Welt: S&P-Chef Deven Sharma hält alle Anschuldigungen für falsch, seine Agentur arbeite transparent.
Foto: rts

Nach der New Yorker Börsenaufsicht ermittelt nun auch die Regierung. Der Vorwurf: Sie haben die Krise 2008 mitverursacht.

Nicht nur in Europa wird an der Arbeit der drei US-Ratingagenturen Moody's, Standard & Poor's (S&P) und Fitch heftige Kritik geübt. Auch in den USA selbst geraten sie unter Druck. Nun berichtet die New York Times, dass das Justizministerium in Washington gegen S&P ermittelt. Wer dies aber als eine Retourkutsche für die Herabstufung der Bonität der USA vor zwei Wochen interpretiert, der irrt. Laut dem Bericht wurde das Verfahren schon vor einigen Monaten eingeleitet.

Konkret geht es um die Bewertung von US-Hypothekenkrediten im Jahr 2007. Diese wurden damals von den Agenturen als sicher eingestuft. Doch schon ein Jahr später platzte die US-Immobilienblase. Zahlreiche Investoren, darunter auch viele Privatanleger, die in auf diesen Krediten aufgebaute Finanzprodukte Gelder steckten, verloren hohe Summen. Die Justiz prüft nun, ob die zuständigen Analysten bei S&P von ihrem Management zu einer positiven Bewertung gedrängt wurden. Denn die Banken zahlen für das Rating für die von ihnen herausgegebenen Finanzprodukte sechsstellige Beträge. Sollte es zu einer Beeinflussung gekommen sein, wäre dies strafbar.

Börsenaufsicht

In gleicher Sache ermittelt auch seit einiger Zeit die New Yorker Börsenaufsicht SEC, Betrugsklagen gegen S&P und Moody's seien in Überlegung. Bis dato sind Versuche, die Agenturen zur Verantwortung zu ziehen, gescheitert. So urteilte im Mai ein US-Richter, es habe sich bei den Bewertungen um "bloße Meinungen" gehandelt und diese seien durch die in der Verfassung verankerte Meinungsfreiheit geschützt. Die SEC geht aber auch der Frage nach, ob Mitarbeiter von S&P durch frühzeitige Kenntnis von der Herabstufung der US-Bonität dies für Insidergeschäfte genutzt haben.

Die Herabstufung führte zu heftiger Kritik seitens der US-Regierung Ein Gesetzesvorschlag sieht vor, dass Ratingagenturen künftig ihre Kalkulation offenlegen, um Fehler bei der Berechnung aufzudecken. Dies weist S&P-Chef Deven Sharma zurück. "Die bisherige Vorgehensweise war effektiv genug." Wie das manager magazin berichtet, werden laut Unternehmensberater Roland Berger Moody's und McGraw Hill, der Mutterkonzern von S&P, von denselben Aktionären beherrscht: einem guten Dutzend großer US-Fondsfirmen und Finanzkonzernen. Das könnte die Wettbewerbshüter auf den Plan rufen.

(kurier) Erstellt am
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