Wirtschaft
29.01.2015

Raiffeisen stemmt sich gegen russische Krise

Kredite werden deutlich reduziert, 2014 schrieb die Bank in Moskau dennoch Millionen-Gewinne.

Die Sanktionen gegen Russland und vor allem der tiefe Fall des Ölpreises bereiten der Moskauer Tochter der Raiffeisen Bank International (RBI) einige Sorgen. Zwar wird das Geschäft der Bank von den Sanktionen nicht direkt tangiert, die negativen Auswirkungen auf die russische Wirtschaft treffen die RBI in Moskau aber hart.

RBI-Chef Karl Sevelda hofft daher nach wie vor auf eine politische Lösung des Konflikts. „Von einem Sanktions-Wettlauf halte ich nichts“, spricht er sich deutlich gegen eine Verschärfung der Sanktionen aus.

Für Russlands Wirtschaft sind schon die bisherigen Sanktionen gepaart mit dem Ölpreisabsturz schlimm genug: Die Wirtschaft und mit ihr die Einkommen der Russen schrumpft. Zu befürchten ist, dass Privatkunden mit der Rückzahlung ihrer Kredite ins Schleudern kommen und auch die Unternehmen in Zahlungsprobleme schlittern. Zudem ist der russische Anleihenmarkt zum Stillstand gekommen. Sprich: Unternehmen begeben keine neuen Bonds. Daher fällt auch dieses Geschäftsfeld für Raiffeisen in Moskau aus. Kein Wunder, dass sich der RBI-Aktienkurs seit Herbst halbiert hat.

Untergangsstimmung ist dennoch nicht angesagt. Immerhin ist Raiffeisen in Moskau schon vor drei Jahren bei der Kreditvergabe an Privatkunden vorsichtiger geworden. Und jetzt steigt die Bank nochmals auf die Bremse und will das Geschäftsvolumen – rund zehn Milliarden Euro betragen die Kredite in Russland – nochmals um bis zu einem Fünftel reduzieren.

Zudem profitiert Raiffeisen in Moskau nach wie vor von einem guten Ruf bei den Kunden. Im Gegensatz zu einigen russischen Banken haben Sparer nämlich kaum Geld von der RBI-Tochter in Moskau abgezogen.

An einen Rückzug aus Russland denkt die RBI nicht. Immerhin hat sie dort im Vorjahr trotz der Krise mehr als 300 Millionen Euro verdient. RBI-Finanzchef Martin Grüll jedenfalls beruhigte am Donnerstag verunsicherte Investoren. Die RBI sei trotz aller Schwierigkeiten gut mit Kapital ausgestattet. Die Aktie gewann daraufhin mehr als zehn Prozent.