Wirtschaft 16.03.2016

RBI schreibt Gewinne – Dividende fällt vermutlich auch 2016 aus

Hat nach Bilanzzahlen gut lachen: Karl Sevelda. © Bild: REUTERS/HEINZ-PETER BADER

Raiffeisen in fast allen Ländern Osteuropas im Plus. Polen-Ausstieg nicht um jeden Preis.

Die Raiffeisen Bank International (RBI) ist 2015 in die Gewinnzone zurückgekehrt. In einem laut Vorstandschef Karl Sevelda „ordentlichen Jahr“ gelangen unterm Strich 379 Millionen Euro Konzerngewinn. Dort stand im Jahr davor noch ein dickes Minus von 617 Millionen Euro.
Die RBI fährt seit einigen Jahren einen scharfen Schrumpfungskurs, um das Risiko zu senken und Eigenkapital zu stärken. Seit 2010 wurde die Bilanzsumme um rund ein Viertel reduziert.

Im wichtigsten RBI-Markt Russland wurden 2015 weitere 26 Filialen zugesperrt, die Bank ist aus der Autofinanzierung ausgestiegen und hat das Pensionsfondsgeschäft verkauft. Der Nachsteuergewinn von 387 Millionen Euro lasse sich heuer wegen der tiefen Rezession wohl nicht wiederholen, sagte Sevelda. Der Ölpreisverfall bereitet ihm keine Sorge: Die RBI habe im russischen Energiesektor nur etwa eine Milliarde Euro im Feuer.

In der Ukraine, die für den Riesenverlust 2014 hauptverantwortlich gewesen war, wurden die Verluste stark eingedampft. 93 Filialen sind in dem Krisenland weggefallen. An der RBI-Tochter Aval ist seit dem Vorjahr die Entwicklungsbank EBRD beteiligt.

„Exzellent“ liefen die RBI-Geschäfte in Ländern wie Tschechien, Slowakei, Weißrussland oder Rumänien. Auch Ungarn, wo die Regierung Orban den Banken mehrere Jahre lang hohe Kosten auferlegt hatte, kehrte in die schwarzen Zahlen zurück.

Polnische Probleme

Dafür kostete die umstrittene Zwangskonvertierung von Fremdwährungskrediten in Kroatien die RBI 86 Millionen Euro. Auch in Polen hat sich die Situation verdüstert. Die neue Regierung in Warschau will den Geldinstituten eine „fast ruinöse“ Bankenabgabe aufbürden und lässt mit drastischen Vorschlägen zur Bereinigung der Fremdwährungskredite aufhorchen. Sogar Polens Finanzaufsicht und Nationalbank hätten gewarnt, dass das lokale Banken in die Pleite treiben könnte, sagte Sevelda. Er glaubt deshalb nicht, dass das Konzept so umgesetzt wird.

Trotz der Unwägbarkeiten bereitet die RBI ihre Tochter Polbank weiterhin für einen Börsegang und Verkauf vor – „aber nicht um jeden Preis“. Angewiesen sei man darauf nicht; die angepeilten Kapitalziele würden bis Ende 2017 auch ohne den Verkauf erreicht, betonte Finanzchef Martin Grüll.

Nicht geändert haben sich die Restrukturierungskosten, die die RBI mit maximal 550 Millionen Euro beziffert. Davon werden große Teile allerdings in den nächsten beiden Bilanzen verbucht.

Die Dividende für 2015 fällt aus. Auch 2016 sei eine Auszahlung „eher unwahrscheinlich“, sagte Sevelda. Diese Meldung gefiel den Aktionären weniger gut als die Geschäftszahlen. Der Aktienkurs, der zuvor klar in Plus gelegen war, drehte ins Minus.

( kurier.at ) Erstellt am 16.03.2016