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Wirtschaft
10/10/2012

Positives Echo auf Merkels Athen-Besuch

Die griechische Presse hofft nach dem brisanten Besuch der deutschen Kanzlerin in Athen auf bessere Zeiten.

Die Ausgangsposition war heikel: das deutsch-griechische Verhältnis, schwer angeschlagen. Massive Sicherheitsvorkehrungen auf den Straßen, beleidigende Karikaturen in den Zeitungen. Dann, gestern Dienstag, folgte der Staatsbesuch der deutschen Kanzlerin Angela Merkel in Athen - begleitet von Ausschreitungen. Doch am Tag nach der Kurzvisite hat die Stimmung ein wenig umgeschlagen, das Echo in der griechischen Presse ist überwiegend positiv, im schuldengeplagten Land hofft man nach Merkels Besuch auf bessere Zeiten. Beleidigende Bilder und Karikaturen blieben aus.

Die in der politischen Mitte angesiedelte Zeitung "Ta Nea" titelte: "Sie ist gekommen, hat gesehen und versprochen". Das Blatt stellte Merkel in einer Karikatur wie eine Säulen-Statue aus dem Erechteion Tempel auf der Akropolis dar. Diese Säulen-Statuen stützen den Tempel. Die Zeitung merkte an, dass Merkel sich sehr vorsichtig geäußert habe. Sie "wünsche" sich, dass Griechenland in der Eurozone bleibt. Sie habe aber klar anerkannt, dass die Griechen durch schwierige Zeiten gehen.

"Merkel unterstützt, Kampf mit der Zeit", lautete der Tenor in der konservativen regierungsnahen Zeitung " Kathimerini". Das griechische Problem könne aber nicht mit einem Besuch gelöst werden.

Die konservative Zeitung "Eleftheros Typos" sieht vor allem eine Botschaft von Merkel an Samaras: "Bringt alle Themen in den nächsten 30 Tagen unter Dach und Fach und wir werden eine Lösung finden." Auch die konservative Zeitung "Adesmeftos" zieht eine positive Bilanz. "Merkel steht Griechenland bei", lautete der Tenor.

Die Parteizeitung der größten Oppositionspartei Bündnis der radikalen Linken (Syriza), "Avgi", bewertete die Ergebnisse des Besuches Merkel in Athen negativ. Samaras Regierung werde (mit dem Besuch) von Merkel "künstlich am Leben gehalten", lautete der Tenor. Merkel habe Samaras angebunden und dies werde "verheerende Konsequenzen" für Griechenland haben.

Einige Boulevardblätter setzten allerdings weiter auf eine emotional geladene Berichterstattung. "Sie (Merkel) unterstützt und erpresst", titelte die kleine Boulevardzeitung "Ellada". Die Zeitung unterstellte Merkel, sie habe Samaras gesagt, "entweder machst Du was ich will oder Du verlierst alles".

Sorge um die Sicherheit der Kanzlerin

Die deutschen Medien hatten zuvor "mit Sorge um die Sicherheit der Kanzlerin" in die griechische Hauptstadt geblickt: Angela Merkels erster Besuch dort seit Ausbruch der Staatsschulden-Krise forderte nicht nur ihr persönlich ein Höchstmaß an Gelassenheit ab. Auch die deutsche Öffentlichkeit tut sich mit der Realitätsverweigerung der Griechen auf den Straßen, in den Medien und ihrer Politik zunehmend schwer, die die Ursachen ihrer Krise nicht bei sich selbst sondern im Spardiktat aus Berlin sehen wollen. Die Vorwürfe an Merkel, die mit Nazi- und Hitler-Vergleichen immer mehr ins Persönliche und Verletzende gehen, beschädigen inzwischen auch den früheren guten Willen der deutschen Elite, Griechenland um jeden Preis in der Eurozone zu halten.

Merkel ließ sich von beidem öffentlich nichts anmerken. Sie kam aber mit Mahnungen, die in Berlin mit orchestriert worden waren: Die Eurozonen-Finanzminister hatten in der Nacht zuvor Athen aufgefordert, innerhalb der nächsten zehn Tage die 89 versprochenen Reformmaßnahmen umzusetzen. Unterstützt wurden sie dabei vom Internationalen Währungsfonds IWF und der Europäischen Zentralbank.

Die Kanzlerin verlautete zudem, dass zwei unter deutscher Betreuung stehende EU-Projekte mit einem Volumen von 30 Millionen Euro starten können. Dabei geht es um den Aufbau der regionalen Verwaltung und Verbesserungen im Gesundheitswesen.

Pleitedrohung

Nach außen deutet alles darauf hin, dass die Prüfer-Troika in Athen die Fortschritte vermisst, die die Auszahlung der nächsten 31 Milliarden-Euro-Tranche aus dem Griechenland-Rettungsprogramm erlauben würde. Ohne dieses Geld ist es Anfang November zahlungsunfähig, warnte Ministerpräsident Antonis Samaras. Doch hinter den Kulissen soll die Auszahlung bereits vorbereitet werden, verlautet aus Brüssel. Die internationalen Geldgeber wollen Griechenland weiter beistehen. Der Bereicht der Troika aber wird abgewartet.

Für Merkel ist das Verhältnis zu Samaras jedenfalls schwierig: Noch im Frühjahr gab es Schreiduelle am Telefon, als sie ihn zur Unterstützung der Reformbemühungen seines sozialdemokratischen Vorgängers Venizelos drängte. Die blockierte Samaras beinhart, um diesen leichter ablösen zu können.

Der Konservative Samaras zählt wie die gesamte politische Klasse Griechenlands weiter darauf, dass nicht nur die Euro-Südländer sondern auch Deutschland es nicht fallen lassen. Dies drückte er auch so – etwas umständlich – vor der Presse aus, vor die er nach dem Gespräch mit Merkel ging. Die Kanzlerin ihrerseits lobte die Reformbemühungen Griechenlands und die Opfer der Bevölkerung. Sie wünsche sich, "dass Griechenland in der Euro-Zone bleibt". Ihre sechsstündige Mission trage zum besseren Verständnis beider Seiten bei. Sie wollte aber nicht klar sagen, dass sie nun den Eindruck von einem beschleunigten Reformtempo im Hinblick auf neue Hilfen habe.

"Die Deutschen kommen zurück"

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel war "in aller Freundschaft" nach Athen gekommen, um "den Reformeifer zu unterstützen". Doch als Freundin wurde sie hier nicht empfangen. Dass die meisten Griechen nach den rigiden Kürzungen der Reformeifer abhandengekommen ist, zeigten sie Merkel am Dienstag deutlich. Tausende waren gekommen, um zu demonstrieren. Der Omonia-Platz war einmal mehr Schauplatz einer Demonstration, bei der sich die Emotionen mit den obligatorischen anti-deutschen Slogans aufpeitschten.

Am Nachmittag eskalierten die anfangs friedlichen Proteste. Etwa 40 bis 50 teils vermummte Jugendliche warfen Steine auf Polizisten. Die schlugen sie mit Schlagstöcken, Tränengas und Blendgranaten zurück, große Teile der Innenstadt waren abgesperrt. Premier Antonis Samaras ließ aus dem ganzen Land 7000 Polizisten und Scharfschützen zusammenziehen, um Merkels Sicherheit zu gewährleisten.

Doch das Platzverbot der Polizei gegen die Protestkundgebungen linker Gruppen und Gewerkschaften nahmen manche zum Anlass, erst recht ihrem Zorn gegen Merkel – für viele der Ursprung der strengen Sparvorschriften – Luft zu machen. "Frau Merkel, verschwinde", "Nein zum Vierten Reich" oder "Die Deutschen kommen zurück", stand auf ihren Bannern.

Gerade sozial Schwache und Pensionisten müssen beim neuen Sparpaket erneut ihren Beitrag leisten, etwa mit der vierten Pensionskürzung in Folge. Und Merkel kam nicht, um dem Krisenland mehr Zeit zu geben. Der Generalvikar von Athen, Pater Ioannis, sieht dies kritisch: "Die Mehrheit der Griechen hasst Deutschland nicht. Aber es kann nicht, sein, dass das Volk für die Fehler der Politiker bezahlt und bestraft wird. "

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