Portugal verliert 100.000 Arbeitsplätze

Muss sein Land durch zwei harte Jahre bringen: Ministerpräsident Pedro Passos Coelho.
Foto: APA/MARIO CRUZ

264.000 Stellen sind in Portugal in den letzten beiden Jahren verloren gegangen. In den nächsten eineinhalb Jahren kommen weitere 100.000 hinzu.

Die Maßnahmen zur Sanierung der Finanzen in Portugal werden in den nächsten eineinhalb Jahren per Saldo weitere rund 100.000 Arbeitsplätze vernichten, so der Sommerbericht der Zentralbank in Lissabon. Mit rund 600.000 registrierten Arbeitssuchenden erreichte das ärmste Land Westeuropas zuletzt eine Rekordarbeitslosigkeit von 12,6 Prozent. In den vergangenen zwei Jahren waren per Saldo bereits 264.000 Stellen verloren gegangen.

Portugal erwartet zwei Jahre Rezession

Portugals Wirtschaft wird in diesem Jahr um 2,0 und 2012 um 1,8 Prozent schrumpfen. Anfang des Jahres war die Zentralbank des Landes noch von einem Rückgang beim Bruttoinlandsprodukt 2011 von 1,4 Prozent ausgegangen und hatte für das kommende Jahr wieder ein Wachstum von 0,3 Prozent prognostiziert.

Portugal bemüht sich um ein 78-Milliarden-Euro-Rettungspaket der Europäischen Union und plant dafür drastische Sparmaßnahmen. Dies dürfte sich auch bremsend auf die Binnennachfrage auswirken. Die Notenbank rechnet mit einem Rückgang von 5,6 Prozent im Jahr 2011 und 4,4 Prozent im nächsten Jahr. Bei den Exporten sehen die Notenbanker jedoch ein anhaltendes Wachstum von 7,7 Prozent in diesem und 6,6 Prozent im kommenden Jahr. Die Investitionstätigkeit soll den Angaben zufolge um jeweils zehn Prozent einbrechen. "Vor allem das ist besorgniserregend", sagte der angesehene Ökonom Antonio Bagao Felix.

Als Gegenleistung für das 78 Milliarden schwere Hilfspaket der EU und des Internationalen Währungsfonds muss Portugal dieses Jahr das Haushaltsdefizit von 9,1 Prozent (2010) auf 5,9 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) senken. Bis 2013 soll man die 3-Prozent-Marke erreichen. Dazu will die neue Regierung des liberal-konservativen Ministerpräsidenten Pedro Passos Coelho unter anderem das Privatisierungsprogramm beschleunigen, Pensionen, Gehälter und das Arbeitslosengeld weiter kürzen, viele Steuern anheben und den Arbeitsmarkt flexibilisieren.

Portugals Banken bestehen Stresstest

Die portugiesischen Banken haben den Stresstest der europäische Bankenaufsichtsbehörde EBA bestanden, berichtete die portugiesische Wirtschaftszeitung Diario Economico am Dienstag unter Berufung auf "verschiedene Quellen des Finanzsystems" in Lissabon. Die vier getesteten Geldhäuser CGD, BCP, BES und BPI hätten alle eine Kapitalausstattung, die nach den - bei diesem zweiten Test verschärften - Kriterien der EBA solide genug sei, hieß es.

Die Ergebnisse der Stresstests bei 91 europäischen Banken werden erst an diesem Freitag offiziell veröffentlicht, sie wurden den Teilnehmern aber bereits mitgeteilt. Es gilt als sicher, dass einige Finanzinstitute die Prüfung nicht bestanden haben. Bei der ersten Testrunde waren im vergangenen Jahr sieben Banken gescheitert, darunter die verstaatlichte Hypo Real Estate (HRE) aus Deutschland.

(apa, rts, dpa / js) Erstellt am
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