Wirtschaft 30.01.2012

Portugal: Das zweite Griechenland?

US-Wissenschafter Nouriel Roubini steht mit seiner Befürchtung nicht alleine dar.

Der US-amerikanische Wirtschaftswissenschafter Nouriel Roubini malt wieder einmal schwarz. Portugal stehe ein ähnliches Schicksal bevor wie Griechenland, sagt der New Yorker Professor.

Begonnen hat es vor zwei Wochen, als die Ratingagenturen Portugal als unzuverlässigen Schuldner brandmarkten. Seither zogen sich Investoren aus portugiesischen Anleihen zurück. Die Rendite für 10-jährige Staatsanleihen stieg am Montag mit 15,5 Prozent auf einen Rekordwert

Davos

Sieht schwarz: Nouriel Roubini
© Bild: EPA

Beim Weltwirtschaftsforum in Davos sprach Roubini am Wochenende schließlich Klartext: „ Griechenland und vielleicht Portugal könnten die Eurozone verlassen. Griechenland innerhalb der nächsten zwölf Monate. Bei Portugal könnte es etwas länger dauern.“

Der Wissenschafter, bekannt geworden durch eine frühzeitige Prognose der Finanzkrise 2007/2008, ist mit seiner Meinung in guter Gesellschaft. Viele Experten zweifeln, ob das 78 Milliarden Euro schwere Hilfsprogramm für das Land ausreichen wird.

Noch vergangene Woche hatte der konservative Ministerpräsident Portugals, Pedro Passos Coehlo, betont, dass sein Land die EU, die EZB und den Internationalen Währungsfonds „weder um mehr Zeit noch um mehr Geld“ bitten werde. Doch das große Problem Portugals liegt nicht nur in der hohen Staatsverschuldung von 100 Prozent der Wirtschaftsleistung (Griechenlands Verschuldung beträgt 165 Prozent). Probleme bereitet vielmehr auch die veraltete Industrie. Experten trauen Portugal kaum zu, dass das Land aus eigener Kraft die Schulden in den Griff zu bekommt. Die Folge: Ein Schuldenschnitt werde unausweichlich. Roubini warnte in Davos, dass Griechenland und Portugal die Gemeinschaftswährung aufgeben könnten. „Es gibt eine Chance von 50 Prozent, dass die Eurozone in den nächsten drei bis fünf Jahren zerbrechen wird.“

 

Spanien

Auch das Nachbarland Spanien bleibt von der Entwicklung nicht verschont. Ministerpräsident Mariano Rajoy zufolge werde die Wirtschaft weniger stark wachsen als angenommen. Im vierten Quartal 2011 ist die spanische Wirtschaft bereits um 0,3 Prozent zum Vorjahr geschrumpft. Damit droht Spanien im ersten Halbjahr 2012 in eine Rezession zu rutschen. Die Notenbank rechnet heuer mit einem BIP-Einbruch von 1,5 Prozent

( Kurier ) Erstellt am 30.01.2012