Wirtschaft
16.08.2017

Pikante Pleite eines Windkraft-Projekts

Nach 14 Jahren Kampf mit der Bürokratie gibt Kolowind das Windkraft-Projekt auf, man scheiterte offenbar an den Bewilligungen und den Kosten für Fledermaus-Zählung.

Diesem Geschäftsmodell wurde schon vor einer Realisierung rechtlich der Wind aus den Segeln genommen. 14 Jahre nach ihrer Gründung musste der Geschäftsführer der kolowind erneuerbare energie gmbh mit Sitz in Thalgau, Salzburg, den Weg zum Insolvenzgericht antreten und Konkurs anmelden. Das bestätigen die Gläubigerschutzverbände AKV und Creditreform dem KURIER.

Das 2003 gegründete Unternehmen wollte offenbar in seiner Heimatregion Windkraftanlagen errichten und betreiben. „Wie das im Fall des derzeit geplanten Windrades aussehen könnte, kann man sich anhand der oben dargestellten realistischen Fotomontagen vorstellen. Sie wurden von repräsentativen Positionen rund um den Lehmberg aus erstellt. Die Windkraftanlage wird dabei aufgrund der Bewaldung erst mit größerem Abstand sichtbar“, heißt es auf der Firmen-Homepage. „Für das Projekt liegt im Mai 2015 ein rechtskräftiger Bescheid über die geänderte Flächenwidmung (Grünland Windkraftanlage) für eine Windkraftanlage vor. Derzeit befindet sich diese geplante Anlage (Vestas V110/125 2.0) im luftfahrt-, forst- und elektrizitäts-/naturschutzrechtlichen Verfahren.“ Konkrete Angaben zum geplanten Zeitpunkt der Inbetriebnahme seien unter den Salzburger Rahmenbedingungen nach wie vor sehr schwierig.

Dabei sei man schon vor mehreren Jahren erstmals ganz knapp an der Pleite vorbeischlittert. „Nach einem acht Jahre dauernden Bewilligungsverfahren für die ersten Windkraftanlagen im Land Salzburg konnte das Unternehmen 2011 knapp vor dem Konkurs durch eine Erweiterung der Stammgesellschaft gerettet und die mitunter mühsame Entwicklungsarbeit fortgesetzt werden“, heißt es auf der Firmen-Homepage. Jetzt ist aber endgültig Schluss. Zwar gab es positive Bescheide nach der Raumordnung und nach dem Zivilluftfahrtrecht, aber das Verteidigungsministerium soll nicht mitgespielt haben, das in der Nähe des geplanten Standorts eine Radar-Station der Goldhaube-Systems betreibt.

Keine Einigung mit Energieversorger

„Vom Bundesministerium für Landesverteidigung wurde letztlich ein ablehnender Bescheid abgegeben, eine Beschwerde beim Bundesverwaltungsgericht wäre mit großem finanziellem Aufwand verbunden gewesen“, zitieren die Gläubigerschutzverbände AKV und Creditreform offenbar Firmenangaben. „Auch positive Gespräche hinsichtlich einer Projektbeteiligung des Landesenergieversorgers haben sich zuletzt als wenig erfolgversprechend dargestellt.“ Außerdem hätten für die elektrizitätsrechtliche Bewilligung weitere umfangreiche Untersuchungen durchgeführt werden müssen.

Hohe Kosten

„Mittlerweile liegen die Angebote für die geforderten Untersuchungen zur Errichtung Salzburgs erster Windkraftanlage der Neuzeit vor“, heißt es auf der Firmen-Homepage. „Ganze 323.000 Euro sollen diese kosten, 113.615 Euro alleine die Fledermauszählung. Da die geforderten Grundlagenuntersuchungen für eine kleine Windenergiefirma wie die Kolowind nicht finanzierbar sind, ergeht eine Einladung zur finanziellen Beteiligung an der Forschung zur Windenergienutzung in Salzburg an die beiden zuständigen Landesräte Astrid Rössler und Josef Schwaiger.“

Fakt ist: „Aufgrund der zweifelhaften Aussichten für die erfolgreiche Umsetzung des Projektes und der Tatsache, dass keiner der Gesellschafter mehr bereit war weiteres Kapital zur Verfügung zu stellen, sah man sich gezwungen einen Insolvenzantrag einzubringen.“ Die Schulden werden mit 88.000 Euro beziffert.

Bekannte Namen

Zur Kolowind gehören laut Firmencompass neben atypisch stillen Beteiligten aus Oberhofen, Seekirchen, Neumarkt, Friedburg und Wien u.a. auch die Stammgesellschafter Maximilian Mayr Melnhof, Windkraft Simonsfeld, Salzachwind GmbH, Manfred Schöchl, Wolfgang Wörndl, die Marktgemeinde Thalgau, die Firma KA WE Bau und die Isocell GmbH sowie der Kolowind-Geschäftsführer Peter Stiegler.