Wirtschaft
07.07.2017

Millionen-Pleite einer Merchandising-Firma

Wiener Unternehmen wird geschlossen, es sitzt auf einem Berg exklusiver T-Shirts.

Im Jahr 2012 gründete der Designer, Künstler und Classic-Car-Rennfahrer Nicolas Hunziker (nicht zu verwechseln mit dem gleichnamigen Fußballer) mit seiner Lebensgefährtin und Partnern in Wien die Hunziker Apparel GmbH. Dem Vernehmen nach konnte der Designer mit Wohnsitz in Kalifornien, USA, namhafte Automobilhersteller wie Porsche und McLaren als Kunden gewinnen, für die er Merchandising- und Apparel-Produkte entwarf und produzierte. Zugleich konnte er sich die Verwertungsrechte für Marken wie „James Hunt“ und „Steve McQuinn“ (laut Insolvenzantrag) sichern und ganze Merchandising- und Bekleidungskollektionen entwickeln.

Jetzt hat die Hunziker Apparel GmbH mit Sitz in 1230 Wien am Handelsgericht Wien ein Insolvenzverfahren beantragt. Das bestätigt Gerhard Weinhofer vom Gläubigerschutzverband Creditreform dem KURIER. Begründet wird die Zahlungsunfähigkeit mit verzögerten Aufträgen, durch die der Betrieb und die Rückzahlung von Schulden nicht mehr gewährleistet werden kann.

Der Hintergrund

Schon der Startphase soll es der Gesellschaft an Geld gefehlt haben. Im Jahr 2014 wurden rund 800.000 Euro umgesetzt. Danach konnte ein Wiener Investor gefunden und eine Bankfinanzierung mit einer aws-Besicherung aufgestellt werden. 2015 nahm man an verschiedenen Ausschreibungen insbesondre der Porsche AG teil, konnte aber im Gegensatz zu den Vorjahren keinen Auftrag an Land ziehen. Der Umsatz brach auf ein Viertel ein. So verlagerte sich das Management auf das Projektgeschäft, 100.000 Euro schossen die Gesellschafter ein.

Zwei Abgänge

Im Frühjahr 2016 schied eine Mitgründerin aus, im Mai 2016 wurde ein neuer Geschäftsführer bestellt, der aber Wochen später schon wieder von Bord gegangen sein soll. Beide sollen ein schwieriges Verhältnis mit dem Designer gehabt haben. Dazu kommt, dass der Designer in Los Angeles, USA, lebt und nur schwer zu erreichen gewesen sein soll. Der Investor und Gesellschafter Martin E. wurde zum Geschäftsführer bestellt. Es kam zu Einsparungsmaßnahmen, aber aus dem Tagesgeschäfte konnte man die Kreditlinien nicht bedienen. Auch die Raten für aws-Darlehen konnten nicht bezahlt werden. Seit Mitte Mai gab es Gespräche mit Banken und dem aws, ab er eine positive Fortführungsprognose konnte nicht erstellt werden.

Das Vermögen

Die Hunziker Apparel GmbH sitzt auf einem Warenlager, das hauptsächlich aus T-Shirts besteht. Die Rechte für die Marke Hunziker in Europa gehören ebenso der Gesellschaft wie auch eine offene Forderung (6800 Euro) und „ein Original von Nicolas Hunziker“ mit einem Wert von rund 6000 Euro.

Die Schulden

Über die Verbindlichkeiten finden sich aktuell keine belastbaren Angaben. Laut Firmencompass hatte das Unternehmen bereits im Geschäftsjahr 2015 rund 1,247 Millionen Euro Schulden und ein negatives Eigenkapital in Höhe von 948.000 Euro. Zum 31.12. 2015 heißt es dazu: Eine Überschuldung im Sinne des Insolvenzrechtes liegt nicht vor, da für Verbindlichkeiten in Höhe von 858.000 Euro Rangrücktritte erklärt wurden“. Das heißt: Diese Gläubiger haben ihre Forderungen zurückgestellt. Aus den Fortbestehungsprognose 2016 und 2017 sei „das Erreichen der Gewinnzone im Jahr 2017 zu erwarten“.