Erste Anklage auf einem Nebenschauplatz des Alpine-Krimis

© KURIER/Gerhard Deutsch

Umstrittene Ausgaben
06/04/2016

Pikante Anklage in der Causa Alpine

Ex-Geschäftsführer der Linzer Konzern-Tochter Alpine Energie soll in die eigene Tasche gewirtschaftet haben.

von Kid Möchel

Rund um die Pleite des Alpine-Konzerns liegt eine erste sehr pikante Anklage vor. Im Mittelpunkt steht Helmut S., der rund sechs Jahre lang Geschäftsführer der Linzer Konzern-Tochter Alpine Energie Österreich war. Ende 2012 wurde der Manager, der zuletzt angeblich 21.500 Euro brutto im Monat verdiente, fristlos entlassen. Kurze Zeit später hat sein Ex-Arbeitgeber zwei Strafanzeigen wegen angeblicher massiver Malversationen erstattet.

Helmut S. soll jahrelang in die eigene Tasche gewirtschaftet und anscheinend auf großem Fuß gelebt haben. Zur Erklärung: Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft führt seit Längerem ein umfangreiches Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch des Baukonzerns gegen die früheren Manager der Alpine durch, die Staatsanwaltschaft Linz ermittelt in der Causa Alpine Energie, weil dieses Unternehmen seinen Sitz in Linz hat.

"Es ist richtig, es gibt eine 110 Seiten starke Anklage gegen Helmut S.", bestätigt Philip Christl von der Staatsanwaltschaft Linz dem KURIER. "Sie betrifft fast 50 Untreue-Fakten mit einem Schaden in Höhe von rund 880.000 Euro und Betrugsfakten mit einem Schaden von 337.000 Euro." Etwa weitere 50 Fakten wurden von der Linzer Anklagebehörde eingestellt. Die Anklage ist noch nicht rechtskräftig. S. hat dagegen Einspruch erhoben und er bestreitet die Vorwürfe. Detail am Rande: Gegen Helmut S. sind noch zwei weitere Ermittlungsverfahren anhängig, eines davon ist ein Finanzstrafverfahren.

Laut Anklage soll S. einen Mercedes E350 als Dienstwagen (samt Chauffeur) zur Verfügung gehabt haben. Im Februar 2012 soll er aber um fast 100.000 Euro einen Mercedes E500 mit 408 PS und Luxusausstattung als "Zweitwagen" auf Firmenrechnung angeschafft haben, "diesen jedoch ausschließlich für private Zwecke benützt" haben.

Auch die diversen Urlaubsaufenthalte samt Familie im Kärntner Schloss-Hotel Seefels (60.420 Euro) und auf Mauritius (94.200 Euro) sollen der Alpine Energie verrechnet worden sein. Außerdem sollen Wohnungen in Wien, die de facto seiner Frau gehören, als "Dienstwohnungen" an die Alpine Energie vermietet worden sein, obwohl Helmut S. pro Jahr 10.000 Euro Nächtigungspauschale kassierte.

Im Mai 2012 soll er als Geschäftsführer der Alpine Energie einen Mietvertrag (3885 Euro pro Monat) für eine Luxus-Wohnung in Wien-Wieden abgeschlossen haben. Zugleich soll er diese neue "Dienstwohnung" auf Kosten der Alpine Energie um 65.670 Euro mit einer Klimaanlage, einem Miele-Wäschetrockner, teuren Beleuchtungssystemen und Kalksteinplatten ausstatten haben lassen. Laut Anklage haben die Ex-Aufsichtsräte in ihren Zeugeneinvernahmen angegeben, von der Wohnung "überhaupt nichts gewusst" zu haben. Der mutmaßliche Schaden durch diese Mietkosten für beide Wohnungen wird laut Staatsanwalt Reinhard Steiner mit insgesamt 92.353 Euro beziffert.

Auch beim Wiener Juwelier Hübner soll S. Schmuck und eine Herrenuhr für 14.150 Euro und in den Modehäusern Hermes, Gucci, Knize und Louis Vuitton sowie bei Ludwig Reiter Schuhe um 11.000 Euro eingekauft haben. Zum Teil wurden die Käufe später als "Kundengeschenke" verbucht. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sollen diverse Rechnungen, die Teil der Anklage sind, "umetikettiert" worden sein.

Selbst das private Kindermädchen soll als Reinigungskraft bei der Alpine Energie angestellt worden sein. Und auch der Deutsch-Kurs für das Kindermädchen soll über die Alpine Energie abgerechnet worden sein.

Es wird aber noch pikanter. Der Ex-Manager soll "Flugkosten für seine Geliebte" in Höhe von 2195 Euro von der Linzer Firma berappen haben lassen. Helmut S. hat dann im Jahr 2010 mit dieser Geliebten, die angeblich auch als "Konsulentin" ausgegeben wurde, eine uneheliche Tochter in Deutschland in die Welt gesetzt. Die Vaterschaft wurde laut Anklage vor Gericht in Karlsruhe festgestellt. Die Anwaltskosten dafür soll er der Alpine Energie umgehängt haben.

Laut Staatsanwalt soll das Ehepaar S. auch die Dienste zweier Leihmutter-Agenturen (Ukraine, USA) in Anspruch genommen haben. Die Rechnungen samt Flug- und Aufenthaltskosten sowie die Übersetzungkosten (69.800 Euro) soll S. seinem Arbeitgeber überwälzt haben – unter dem Titel "Projektrechte".

Ende 2010 verstarb die Mutter von Helmut S. Die Rechnung für den "Leichenschmaus" beim Leondinger Stadtwirt (831,20 Euro) findet sich angeblich auch in der Buchhaltung der Alpine Energie.

Außerdem sollen die Rechnungen (1266 Euro) für zwei Internet-Seitensprung-Portale, die Helmut S. angeblich benutzt hat, mit der Firmenkreditkarte bezahlt worden sein. Die Liste der Vorwürfe ließe sich noch lange fortsetzen.

Sekretärin ist schuld?

Indes erweckt es den Anschein, als würde sich S. an seiner früheren Sekretärin "abputzen". "Unstrittig ist, dass Aufwendungen, die der privaten Sphäre von Helmut S. zu zuordnen sind, zunächst vom Unternehmen bevorschusst wurden, indem er etwa mit einer Firmenkreditkarte gezahlt hat", sagt sein Verteidiger Rene Haumer von der Linzer Anwaltskanzlei Haslinger, Nagele & Partner zum KURIER. "Er hat diese Privatrechnungen seiner Assistentin zur Gegenverrechnung mit betrieblichen Barauslagen übergeben, die mein Mandant vorfinanziert hat." Die ehemalige Sekretärin bestreitet aber laut Haumer diese Darstellung. Laut Staatsanwalt soll die Assistentin auf Anweisung von Helmut S. gehandelt haben. Das bestreitet wiederum der Ex-Manager. In der Anklageschrift werden auch Zeugenaussagen zitiert, die die Angaben des Linzer Ex-Managers widersprechen.

Für die Firma gelebt

Der Verteidiger bringt auch vor, dass es bei der Alpine Energie Aktenordner gibt, in denen die besagten abgerechneten Barbelege und Bankdokumente abgelegt worden sind. Diese Unterlagen dokumentieren, dass Helmut S. "namhafte vierstellige Beträge als Aufwandentschädigung rückerstattet hat". Bei der Alpine Energie, die später verkauft wurde und heute unter einem neuen Namen firmiert, wird "die Existenz dieser Ordner verneint", bestätigt Haumer dem KURIER. "Unrichtig ist jedenfalls, dass die Reisen von Helmut S. ausschließlich privat motiviert waren." Nachsatz: "Tatsache ist, dass mein Mandant Dienstreisen genutzt hat, um auch private Themen zu klären." Das sei nichts Ungewöhnliches, wenn jemand wie Helmut S. "rund um die Uhr für das Unternehmen lebte und es alleine aufgebaut hat". Apropos Schadensgutmachung: Laut Anklage wurden 187.915 Euro Schaden "wiedergutgemacht", davon entfallen aber rund 86.900 Euro auf den Zeitwert des Mercedes E500, der von Helmut S. offenbar zurückgegeben wurde.

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.