Wirtschaft
05.12.2011

Philippinen: Mikrokredite gegen Agrarriesen

Oikocredit hilft überschuldeten philippinischen Bauern aus der Abhängigkeit von internationalen Konzernen.

Die Provinz Cotabato im Süden der Philippinen ist landwirtschaftliches Kerngebiet: Hier wächst der Reis am besten im ganzen Land. Agrarkonzerne von den USA bis China, seit einigen Jahren auf der Suche nach fruchtbaren, billigen Böden, haben ein Auge auf dieses Gebiet geworfen. Sie versuchen verarmten, lokalen Kleinbauern ihr Land zu entlocken. "Mit schlimmen Folgen", wie die Philippinen Maria Helenita Ruizo-Gamela kürzlich bei ihren Österreich-Besuch erklärte. "Die Bauern haben dann zwar ein bisschen Geld, aber ihre Lebensgrundlage, die Landwirtschaft, verloren. Und das Geld reicht meist nur zum Tilgen ihrer Schulden".

Ruizo-Gamela stammt aus Cotabato. Auch ihre Familie hatte Agrarland, das Großkonzerne gerne gekauft hätten. Sie aber stemmte sich dagegen und hat zunächst mithilfe der Don Bosco Foundation eine lokale Ökolandwirtschaft begonnen - Reis-Anbau ohne chemische Dünger und ohne genetisches Saatgut.

"Mit dem Kauf von Pestiziden und hybridem Saatgut haben sich viele kleine Bauern verschuldet. Sie stehen in großer Abhängigkeit von den Händlern", erklärt Ruizo-Gamela. Ihr Projekt begeisterte die Bauern. 3200 bäuerliche Familien arbeiten mittlerweile auf genossenschaftlicher Basis in der biodynamischen Reisproduktion. "Die Düngemittelhändler meiden unser Gebiet. Sie nennen es ihre Todeszone", sagt Ruizo-Gamela.

Kleinstkredite

Das Einkommen reicht gut zum Überleben, aber nicht zum Rückzahlen der Schulden, die viele Bauern bei den Düngemittelhändlern über Jahre aufgebaut haben. Vor gut einem Jahr kam Ruizo-Gamela mit der niederländischen Mikrokreditbank Oikocredit in Kontakt, die auch in Österreich eine Niederlassung hat. Oikocredit unterstützte die Bauern zunächst mit Schulungen im Bereich der Agrar-Ökonomie. Und dann entstand die Idee, den Bauern mit Mikrokrediten die Schuldenlast abzunehmen.

Im März 2011 zahlte Oikocredit 567.000 Euro an die Genossenschaft, um 200 Hektar Land für den biodynamischen Reisanbau von armen Bauern zu pachten. "Die Bauern sind ihre Schulden los, arbeiten in der Genossenschaft und haben ihr Land nicht verloren", erklärt Ruizo-Gamela. Sie wünscht sich, dass das Mikrokredit-Modell Schule macht. "Wenn wir ein Vorbild für andere Regionen, in denen überschuldete Bauern von Konzernen abhängig sind, werden, würde mich das freuen", sagt sie. Oikocredit ist eine Bank, die jede Einlage fix mit zwei Prozent verzinst. Das Geld geht über Minikredite an Arme.