Wirtschaft
21.06.2017

Pharma-Riese Shire streicht 650 Jobs in Österreich

Standorte der britischen Biotechnologie-Firma in Orth an der Donau und Wien betroffen.

Hiobsbotschaft für 650 Mitarbeiter des britischen Pharma-Riesens " Shire" am Standort Orth an der Donau in Niederösterreich. In der Nacht auf Mittwoch wurden alle Bediensteten beim Frühwarnsystem des Arbeitsmarktservice ( AMS) zur Kündigung gemeldet. Nachdem der Standort in Krems per Jahresende aufgelassen wurde, soll jetzt auch der Produktionsstandort Orth zum Teil geschlossen werden.

Der Jobabbau soll von der Konzern-Spitze angeordnet worden sein. Für die betroffenen Mitarbeiter wurde ein Sozialplan ausgehandelt. Das bestätigte Barbara Teiber vor der Gewerkschaft der Privatangestellten GPA-djp dem KURIER.

Der ausverhandelte Sozialplan sei "im Vergleich mit anderen Lösungen wirklich gut", sagte Teiber. Darin sei auch eine Arbeitsstiftung vorgesehen. Der Sozialplan soll bis Ende 2018 laufen und beinhalte Sonderregeln für ältere Angestellte über 50 Jahren. Besonders an dem Stellenabbau sei, dass in allen Altersklassen überwiegend gut qualifizierte Menschen betroffen seien.

Von den betroffenen Mitarbeitern seien zwei Drittel am Standort Orth an der Donau (Bezirk Gänserndorf) und ein Drittel in Wien tätig. Wie viele Arbeitsplätze tatsächlich abgebaut werden, werde sich erst herausstellen. Laut Betriebsrat seien nicht 650, sondern 500 Stellen betroffen.

Laut Auskunft der Arbeiterkammer will der britische Konzern die Herstellung von Medikamenten in Österreich nach Irland verlegen.

Kritik

Noch vor drei Wochen war eine Wirtschaftsdelegation in Orth an der Donau. Ein Anzeichen davon sei damals keinesfalls zu spüren gewesen. Kritik kommt von Markus Wieser, Präsident der Arbeiterkammer Niederösterreich: "Es ist keine wirtschaftliche Notwendigkeit zu erkennen, den Standort innerhalb der Europäischen Union nach Irland zu verlegen." Insider berichten, dass Shire mit diesem Schritt eine weitere Gewinnmaximierung anstrebt.

Als Ergebnis einer Studie zum Produktionsnetzwerk habe Shire entschieden, die Prozessentwicklung, die "Produktion für nicht Gentherapie Produkte", sowie Research Positionen, die nicht für Gentherapie oder Hämophilie zuständig sind, aus Orth zu transferieren, hieß es in einer Stellungnahme. "Das Team, das sich auf die Entwicklung von Gentherapie-Produkte spezialisiert, bleibt am Standort", teilte das Unternehmen mit. Mit dem Assessment soll dem Unternehmen zufolge das interne und externe Versorgungsnetz analysiert und optimiert werden. Die Ergebnisse seien an die Mitarbeiter kommuniziert worden.

" Baxalta ist weltweiter Marktführer im Bereich der Entwicklung, Fertigung und Vermarktung biopharmazeutischer Produkte für seltene und unterversorgte Krankheiten auf dem Gebiet der Hämatologie, Onkologie und Immunologie. Das Produktspektrum von Baxalta beinhaltet vor allem Biopharmazeutika mit neuartigen Wirkungsmechanismen sowie bahnbrechende Entwicklungen in der klinischen Forschung der Gentherapie", heißt es auf der Homepage von Baxalta, das mittlerweile zum Konzern Shire gehört. "Von den weltweit 16.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern arbeiten 4000 in Wien, Krems und Orth an der Donau. Damit ist Österreich der bedeutendste Baxalta-Standort außerhalb der USA, gewachsen aus der Entwicklung der Plasma-Fraktionierung, bei der Österreich federführend war und ist." Nachsatz: "Der Hauptsitz von Baxalta befindet sich im US-Bundesstaat Illinois. Weltweit gibt es zwölf Baxalta-Standorte, an denen sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tagtäglich für die bestmögliche Lebensqualität der Patientinnen und Patienten einsetzen." Baxalta ist im Juli 2015 aus der Baxter BioScience hervorgegangen.

Im Juni 2016 wurde die Fusion des britisch-irischen Unternehmens Shire und Baxalta Incorporated abgeschlossen. Shire beschäftigt derzeit 4.000 Mitarbeiter in Österreich in mehreren Gebäuden in Wien sowie in Orth an der Donau. Der Standort in Krems wurde im Vorjahr geschlossen. Betroffen waren 65 Mitarbeiter, die am Aufbau beteiligt gewesen waren.

Detail am Rande: Mit dem Konzern Pfizer teilt sich Shire zwar den früheren Baxter-Standort in Orth an der Donau, aber Shire und Pfizer sind zwei verschiedene Konzerne und haben ansonsten miteinander nichts zu tun.