Wirtschaft
07.02.2018

Pfusch: 40.000 Flüchtlinge am Arbeiterstrich

Anonymer Bauarbeiter auf einer Baustelle © Bild: Gina Sanders - Fotolia/GINA SANDERS/FOTOLIA

Der Linzer Ökonom Friedrich Schneider ortet dringenden Handlungsbedarf seitens der Regierung. Er hat auch eine Lösung.

Aufgrund des guten Wirtschaftswachstums wird die Schattenwirtschaft heuer schrumpfen. Alleine der prognostizierte Rückgang der Arbeitslosenzahlen um 20.000 Personen reduziert den Umsatz des organisierten Pfuschs um 1,2 Milliarden Euro. Unterm Strich werden mit Schwarzarbeit auch im Jahr 2018 – steuerfrei und an der Sozialversicherung vorbei – rund 18,29 Milliarden Euro umgesetzt. Das entspricht 6,53 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, also der gesamten Wirtschaftsleistung in Österreich.

Seit 15 Jahren geht der Pfusch hierzulande eigentlich zurück – nur in den Jahren 2004, 2009 und 2015 gab es einen Ausschlag in die Gegenrichtung.

Friedrich Schneider, Leiter Institut für Volkswirtschaftslehre der Johannes Kepler Universität Linz, Uni, JKU, OÖ © Bild: honorarfrei/JKU

Heuer wird der Rückgang mehr als fünf Prozent betragen. Das ergibt eine aktuelle Studie des Linzer Ökonomen Friedrich Schneider von der Johannes-Kepler-Universität (JKU). Der Rückgang könnte aber deutlich höher sein, wenn man die sogenannte Kalte Progression abschaffte und Asylsuchende legal arbeiten ließe. Detail am Rande: Laut Statistik haben von 2013 bis Ende 2017 rund 200.500 Personen im Asyl in Österreich angesucht. Im Vorjahr waren es aber nur noch 24.296 Personen.

"Rund 40.000 Flüchtlinge werden heuer im Pfusch tätig sein", sagt Wirtschaftsprofessor Schneider vom Forschungsinstitut für Bankwesen der Johannes-Kepler-Universität (JKU.) Diese Zahl umfasst Asylwerber bzw. Asylsuchende und ist aus seiner Beobachtung "eine realistische Schätzung". Diese Zahl ist allerdings nicht statistisch wissenschaftlich erhoben worden.

Kein Nichtstun

"Jenen Personen, die eine berechtigte Aussicht haben, in Österreich zu bleiben, würde ich vom ersten Tag an eine Arbeitserlaubnis geben", sagt der Ökonom zum KURIER. "Sie könnten sich damit in irgendeiner Weise nützlich machen und sind nicht zum Nichtstun und An-die-Decke-Starren verurteilt."

Die vermeintliche Gefahr, dass arbeitende Flüchtlinge Österreicher vom Arbeitsmarkt verdrängen, sieht der Experte nicht. "Die werden Jobs übernehmen, bei denen man froh ist, dass sie überhaupt irgendwer macht", sagt Schneider. Vor allem Hilfsarbeiten oder Tätigkeiten in Gemeinden, die ansonsten liegen bleiben, kämen dafür in Frage.

"Die Integration und das Erlernen der Sprache gelingen mit einem Job wesentlich besser", sagt der Experte. "Man gibt ihnen damit auch die Würde zurück. Sie verdienen ihr eigenes Geld, auch wenn es nur ein paar hundert Euro sind."

400 Euro im Monat

Derzeit gehen Asylwerber für rund fünf Euro die Stunde auf den " Arbeiterstrich". Bei etwa 20 Wochenstunden bekommt ein zugereister Pfuscher rund 400 Euro im Monat auf die Hand. "Die sind froh, wenn sie fünf Euro die Stunde bekommen, obwohl das deutlich unter dem Mindestlohn liegt", sagt Schneider.

Auch die im Wahlkampf angekündigte Abschaffung der sogenannten "Kalten Progression" würde die Schattenwirtschaft jährlich um 500 Millionen Euro reduzieren. Die Kalte Progression ist jene Steuermehrbelastung, die dadurch entsteht, dass Einkommensteuersätze (Grundfreibetrag, Bemessungsgrundlage) nicht an die Inflation, sprich Preissteigung, angepasst werden.

"Jede neue Regierung bekommt ihre Chance, aber spätestens im Herbst muss sie liefern", sagt Schneider. Die Rückzahlung dieser schleichenden Steuererhöhung würde die Regierung zugleich dazu anhalten, Einsparungen in gleicher Höhe vorzunehmen.

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