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© REUTERS/Wolfgang Rattay

Industrie
03/06/2017

Peugeot kauft Opel für 1,3 Milliarden Euro

Ein Werk für Motoren und Getriebe in Wien mit 1.600 Mitarbeitern ist betroffen.

Die Übernahme des traditionsreichen Autobauers Opel durch den französischen PSA-Peugeot-Citroen-Konzern ist unter Dach und Fach. Für Opel und die britische Schwester Vauxhall zahlen die Franzosen 1,3 Mrd. Euro, wie Peugeot und der bisherige Opel-Eigentümer General Motors am Montag in einer gemeinsamen Pressemitteilung erklärten.

Weitere 900 Mio. Euro erhält GM für das europäische Geschäft der Autobank GM Financial, die Peugeot zusammen mit der französischen Bank BNP Paribas übernimmt. Insgesamt liegt das Transaktionsvolumen damit bei 2,2 Mrd. Euro, davon entfallen 1,8 Milliarden auf Peugeot. Für GM ist der Verkauf dennoch ein Verlustgeschäft. Der Deal werde zu außerordentlichen Aufwendungen in Höhe von 4 bis 4,5 Mrd. Dollar (3,8 bis 4,3 Mrd. Euro) führen.

38.000 Mitarbeiter beschäftigt

"Wir sind zuversichtlich, dass der Turnaround von Opel/Vauxhall mit unserer Unterstützung deutlich beschleunigt wird", sagte PSA-Chef Carlos Tavares. "Gleichzeitig respektieren wir die Verpflichtungen, die GM gegenüber den Mitarbeitern von Opel/Vauxhall eingegangen ist." Die Garantien beziehen sich allerdings nur auf die schon von General Motors ausgesprochenen Zusagen und Vereinbarungen. Diese gelten zumeist bis 2020. Was danach geschieht, ist unklar.

Opel beschäftigt gut 38.000 Mitarbeiter, davon mehr als 19.000 in Deutschland vor allem in Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach. In Österreich gibt es in Wien Aspern ein Werk mit 1.600 Mitarbeitern. Die GM-Tochter hatte im vergangenen Jahr ihr Ziel verfehlt, erstmals seit 1999 in die Gewinnzone zurückzukehren. Als Grund nannte das Unternehmen Währungsturbulenzen nach dem Beschluss der Briten zum Austritt aus der EU.

Zweitgrößte Autobauer in Europa?

Die PSA Group ist mit weltweit 184.000 Mitarbeitern deutlich größer als Opel. Die Franzosen wollen zusammen mit dem deutschen Traditionsunternehmen den nach Volkswagen zweitgrößten Autobauer in Europa schmieden. Bis 2026 erwartet PSA durch den Zusammenschluss jährliche Synergien in Höhe von 1,7 Mrd. Euro. Das soll etwa durch einheitliche Technik und das Zusammenlegen von Entwicklung und Einkauf gelingen.

Opel wird auch weiterhin die Patente von GM nutzen können, bis die Fahrzeuge in den kommenden Jahren nach und nach auf PSA-Plattformen gebaut werden. Die europäischen und britischen Pensionspläne von Opel/Vauxhall verbleiben größtenteils bei GM, ein Teil der deutschen Pensionslasten ("German Actives Plan") werden an PSA übertragen. Für die vollständige Begleichung übertragener Pensionsverpflichtungen zahlt GM 3 Mrd. Euro an die Franzosen. General Motors zieht sich mit dem Verkauf von Opel aus dem verlustreichen Europa-Geschäft zurück und kappt damit nach 88 Jahren die Verbindung zu Opel.

Opel soll eigenständiges Unternehmen bleiben

Peugeot will mit Opel Kunden gewinnen, die kein französisches Auto kaufen. Dabei soll die Traditionsmarke mit dem Blitz als Logo als eigenständiges Unternehmen erhalten bleiben. Die Franzosen haben in West-Europa, wo sie mit 1,5 Millionen Autos rund die Hälfte ihrer Fahrzeuge absetzen, einen Marktanteil von 9,7 Prozent. Opel kommt mit knapp einer Million verkauften Autos auf 6,6 Prozent.

Die deutsche Regierung und die drei deutschen Bundesländer mit Opel-Standorten haben die Unterzeichnung der Verträge begrüßt. In einer gemeinsamen Erklärung vom Montag hieß es: "Das heutige Signing ist ein erster Schritt, um in Europa einen europäischen Global Player ... auf den Weg zu bringen".

PSA-Chef Tavares gibt kein Standort-Versprechen ab

Der Chef des französischen Autokonzerns PSA gibt bei der Übernahme von Opel kein Versprechen, alle Fabriken zu erhalten. "Das Einzige, was uns beschützt, ist Leistung", sagte Carlos Tavares am Montag bei einer Pressekonferenz in Paris auf die Frage, ob alle Standorte erhalten blieben. "Zusammen können wir besser werden." Wenn man der Beste sei, sei man auch geschützt.

In einer Telefonkonferenz für Analysten sagte Tavares mit Blick auf befürchtete Werksschließungen: "Wir vertrauen Menschen und ihrer Fähigkeit, sich zu verbessern." Er sei sicher, dass es in den Fabriken von Opel und Vauxhall viel Effizienzpotenzial gebe. "In der Autoindustrie gibt es das Schließen von Werken. Aber es ist in gewisser Weise eine allzu einfache Art, auf die Dinge zu schauen." Er sei sicher, "dass die deutschen und britischen Fabriken am Ende nicht weniger effizient sein wollen als die französischen Fabriken".

Tavares warb auch für eine konstruktive Zusammenarbeit mit den Gewerkschaften. "Wir müssen vorgefasste Meinungen aufgeben. Wir kämpfen nicht mit den Gewerkschaften, das ist nicht unser Plan. Ein Unternehmen, das seit zehn Jahren in den roten Zahlen ist, (...) stellt natürlich ein Problem dar, das gelöst werden muss", betonte er. "Und ich denke, dass Gewerkschaftsführer weise sind und verstehen, dass die aktuelle Situation nicht tragfähig ist."