Peter Hochegger beantragte Verfahrenshilfe im Prozess gegen seine Ex-Partner.

© APA/HELMUT FOHRINGER

Peter Hochegger
06/26/2014

Star-Lobbyist wurde zum Aussteiger in Brasilien

Früherer PR-Guru Hochegger lebt angeblich von 1100 Euro: "Macht und Gier sind Fremdwörter für mich".

von Kid Möchel

Das Gasthaus Adam, gleich neben dem Wiener Straflandesgericht, ist eine "Außenstelle" für Anwälte und ihre Klienten. Im Hinterzimmer saß Donnerstagfrüh Ex-Lobbyist Peter Hochegger, lässig in Jeans, schmierte sich genüsslich Butter auf zwei Toastscheiben und wartete auf seinen Strafverteidiger Karl Schön und eine handverlesene Zahl Journalisten.

Hochegger, der im Herbst 2013 zu 30 Monaten Haft im Telekom-Prozess um die verdeckte Finanzierung (960.000 Euro) des BZÖ-Wahlkampfes 2006 verurteilte wurde, will seine Welt wieder zurechtrücken, die aus den Fugen geraten ist.

Kürzlich ist ihm das 103 Seiten starke Urteil zugestellt worden, das er nun beim Obersten Gerichtshof bekämpft. Dass er mit Telekom-Vorstand Gernot Schieszler die inkriminierte Telekom-Parteispende an das BZÖ über Umwege eingefädelt hatte, wie der Richter meint, hält der drahtige Brillenträger, der in schwarz-blauen Regierungszeiten als der Strippenzieher galt, für "absurd". Im Mittelpunkt der Spendenaffäre stand damals die Einführung der sogenannten Universaldienstverordnung unter BZÖ-Minister Hubert Gorbach, die der Telekom einen Millionen-Vorteil einspielt.

Sportliches Match

"Ich nehme das Urteil als sportliche Herausforderung, die Strafe wird aber nicht rechtskräftig werden. Am Ende des Tages wird die Wahrheit ans Licht kommen", sagt Hochegger mit einem verschmitzten Lächeln. "Ich hatte zum BZÖ überhaupt keine Kontakte, das waren meine Feinde, die wollten mir Übles." Er wolle nun seine Unschuld beweisen. Vom späteren Kronzeugen Schieszler fühlt er sich verleumdet. Hocheggers Anzeige gegen Schieszler hat die Staatsanwaltschaft aber gleich eingestellt. Den Draht zur Telekom hatte vor allem Ex-BZÖ-Nationalrat Klaus Wittauer, sagt Hochegger. Er belastete Hochegger im Prozess und war geständig.

Hochegger wird noch bis Ende September in Österreich weilen. Sieben Monate im Jahr lebt der gebürtige Steirer in einem kleinen Fischerdorf in Brasilien, wo anfangs eine Cousine und dann weitere Verwandte strandeten. Zehn T-Shirts, fünf Hosen und zwei Paar Schlapfen, mehr benötige er dort nicht, sagt Hochegger. Die Gier und die Macht, die ihn einst durch alle politischen Gassen trieb, seien heute Fremdwörter für ihn. Er sei mittlerweile ein "spiritueller Mensch". Von seiner ASVG-Pension (1900 Euro) bleiben ihm bloß 1100 Euro. Denn: Die Finanz pfändet ihn. Sie fordert von Hochegger zwei Millionen Euro Umsatzsteuer – aus der BUWOG-Affäre. Zur Erinnerung: Hochegger und sein Ex-PartnerWalter Meischberger("Wos woar mei Leistung?") kassierten fast 10 Mio. Euro Erfolgsprovision vom damaligen Immofinanz-Boss Karl Petrikovics für einen heißen Tipp, mit dem das Konsortium um Immofinanz/RLB OÖ den Zuschlag für dieBUWOGerhielt. Dass die Prämie, von der Meischberger 80 Prozent einstreifte, über Zypern an der Steuer vorbeifloss, "war nicht mein Wille", behauptet Hochegger heute. Es folgten Selbstanzeigen bei der Finanz. Infolge der BUWOG-Affäre kollabierte seine Beratergruppe.

Vom Top-Verdiener zur armen Kirchenmaus

Peter Hochegger war jahrelang der Top-Verdiener unter den PR-Beratern und Lobbyisten in Österreich. Nur vom Vermögen scheint zumindest hierzulande nichts übrig geblieben zu sein. Vor wenigen Tagen brachte er eine 32 Mio. Euro schwere Klage gegen seine früheren Geschäfts- partner, Ex-Minister Grasser, Meischberger, Plech, Immofinanz und RLB OÖ ein. Er will sie für den Crash seiner Firma und die Steuerschulden infolge der BUWOG-Affäre verantwortlich machen. Alle weisen die Vorwürfe zurück. Da er die Gerichtsgebühren (400.000 €) für die Klage angeblich nicht aufbringen kann, beantragte er Verfahrenshilfe. Im Mai 2014 wurde über Hocheggers Beratungsfirma Sicon, früher Valora, der Konkurs eröffnet. (Anm. d. Red.: Kid Möchel wurde im BUWOG-Finanzstrafverfahren zu Hochegger einvernommen, da er im September ’09 erstmals über die BUWOG-Provision berichtet hatte.)

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