Wirtschaftskammer-Chef Christoph Leitl in Schanghai: Man muss Vertrauen aufbauen, sagt er – und tut das auch gleich mit dem Austausch von Visitenkarten.

© photonews.at/Georges Schneider

Wirtschaft besucht China
10/25/2014

Persönliche Beziehungen sind alles

Österreichische Delegation in China. Kammer-Boss Leitl sieht die Sozialpartnerschaft als Exportschlager.

von Helmut Brandstätter

Christoph Leitl ist schon in Wien ein auffällig positiver Mensch, der es als Aufgabe des Kammerpräsidenten sieht, gute Stimmung zu verbreiten. Aber die verpestete Luft chinesischer Großstädte motivierte ihn noch zusätzlich. Unter dem dicken Smog entdeckt er gleich Chancen für die heimische Wirtschaft: " Die Chinesen sind ein uraltes Kulturvolk, das nicht auf Dauer mit Gesichtsmasken herumlaufen will."

Also sollen österreichische Unternehmen kommen und Umwelttechnik anbieten. Und viel Zeit mitbringen. Auch Leitl meint, es würde ein bis drei Jahre dauern, bis man den Markteintritt schaffen kann. "Sie müssen die Partner persönlich kennenlernen und Vertrauen aufbauen", erzählt Leitl im Gespräch mit dem KURIER auf dem Weg zu einer Schule, wo Lehrlinge nach dem dualen System ausgebildet werden.

Denn in den Industriezonen im Süden und Osten gibt es inzwischen einen Mangel an Fachkräften. Deshalb bildet das WIFI International gemeinsam mit österreichischen Unternehmen Lehrlinge aus, die eine auch bei uns anerkannte Lehrabschlussprüfung machen. In Schanghai werden Metaller, in Chengdu Schlosser ausgebildet.

Hohes Wachstum

Hier kommt der nächste Tipp Leitls: Man soll in den Westen des riesigen Landes gehen, Chengdu ist die am schnellsten wachsende Stadt, die auch mit anderen Superlativen wirbt. Hier wurde das größte Gebäude der Welt errichtet, ein Konsumtempel mit Luxushotels. Nichts, was zum sozialen Ausgleich im Land beitragen würde.

Da setzt auch eine Kritik von Ökonomen an. Dass sich die alles kontrollierende kommunistische Partei nicht an ihren Vorvätern, sondern am Mammon orientiert, führt nicht nur zu Ungleichheit und Ungerechtigkeit, sondern vor allem zu einer Form von Korruption, die inzwischen den Staat bedroht. Professor Friedrich Schneider von der Johannes Kepler Universität Linz erzählt mit Blick auf die neuesten Hochhäuser Schanghais: "Die Partei ist tief in die Korruption verstrickt, es geht nur um Geld und Macht, und jeder weiß es."

Schneider zweifelt auch an den noch immer beeindruckenden Wachstumsraten von rund sieben Prozent. Viele Häuser stehen leer oder sind schlecht gebaut, die Finanzierung über Schattenbanken ist wackelig. Für den Linzer Professor kann sich die Führung der KP nur halten, wenn immer mehr Chinesen ein Stück vom Kuchen bekommen. Ein Schrumpfen der Wirtschaft würde das Ende der Partei bedeuten. Was sollen die Kommunistischen Kaiser also machen? Schneider: "Mehr Macht in die Regionen geben, die KP könnte so als Holding über regionalen Regierungen überleben."

Die Zeitung Schanghai Daily titelte jedenfalls am Freitag zum Abschluss der viertägigen Plenarsitzung des Zentralkomitees: "China verpflichtet sich zur Rechtsstaatlichkeit". Ein neues Justizsystem soll eingeführt, der Zugang zum Recht erleichtert werden.

Sozialpartnerschaft

Der Präsident der Wirtschaftskammer hätte noch eine Idee für China: "Die Sozialpartnerschaft könnte die nächste Entwicklungsstufe des politischen Systems in China sein", so Christoph Leitl. Er hat aber auch einen Rat für die ferne Heimat: "Bei uns kriegt man oft nicht mit, wie rasch sich die Dinge in der Welt verändern. Da müssen wir schneller werden, in der Wirtschaft und in der Politik."

Womit wir wieder beim Wachstum sind: Die Deutschkreutzer Spitzenwinzer Heinrich verkaufen dieses Jahr 80.000 Flaschen nach China, immerhin ein Viertel der Produktion. Nächstes Jahr sollen es schon 120.000 Flaschen sein. AT&S investiert 350 Millionen Euro in Chonqing, um mit neuer Technologie Leiterplatten herzustellen. Und der Autozulieferer Mitterbauer erzählt gerne von den ersten vier Jahren, in denen er in China von jeglicher Unternehmenssteuer befreit war. Dafür kämpft der Vorarlberger Küchenzulieferer Blum hier mit Konkurrenten, denen Markenschutz ein Fremdwort ist. Aber Chinas Wachstum gibt Hoffnung in der Krise, also vergibt das Wirtschaftsministerium zusätzliches Geld für Unternehmer auf der Suche nach neuen Märkten. Im Moment gehen nur 20 Prozent der österreichischen Exporte in Regionen außerhalb Europas.

Uni-Kooperation

Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner setzt aber genau so stark auf die Zusammenarbeit mit den Unis. Die penibel ausgewählten Studenten, die aus China zu uns kommen, seien nie eine Enttäuschung, die Technologie-Abkommen mit führenden Unis werden fortgesetzt.

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