Ronny Pecik vertritt im Telekom-Aufsichtsrat die Interessen von Milliardär Carlos Slim.

© APA/GEORG HOCHMUTH

Prophezeiung
04/17/2014

Pecik: "Telekom Austria in der Todesspirale"

Aufsichtsrat Pecik zeichnet ein düsteres Bild: Ohne frisches Geld sei man in zwei Jahren am Ende.

Der Syndikatsvertrag zwischen dem mexikanischen Großaktionär Carlos Slim und der Staatsholding ÖIAG macht die Eigentümer der Telekom Austria sichtlich nervös. Kurz vor der entscheidenden ÖIAG-Aufsichtsratssitzung am 23. April tauchte nun ein Papier des stellvertretenden Aufsichtsrats-Chefs Ronny Pecik auf, in dem er ein dramatisches Bild des Konzerns zeichnet.

"Alle Ertragstrends zeigen nach unten, der Finanzierungsaufwand geht nach oben. Das bedeutet Schulden. Die Telekom Austria befindet sich in einer Todesspirale", schrieb Pecik bereits im Jänner an einzelne Regierungsvertreter, berichtete profil. Ohne Geld von außen "erwartet uns in zwei Jahren das AUA-Schicksal. Wenn in anderen Töchtern etwas schiefläuft (Abwertungen, Weißrussland etc.), dauert es keine zwei Jahre", so Pecik. Pecik vertritt die Interessen von Slim im Aufsichtsrat.

Immense Fixkosten

Als Ursache für die seit Jahren rückläufigen Umsätze und Erträge führt Pecik unter anderem die steigenden Personalkosten für die rund 9000 Mitarbeiter in Österreich an, von denen jeder zweite beamtet ist. Da die hohen Fixkosten nicht beeinflussbar seien, schlage sich der Umsatzrückgang 1:1 im Ergebnis nieder. Das wiederum wirke sich negativ auf die geplanten Investitionen des Konzerns aus. "Es steht kein Geld für Infrastrukturausbau zur Verfügung. Die Telekom Austria lebt von der Substanz." Pecik wollte sein Papier gegenüberprofilnicht kommentieren.

Kommenden Mittwoch soll der ÖIAG-Aufsichtsrat über den Syndikatsvertrag der Republik mit Slims abstimmen. Slim ist mit seiner Mobilfunkfirma Amercia Movil bereit, via Kapitalerhöhung Geld in die Telekom einzuschießen. Dann würde sich der Anteil der Mexikaner von 26,8 auf mehr als 30 Prozent erhöhen, jener der Republik (derzeit 28,4 Prozent) auf die Sperrminorität (25 Prozent plus eine Aktie) reduzieren. Damit die ÖIAG ihren Einfluss bewahrt - unter anderem soll das Headquarter in Österreich abgesichert werden - will sie ihre Anteile mit denen Slims bündeln. Ende März bekam ÖIAG-Chef Rudolf Kemler grünes Licht für die Syndikatsverhandlungen.

Einem Bericht derPresse zufolge gibt es nun im ÖIAG-Aufsichtsrat aber Unstimmigkeiten, da die Arbeitnehmervertreter gegen den Syndikatsvertrag stimmen wollen. Möglicherweise bleiben sie auch geschlossen der Sitzung fern, damit der Aufsichtsrat nicht beschlussfähig ist. Angezettelt wurde der Gesinnungswandel laut Bericht von Arbeiterkammer-Direktor Werner Muhm (Bild), ein enger Vertrauter und Berater von Bundeskanzler Werner Faymann. "Dass es bei dem Deal um österreichische Interessen geht, kann ich nur bedingt erkennen", so Muhm. Für Slim sei das "der billigste Weg, die industrielle Führerschaft eines gut aufgestellten Unternehmens zu bekommen."
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