Wirtschaft
05.12.2011

"Passt auf jeden Euro auf, den ihr zahlt"

Die Schuldenkrise in Athen lässt auch die Griechen in Österreich nicht kalt - wobei die Meinungen auseinandergehen.

Panos Tsatsaris betreibt in der Wiener Barnabitengasse die Bar Nostos sowie das Restaurant "Der Grieche". Es ist das älteste griechische Restaurant Wiens und wurde 1966 von seinem Vater gegründet, der hier studieren wollte.
"Mein Schwager ist aktuell vom Sparpaket betroffen. Er arbeitet für die griechische Botschaft, und bei den Beamten wird kräftig gespart", erzählt Tsatsaris. Würde er einem hoch verschuldeten Gast 30 Prozent seiner Rechnung erlassen - wie aktuell bei Griechenlands Staatsschulden diskutiert? Tsatsaris zögert erst, meint dann: "Bei diesen Beträgen würde ich ihn auf die ganze Rechnung einladen - es kommt ja im Leben immer alles zurück."

Skeptischer ist sein Freund Pavlos Georgakopoulos: Er kam als Technik-Student nach Österreich, verkaufte abends den KURIER auf der Straße, war später Monteur. Heute ist er in Pension.

Zu Ostern war er am Syntagma-Platz in Athen demonstrieren: "Die Protestanten dort sind nicht dagegen, dass man Staatseigentum verkauft, sie protestierten dagegen, dass sie ihre Jobs verlieren." Die Demonstrationen wären immer sehr friedlich gewesen, doch das Fernsehen zeige immer nur die 200 Chaoten, die Gewalt provozieren.

Geld verpulvert

Hauptschuld an dem Dilemma sind für ihn die Politiker: "Die Griechen haben viele Milliarden aus dem Ausland bekommen. Erst schickten die griechischen Gastarbeiter viel Geld nach Hause. Später zahlte die EU Milliarden. Aber unsere Politiker haben das ganze Geld verpulvert." Das Land hätte immer nur von Tourismus und von Agrarexporten gelebt, "aber die Politiker haben kein technisches Know-how importiert". Viel Industrie sei in die billigeren Balkanländer abgewandert.

Ob er die Österreicher versteht, die den Griechen nicht helfen wollen? "Natürlich", meint Georgakopoulos: "Es geht nicht, dass die Österreicher arbeiten, das Geld nach Griechenland schicken und das Volk kriegt keinen Euro zu sehen." Damit das Geld nicht versickere, rät er: "Passt auf jeden Euro auf, den ihr zahlt." In jedem Ministerium müsse ein EU-Beamter prüfen, sonst verschwinde das Geld, und das Volk hätte noch mehr Schulden.

Was er als Finanzminister tun würde? "Kassieren", ist seine erste Antwort. Bei Anwälten und Ärzten, die nur 2000 Euro Einkommen angeben, aber dicke Yachten haben, würde er erst Steuern nachfordern. Und dann in den Ausbau von Tourismus und Umwelttechnik investieren.