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Übernahmen
06/12/2013

Osteuropäer jagen nach Firmen-Schnäppchen

Wegen der globalen Konjunkturflaute sind die Firmen billig, die Käufer rar.

von Irmgard Kischko

Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Fall des Eiserne Vorhangs ist es so weit: Eine Reihe von Unternehmern aus Osteuropa sind finanzstark genug, um bei Firmenübernahmen in Ost und West mitzuspielen. „Es sind vor allem Privatleute, die ihre Geschäfte im eigenen Land klug aufgebaut haben“, erzählt Henning von Stechow, Chef des Bereichs „Mergers & Acquisitions“ (Beratung bei Firmenübernahmen) der Raiffeisen Centrobank.

Interessiert seien sie vor allem an Konsumgüterunternehmen und an der Industrie – „dabei insbesondere an jenen Firmen, die innovativ und technisch interessant seien“, sagt Stechow. So hat der tschechische Milliardär Andrej Babis mit seiner Agrofert-Holding kürzlich die Düsseldorfer Traditionsbäckerei Lieken übernommen. Und der deutsche Stahlhändler Klöckner & Co hat all seine Töchter in Osteuropa an Balkan Steel verkauft, die dabei von der Raiffeisen Centrobank beraten wurden.

Chinesen

Einiges Interesse an Firmenübernahmen in Europa ortet Stechow auch bei Chinesen. Allerdings käme es bisher nur selten zu Abschlüssen. „Die Chinesen wollen den Markt erst besser verstehen, bevor sie aktiv werden“, sagt der Übernahme-Experte. Kaufen würden Chinesen bisher fast nur im Rohstoffsektor – etwa in Großbritannien oder der Türkei.

Die Unternehmen bekommen die osteuropäischen Käufer derzeit zum Schnäppchenpreis. Denn wegen der globalen Konjunkturflaute sind die Firmen billig, die Käufer rar. Vor allem in Osteuropa selbst seien die Bewertungen tief, sagt Stechow. Die Unternehmen im Osten würden zu Preisen, die das Siebenfache des Gewinns vor Zinsen und Steuern ausmachten, verkauft. Im Westen liege der Preis beim 8,6.-Fachen des Gewinns.

„Unternehmen, die auf Cash sitzen sind also gut beraten, jetzt zu kaufen“, betont Stechow. Doch das weltweite Übernahmekarussell kommt nicht in Fahrt. 2012 sank das Volumen der Firmenübernahmen um 2,7 Prozent auf 1646,3 Milliarden Euro. Und auch heuer bleiben Firmen bei Übernahmen zurückhaltend. Das Transaktionsvolumen von 314,8 Milliarden Euro war der schwächste Jahresstart seit zehn Jahren.

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