Wirtschaft
10.11.2017

Opel-Zukunft: Mehr Elektro und ab 2020 wieder profitabel

Opel-Chef Lohscheller präsentiert den Zukunftsplan, man setzt auf Elektromobilität und will so auch Einsparungen bei der Belegschaft vermeiden.

"Pace!" heißt der neue Strategieplan, den Opel jetzt vorgestellt hat. Damit will man endlich zurück zur Profitabilität - seit 1999 hatte das deutsche Traditionsunternehmen keinen Gewinn mehr erwirtschaftet.

Die Maßnahmen, die in Pace! zusammengefasst werden, dienen dazu, einen positiven Cashflow sowie eine wiederkehrende operative Marge aus dem Automobilgeschäft von zunächst zwei Prozent bis 2020 und sechs Prozent bis 2026 zu erzielen.

Opel gehört seit 1. August zum französischen PSA-Konzern (Peugeot und Citroen), nachdem die Trennung von GM fixiert worden war. PSA-Chef Tavares hatte die Opel-Produktion als ineffizient bezeichnet und vom Opel-Mangement Sanierungspläne verlangt.

Was bestimmte Projekte betrifft, haben Opel und PSA übrigens bereits in der Vergangenheit zusammengarbeitet - z.B. beim Grandland X oder beim Crossland X. Innerhalb der PSA-Group sollen die gebündelten Kräfte für Synergieeffekte in Höhe von 1,1 Milliarden Euro bis 2020 und 1,7 Milliarden Euro bis 2026 sorgen.

Um schneller in den profitablen Bereich zu kommen, werden die Produkte von Opel bzw. Vauxhall schneller auf die flexible Architektur von PSA umgestellt als ursprünglich gedacht war. Insgesamt wird sich die Anzahl der von Opel/Vauxhall verwendeten Pkw-Plattformen bis 2024 von gegenwärtig neun auf zwei verringern. Darüber hinaus findet eine Reduzierung bei den Antriebs-Familien von aktuell zehn auf vier statt. „Die gemeinsame Verwendung von Architekturen und Antrieben wird die Komplexität bei Entwicklung sowie Herstellung wesentlich reduzieren. Dies führt zu Skaleneffekten und Synergien, die ihren Beitrag zur Gesamtprofitabilität leisten“, erklärt der CEO von Opel Michael Lohscheller.

Um die Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern sollen die Kosten pro Fahrzeug bis zum Jahr 2020 um 700 Euro gesenkt werden. Außerdem senkt man die Effizienz bei Marketingausgaben um 10 Prozent, der Anteil der allgemeinen Verwaltungskosten am Umsatz wird von 5,6 Prozent auf 4,7 Prozent sinken. Und die Gewinnschwelle will man künftig bereits bei 800.000 Fahrzeugen erreichen.

Ziel ist es zudem, sich beim Verhältnis von Lohnkosten und Umsatz Richtung Branchenbenchmark zu entwickeln, erklärt Lohscheller. Darüber hinaus werden bis 2020 die Prozesse innerhalb der Produktion sowie der Verwaltung optimiert; Forschungs- und Entwicklungs- sowie Investitionsausgaben (CapEx) werden auf sieben bis acht Prozent vom Fahrzeugumsatz festgelegt. Bis 2022 wird Working Capital von 1,2 Milliarden freigesetzt. All dies wird dazu beitragen, Synergien zu erzielen.

Elektroautos

Wesentlicher Bestandteil der neuen Strategie wird die Elektrifizierung der Modellpalette sein, erklärt Lohscheller weiter. 2020 sollen vier Elektroautos im Angebot sein, darunter der nächste Corsa (dessen neue Version 2019 auf den Markt kommen wird) und der Grandland X. 2024 sollen schließlich von allen Modellen entweder vollelektrische oder Hybridversionen verfügbar sein.

Ab 2024 werden alle Pkw-Modelle von Opel auf den gemeinsamen Architekturen der Groupe PSA basieren. Jedes Jahr wird ein neues Modell auf den Markt kommen. Alle Karosserievarianten betrachtet, wird Opel/Vauxhall bis zum Jahr 2020 insgesamt neun neue Modelle auf den Markt bringen. Diese Modellpalette wird die Möglichkeiten zur Preisgestaltung verbessern und den Abstand zum Branchenbenchmark um vier Prozentpunkte verkürzen.

Essentiell für Opel wird die Möglichkeit sein, neue Exportmärkte zu erschließen, was den Deutschen unter der Regie von GM größtenteils untersagt war. Bis zum Jahr 2022 wird Opel auf mehr als 20 neuen Exportmärkten aktiv sein. Darüber hinaus prüft Opel "mittelfristig weltweit weitere, profitable Exportchancen", das heißt, dass man einen Einstieg in die wichtigen Märkte China und Brasilien überlegt. "Opel wird global werden - endlich", meinte Lohscheller.

Personalfrage

Was heißt das für die 38.000 Opelaner? Alle Werke sollen erhalten bleiben und modernisiert werden. "Betriebsbedingte Kündigungen sollen vermieden werden", heißt es in einem offiziellen Statement. Dennoch werden Stellen über Abfindungen und Altersteilzeit abgebaut - wie viele, ist noch nicht bekannt.

Der Opel-Betriebsrat und die IG Metall wollen über die Versprechen, auf betriebsbedingte Kündigungen zu verzichten und die Werke mit genug Arbeit zu versorgen, ab sofort verhandeln und vertraglich festhalten. Auf dem Tisch liege jetzt eine Beschäftigungszusage bis 2020, sagte Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug. Die frühere Opel-Mutter General Motors hatte betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2018 ausgeschlossen. "Ich will nicht verhehlen, dass es eine Situation gibt, die ernst ist", sagte Schäfer-Klug.

PSA-Konzernchef Carlos Tavares hatte bereits im März im Interview mit dem KURIER seine Botschaft an alle Mitarbeiter in Opel-Werken, auch jene im Werk Wien/Aspern, verkündet: "Wenn ihr sehr effizient seid, könnt ihr euch schützen, weil ihr zum Gewinn des Unternehmens beitragen werdet."

Tavares hat bei PSA seit seinem Amtsantritt vor vier Jahren die Belegschaft um 20.000 auf rund 90.000 Mitarbeiter geschrumpft.