Wirtschaft
05.12.2011

OMV will Gas ganz "sauber" fördern

Mit Wasser, Stärke, Sand und UV-Licht möchte die OMV umweltfreundlich Schiefergas in Österreich fördern.

Die Methode besticht durch ihre Einfachheit. Und bei der OMV ist man zuversichtlich, dass sie auch funktionieren wird. Die Art und Weise, wie in den USA Schiefergas gefördert wird - nämlich mit viel Chemikalien (Fachjargon "fracking", Anm.) - ist bisher in Europa auf eine breite Ablehnungsfront gestoßen.

Neuer Weg

Bei der OMV will man hingegen einen völlig neuen Weg beschreiten. Die riesigen Gasvorkommen, die im Weinviertel in großer Tiefe lagern und Österreichs Inlandsversorgung auf Jahrzehnte sichern könnten, sollen "clean", also sauber, an die Oberfläche geholt werden. Wie will man das bewerkstelligen?

"Wir wollen das Schiefergestein mit extrem hohem Wasserdruck aufbrechen. Damit sich die dadurch entstehenden Gesteinsspalten, aus denen das Gas ausströmt, nicht wieder verschließen, werden wir eine Emulsion aus Wasser, Stärke und Sand reinspülen. Denn zwischen den Sandkörnern kann das Gas sehr gut ausströmen. Bakterien, die sich in dieser Stärke-Emulsion bilden könnten, werden mit UV-Strahlen in Schach gehalten, so wie dies in Trinkwasser-Aufbereitungsanlagen passiert", erklärt ein OMV-Insider. Das Bohrgestänge, das durch diese Wasser-Sand-Stärke-Emulsion leidet, wird dafür entweder innen speziell beschichtet oder nach einiger Zeit einfach ausgetauscht. Keinesfalls aber chemisch gereinigt.

Know-how-Export

"Wenn diese Technik klappt, werden wir sie weltweit exportieren", sagt Gerhard Thonhauser, Tiefbohrexperte und Professor an der Montanistischen Universität in Leoben. "Wir haben unsere Universität ja nicht zum Spaß. Dort wird tolle Forschung betrieben. Schließlich zählt die OMV mit ihrer 60-jährigen Erfahrung weltweit zu den führenden Unternehmen in der Erdgas- und Erdölbranche", betont Thonhauser, der zurzeit der EU-Kommission in Brüssel mitteilt, wie und unter Einhaltung welcher Kriterien Österreich bei der Förderung von Schiefergas vorgehen möchte.

Außenhandelsbilanz

Im Juni dieses Jahres veröffentlichte das Europäische Parlament eine Studie zum Thema Schiefergas. Massive Versuche, Vorkommen des äußerst schwierig zu bergenden Gases zu explorieren, gibt es in Polen. Auch in Deutschland, den Niederlanden, in Schweden und in Großbritannien gibt es Versuche, Schiefergas zu fördern. Estland wiederum setzt auf ähnlich gelagerte Schieferöl-Vorkommen und kann damit 50 Prozent seines Energiebedarfs decken. Thonhauser: "Wenn die Schiefergasförderung in der EU so klappt, wie wir uns das vorstellen, dann können wir mit dem Gas unsere Schuldenkrise wegzahlen."

Der Optimismus, mit dem die OMV-Techniker ans Werk gehen, gründet sich auch auf eine Bohrung im Jahr 1979. Damals bohrte die OMV bei Zistersdorf (Bezirk Gänserndorf) 8553 Meter tief und stieß auf Erdgas.

"Täglich strömten aus der Zistersdorf ÜT 2 A, so hieß die Bohrstelle, gut eine Million Kubikmeter Erdgas. Leider war es nach wenigen Wochen vorbei. Das Bohrloch verklüftete sich - sprich verstopfte", sagt der OMV-Insider zum KURIER.

Mit zwei Probebohrungen im Raum Poysdorf möchte die OMV Ende 2012 ihre neue Technik austesten.

Erdgas: Vorräte gäbe es genug

Vorreiter Österreich
1844 wurde in Europa erstmals Erdgas gefunden, und zwar am Gebiet des Wiener Ostbahnhofs. 1892 folgten Funde bei Wels. Dann begann die weltweite Exploration. Schätzungen zufolge gibt es rund um den Erdball mehr als 100
Billionen m³ Erdgas. Den Löwenanteil von 28 Prozent hält Russland.

Gigantische Mengen
Hoffnungsträger für Gasförderer ist Schiefergas. Die Größe dieses Vorkommens lässt sich kaum schätzen. Es übertrifft aber die bisherigen Erdgasvorkommen vermutlich um ein Mehrfaches. In den USA entstammen mittlerweile schon über 50 Prozent des geförderten Erdgases aus derartigen Vorkommen. Dadurch ist es den USA innerhalb weniger Jahre gelungen, zu einem Nettoexporteur von Erdgas zu werden.