Wirtschaft
06.04.2017

OMV wagt sich zurück in die erdölreiche libysche Wüste

Nach zwei Jahren Stillstand pumpt die OMV wieder Öl aus dem libyschen Wüstensand. Die Unsicherheit aber bleibt.

Ganz wohl fühlte sich OMV-Chef Rainer Seele nicht in seiner Haut, als er kürzlich seine Reise nach Libyen antrat. "Bei der Planung hatte ich einiges an Kopfschmerzen", gibt er zu. Immer wieder hört man von Angriffen auf Zivilisten. Doch das zersplitterte und von Kämpfen rivalisierender Gruppen erschütterte Land ist wichtig für die OMV.

Produktionsstopp 2014

Seit 40 Jahren schon ist der heimische Ölkonzern in dem Wüstenstaat vertreten, seit 1985 fördert er dort das fast konkurrenzlos billige und qualitativ hochwertige Öl. 2014 aber zwangen die sich verschärfenden Konflikte die OMV, ihre Ölproduktion zu stoppen. Mehr als zwei Jahre Komplett-Stillstand folgten, jetzt werden die Pumpen langsam wieder angeworfen. 10.000 Fass Öl pro Tag (je 159 Liter) hofft Seele heuer in Libyen produzieren zu können. 50.000 Fass waren es einmal. Dass alles reibungslos von sich geht, glaubt er nicht. Immer wieder müsse man mit Unterbrechungen rechnen. Erst vor knapp zwei Wochen haben Aufständische eine Pipeline abgedreht und Forderungen gestellt.

"Öl-Chef" vermittelt

Dann greift Mustafa Sanalla, Chef der staatlichen libyschen Ölgesellschaft NOC und Partner der OMV, ein. Der charismatische Libyer reist persönlich zu den Rebellen und vermittelt. Zuletzt hat das rasch geklappt. Die Pipeline wurde geöffnet, das Öl konnte zu den Terminals am Hafen fließen.

"Wir sind der Klebstoff, der das Land zusammenhält", sagt Sanalla bei seinem Besuch in Wien. Öl sei die einzige Einnahmenquelle des Landes. Die NOC liefert ihre Gewinne bei der Libyschen Zentralbank ab, die unter dem Schutz der UN-Resolution steht. "Es gibt nur eine NOC", betont Sanalla. Im Land reden allerdings islamistische Gruppen von "ihrer eigenen NOC".

"Drei Regierungen, zwei Parlamente", sagt Sanalla dazu. Da könne er nur versuchen, die NOC aus den Konflikten heraus zu halten. Das Gesetz gibt der NOC das Monopol der Öl- und Gasförderung im Land. Die staatliche Ölgesellschaft ist auch Mehrheitseigentümer aller Ölfelder. Firmen wie die OMV, Total, die spanische Repsol oder die italienische ENI sind Minderheitseigentümer. An den OMV-Feldern in Libyen hält die NOC bis zu 90 Prozent.