Wirtschaft
29.11.2017

OMV-Chef wünscht sich mehr Hilfe der Politik für Russland-Deal

Österreichs Politiker sollten sich in puncto Reisediplomatie einiges von den Deutschen abschauen.

Der deutsche Alt-Kanzler Gerhard Schröder weiß wie man Geschäfte in Russland einfädelt: Mit vielen persönlichen Kontakten Vertrauen schaffen. Und davon profitiere die gesamte deutsche Wirtschaft. "Österreichs Politiker hätten in diesem Punkt einiges gegenüber den Deutschen aufzuholen", sagte Rainer Seele, Chef des heimischen Öl- und Gaskonzerns OMV, bei einem Kundenempfang der Raiffeisen Bank International (RBI).

Er wünscht sich von der neuen Regierung mehr Unterstützung für das Vorhaben der OMV, mit der russischen Gazprom engere Bande zu knüpfen. Noch heuer hofft Seele 24,99 Prozent des westsibirischen Gasfelds Yuszhno Russkoye vom deutschen Kraftwerkskonzern Uniper übernehmen zu können. Damit würde die Öl- und Gasproduktion der OMV um ein Drittel wachsen. Geschäfte in Russland bräuchten allerdings politische Unterstützung. Ohne diese komme man nicht zum Ziel. Seele ist überzeugt, dass Europa mit der Verhängung der Wirtschaftssanktionen gegen Russland einen Fehler gemacht habe. Das habe das Vertrauen der Russen in Europa erschüttert. Das Land wende sich nun Asien zu. Europäische Unternehmen müssten in Russland daher mit verstärkter Konkurrenz durch Chinesen rechnen.

Auch RBI-Chef Johann Strobl unterstrich die Bedeutung einer guten Vertrauensbasis für Geschäfte in Russland. Dass die Raiffeisen Bank International Russland auch in der Wirtschaftskrise nicht verlassen habe, werde ihr nun hoch angerechnet.

"Diesel unschlagbar"

Kritisch äußerte sich OMV-Chef Seele zur "Verteufelung der Dieselfahrzeuge. Wenn ich sehe, dass Benzin-Autos bei den Neuzulassungen nun deutlich zulegen, muss ich sagen: Das ist ein Schmarrn", sagte Seele. Denn Diesel sei unschlagbar, wenn es um den CO2-Ausstoß gehe. Es sei nicht der Diesel gewesen, der uns enttäuscht habe, sondern eine Software der Autobauer.

Seele warnte davor, sich auf nur eine neue Antriebstechnologie, den E-Motor, zu verlassen. Denn auch dieser berge Risiken, sagte der OMV-Chef unter Verweis auf den jüngsten steilen Preisanstieg für Kobalt, ein chemisches Element, das für Batterien verwendet wird.

Vielmehr sollte die Politik auf eine breite Diversifikation der Antriebe setzen. Diese umfasse sowohl Benzin und Diesel als auch Gas, Strom und Wasserstoff. "Der Markt wird am Ende entscheiden, was sich durchsetzt", unterstrich er.

Den Ölpreis sieht Seele derzeit stark von politischen Krisen im Nahen Osten getrieben. Gäbe es in diesem Raum eine Entspannung, sollte der Preis wieder deutlich fallen.