Wirtschaft
06.02.2017

Offshore-Banking: Der Kino-Film über den Fall Elmer

© Bild: Kurier/Juerg Christandl

Dokumentation läuft am 10. Februar in sieben heimischen Kinos an.

Der ehemalige Wirtschaftsprüfer Rudolf Elmer, 61, arbeitete fast zwei Jahrzehnte für die Schweizer Privatbank Bank Julius Bär. Von 1994 bis zu seiner Entlassung 2002 jobbte er bei der Julius Baer Bank & Trust Company auf den Cayman Islands, zuletzt in leitender Funktion.

Elmer warf der Bank vor, über Offshore-Konstruktionen Millionen für ihre Kunden und das Institut selbst an der Schweizer Steuerbehörde vorbei zu schleusen. Er besaß Sicherungskopien von Kundendaten. Die Bank warf ihm "mit krimineller Absicht begangenen Diebstahl" vor. Nach seiner Entlassung sandte er Dokumenten an Medien, worauf die Bank – so seine Darstellung – Detektive auf ihn und seine Familie ansetzte. Elmer wurde wegen des Verdachtes, das Schweizer Bankgeheimnis gebrochen zu haben, 217 Tage in Untersuchungshaft genommen.

In der Schweiz galt Elmer als Nestbeschmutzer, die Wikileaks-Fans feierten ihn als Aufdecker. Der unerbittliche Rechtsstreit mit der Bank und der Schweizer Justiz dauert bis heute an.

Im Sommer 2016 wurde Elmer vom Zürcher Obergericht in zweiter Instanz vom Vorwurf freigesprochen, er habe das Schweizer Bankgeheimnis verletzt. Das Obergericht kam zum Schluss, der Offshore-Banker konnte das Schweizer Bankgeheimnis gar nicht brechen, weil er nicht Angestellter in der Schweiz, sondern auf Cayman war. Die dortigen Ermittlungen wurden eingestellt.

Wegen Drohung, versuchter Nötigung und Urkundenfälschung wurde Elmer jedoch zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 14 Monaten verurteilt. Er hatte Wikileaks einen von ihm selbst gefälschten Brief der Bank an die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel zugespielt. Beide Urteile sind nicht rechtskräftig. Von der Bank hatte Elmer 700.000 Franken in einem Vergleich erhalten, muss aber 350.000 Franken an Gerichtskosten übernehmen. Der Richter wurde in Justizkreisen kritisiert, weil er nach der Urteilsverkündung bemerkte, Elmer sei "kein Whistleblower, sondern ein ganz gewöhnlicher Krimineller".

Der Film läuft am 10. Februar in sieben österreichischen Kinos an und wurde mit 250.000 Franken vom Schweizer Bundesamt für Kultur finanziert. Sponsoren der Doku des eidgenössischen Filmemachers Werner Schweizer sind auch ein Schweizer TV-Sender und die gemeinnützige Göhner-Stiftung.

Elmer hat keinen Job, seine Frau sorgt für das Familieneinkommen. Der Ex-Banker schreibt Bücher und hält Vorträge.

Interview mit den Whistleblower Rudolf Elmer am 6.2. 2017 in Wien © Bild: Kurier/Juerg Christandl