Wirtschaft
05.04.2012

ÖVAG: Milliarden-Loch noch größer

1,345 Milliarden Euro Verlust im Jahr 2011: Die Volksbanken AG bestätigte am Donnerstag die schlimmsten Befürchtungen.

Ende des Vorjahres hoffte die Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) noch, ihren Verlust 2011 unter der Milliardengrenze halten zu können. In Finanzkreisen aber hieß es seit Langem, dass die Lücke wohl an die 1,3 Milliarden Euro herankommen werden. Seit Donnerstag liegt das Desaster schwarz auf weiß vor: 1,345 Milliarden Euro Verlust schrieb die ÖVAG im Vorjahr.

70 Prozent des Eigenkapitals muss die Bank verwenden, um den Verlust abzudecken. Damit verliert auch der Staat den Großteil jener einen Milliarde Kapital, die er 2008 in die kriselnde Bank gesteckt hat. Mit der Hauptversammlung am 26. April wird die Republik Österreich zudem frische Millionen in die ÖVAG einzahlen und damit 43 Prozent-Aktionär werden. Auch die regionalen Volksbanken, die Mehrheitsaktionäre der ÖVAG, bluten mit. Sie werden nach dem Kapitalschnitt und der anschließenden Kapitalerhöhung knapp mehr als 50 Prozent halten und über Haftungszusagen eng mit der ÖVAG verknüpft sein. Ihre langjährig gewohnte regionale Freiheit ist damit weg.

Austritt unmöglich

Fast 90 Prozent der 62 regionalen Volksbanken haben – zähneknirschend – dem neuen Haftungsverbund schon zugestimmt. Bis zur Hauptversammlung werden sich wohl alle dem neuen zentralen Diktat beugen. Denn ein Austritt aus dem Volksbankenverbund, mit dem einige Regionalbanken wegen des ÖVAG-Desasters spekuliert haben, ist mittlerweile nicht mehr möglich. Eine kleine Gesetzesnovelle besagt, dass eine Bank, die ihren Sektor verlassen will, keine Einlagensicherung mehr hat und damit die Konzession verliert.

Verlust-Auslöser

Das Riesenloch bei der ÖVAG hat drei Gründe: 322 Millionen Euro verschlingt die Investkredit, die auf die Höhe ihres Eigenkapitals abgewertet wurde. 337 Millionen Euro kosteten Abschreibungen auf Griechenlandanleihen und andere Länderrisiken. Und Beteiligungen (Rumänien sowie die Ex-Tochter Kommunalkredit) fraßen 880 Millionen Euro auf.

Nun sollen neue Chefs die ÖVAG stabilisieren. Korrekt nach Proporz sollen die Organe der Bank besetzt werden. Ex-Notenbankdirektorin Gertrude Tumpel-Gugerell ( SPÖ) soll den Aufsichtsrat anführen. Ex-Bawag-Vorstand Stephan Koren (ÖVP) soll Vorstandschef werden. Weiters von Staat entsandte Aufsichtsräte: Frank Zwickl (Ex-Bank-Austria-Vorstand), Hans Jörg Schelling (Sozialversicherungs-Präsident) und Klaus Kumpfmüller (Geschäftsführer der Bundesfinanzierungsagentur).