Flaute am Bau: Im Juli gab es um 12,7 Prozent mehr Arbeitslose.

© KURIER/Gilbert Novy

1. Quartal
05/30/2016

Österreichs Wirtschaft wuchs stärker als erwartet

Konjunkturbeschleunigung gestützt von Privatkonsum, Investitionen, Tourismus.

Österreichs Wirtschaft ist heuer zu Jahresbeginn stärker gewachsen als zunächst angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte im Quartalsabstand um 0,5 statt um 0,4 Prozent zu, und im Jahresabstand betrug der Anstieg 1,6 statt 1,3 Prozent, wie noch vor einem Monat errechnet worden war. Stützen waren Privatkonsum, Investitionen und Tourismus, erklärte das Wifo am Montag.

Gegenüber dem 4. Quartal registrierte das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) bei seiner Neuberechnung des BIP im ersten Vierteljahr eine merkliche Konjunkturbeschleunigung. Ende 2015 hatte das BIP im Quartalsabstand lediglich 0,3 Prozent und im Jahresabstand um 1,0 Prozent dazugewonnen. Die real 1,6 Prozent Plus im Jahresabstand im 1. Quartal sind ein unbereinigter Wert - bereinigt um Kalendereffekte (Schalttag, Arbeitstage) lag das BIP um 1,1 Prozent über dem Niveau des Vorjahres.

Steuerreform kurbelte Konsum an

Der Konsum habe sich im Zeitraum Jänner bis März dynamisch entwickelt - sowohl die private als auch die öffentliche Konsumnachfrage wurden um 0,3 Prozent ausgeweitet. Der Anstieg der Konsumausgaben der privaten Haushalte (samt privaten Organisationen ohne Erwerbszweck) lag Anfang 2016 deutlich über dem Schnitt der vergangenen drei Jahre (2013/15: +0,1 Prozent), den Ausschlag dafür dürfte laut Wifo die mit Jahresbeginn umgesetzte Steuerreform gegeben haben, die die Ausgabenbereitschaft angekurbelt hat.

Investitionen am Bau

Einen positiven Beitrag zum BIP-Wachstum leisteten auch die Bruttoanlageinvestitionen (Ausrüstungs- und Bauinvestitionen), sie wurden im 1. Quartal um 0,6 Prozent gesteigert. Die Nachfrage nach Ausrüstungsgütern expandierte um 0,8 Prozent. Die heimischen Unternehmen investierten wieder vermehrt in Maschinen (+0,6 Prozent) und Fahrzeuge (+1,5 Prozent). Positive Impulse lieferten erstmals wieder auch die Bauinvestitionen, so das Wifo. Vor allem der Nichtwohnbau verzeichnete deutliche Zuwächse (+1,1 Prozent), dämpfend wirkte hingegen die anhaltend träge Entwicklung im Wohnbau (-0,1 Prozent).

Im Außenhandel setzte sich heuer im 1. Quartal die positive Grunddynamik fort, wie die Experten erklären. Sowohl die Exporte (+0,5 Prozent) als auch die Importe (+0,7 Prozent) stiegen schwächer als seit dem Frühjahr 2015. Die Verlangsamung betraf besonders die Warenexporte, während sich die Dienstleistungsausfuhren wegen der guten Entwicklung im Reiseverkehr dynamischer als zuletzt entwickelten. Da die Importe stärker wuchsen als die Exporte, lieferte der Außenhandel insgesamt erneut keinen positiven Beitrag zum Wirtschaftswachstum.

Die Industriekonjunktur verlief im Lichte der Besserung der allgemeinen Wirtschaftsentwicklung "relativ verhalten", so das Wifo, wenngleich sich die Dynamik seit Anfang 2015 kontinuierlich beschleunigt habe (1. Quartal 2016 +0,6 Prozent). Von der Bauwirtschaft kamen erstmals vermehrt positive Impulse (+0,3 Prozent nach +0,1 Prozent im 4. Quartal 2015). Ebenso unterstützten die Dienstleistungsbereiche das Wachstum.

Gute Tourismus-Saison

Dank der guten Saison im Tourismus verzeichneten besonders Beherbergung und Gastronomie sowie der Handel - auch unter Berücksichtigung des Schalttageffektes - eine positive Entwicklung. Die Wertschöpfung von Handel, Verkehr, Beherbergung und Gastronomie stieg um 0,4 Prozent. Im Bereich Information und Kommunikation sowie den freiberuflichen, wissenschaftlichen, technischen und sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen wurde sie um jeweils 0,2 Prozent ausgeweitet, im Kredit- und Versicherungswesen um 0,8 Prozent und im Grundstücks- und Wohnungswesen um 0,4 Prozent.

Für 23. Juni ist die nächste vierteljährliche Konjunkturprognose von Wifo und Institut für Höhere Studien (IHS) geplant. Zuletzt, Mitte März, hatten die beiden Institute für heuer ein Realwachstum von 1,6 bzw. 1,5 Prozent vorhergesagt, für 2017 ein BIP-Plus von 1,6 bzw. 1,5 Prozent.

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