Wirtschaft
09.02.2018

Österreichs Kfz-Industrie auf der Überholspur

© Bild: REUTERS

Österreich exportierte 2017 Kfz-Motoren und Motorteile im Wert von 4,8 Mrd. Euro.

Die heimische Kfz-Industrie beendete das Jahr 2017 mit einem Produktionsplus von zwei Prozent und wird voraussichtlich auch in den nächsten beiden Jahren stärkere Zuwächse verzeichnen. Das geht aus einem am Freitag publizierten Branchenbericht der UniCredit Bank Austria hervor.

Zurückzuführen ist der Zuwachs auf das gute zweite Halbjahr, in dem die Produktionseinbußen der ersten Jahreshälfte ausgeglichen werden konnten. Der Umsatz stieg um vier Prozent auf rund 16 Milliarden Euro.

Ganz konnte sich die heimische Kfz-Industrie der Verlangsamung der Autoproduktion in Europa, die für einen wesentlichen Teil der heimischen Zulieferer verantwortlich ist, dennoch nicht entziehen. Vor allem bei Dieselmotoren gab es aufgrund eines Exportrückgangs von zehn Prozent ein signifikantes Minus.

Wieder mehr Exporte

Dennoch sei das gesamte Exportergebnis laut UniCredit-Ökonom Günter Wolf sehr zufriedenstellend gewesen: „Es gab 2017 trotz Nachfrageausfällen einen Exportzuwachs von über sechs Prozent. Das liegt über dem langjährigen Durchschnitt von plus fünf Prozent der letzten zwanzig Jahre.“ Dies sei ein weiterer Beleg der hohen Konkurrenzfähigkeit der Branche. Die höheren Exporteinnahmen wurden mit sonstigen Kfz-Teilen und fertigen Kraftfahrzeugen erzielt, die in Summe rund 11,6 Mrd. Euro zur österreichischen Exportrechnung beitrugen.

Die Aussichten für die nächsten Jahre seien in allen großen westlichen Herstellerländern eher gedämpft. Die Zuwächse der Autoproduktion werden sich von durchschnittlich drei Prozent in den letzten vier Jahren auf durchschnittlich ein Prozent im Jahr verringern.

Entgegen dem westeuropäischen Trend in der Kfz-Erzeugung soll sich das Branchenwachstum in Österreich 2018 beschleunigen. Verantwortlich dafür sei das Naheverhältnis zur relativ erfolgreichen deutschen Branche und vor allem das sehr hohe Beschäftigungsplus von 11,5 Prozent 2017 auf rund 36.000 Beschäftigte zu Jahresende, so Wolf.

Die bevorstehenden Veränderungen werden aber auch an der heimischen Branche nicht spurlos vorübergehen. Auf längere Sicht sind vor allem Jobs in der Herstellung von Dieselantrieben gefährdet und kurzfristig bedroht ein „harter“ Brexit aufgrund möglicher Absatzeinbußen in Großbritannien die Autoindustrie in Deutschland und damit indirekt auch in Österreich. Dennoch sind tiefe Einschnitte mit stärkeren Arbeitsplatzverlusten weder in der deutschen noch in der österreichischen Kfz-Industrie wahrscheinlich.

Markus Ponweiser