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Nationalbank
07/08/2015

Österreichs Finanzsektor von "Grexit" unberührt

"Sicherer Hafen“: Zinsen für Österreich sogar gesunken – Nowotny: Osteuropa gut vor Ansteckung abgeschirmt

Griechenland sei ein „Sonderfall“, ein „Grexit“ hätte somit keine oder nur geringe Ansteckungseffekte auf andere Euroländer, sagte OeNB-Gouverneur Ewald Nowotny am Mittwoch bei der Präsentation des Finanzstabilitätsberichtes 2015.

Für den heimischen Finanzmarkt sieht er keine negativen Auswirkungen, im Gegenteil: Österreich werde als „sicherer Hafen“ gesehen. Die Zinsen auf zehnjährige Staatsanleihen seien seit dem Referendum von 1,23 Prozent auf 1,08 Prozent gesunken – ein Vertrauensbeweis der Anleger.

Osteuropa abgeschirmt

Nowotny zerstreute auch Sorgen, dass die Griechenland-Krise Staaten wie Bulgarien, Rumänien, Serbien und Mazedonien oder Zypern anstecken könnte: Dort halten die kriselnden Hellas-Banken wie Eurobank EFG, Alpha Bank und National Bank of Greece über Tochterinstitute relevante Marktanteile – ebenso wie Österreichs Großbanken. Diese Länder würden jedoch vor den Problemen in Griechenland gut abgeschirmt, versicherte Nowotny. Langfristig würde sich eine tiefe Wirtschaftskrise über Handelskanäle aber negativ auswirken.

Schlimm für Griechen

Besonders schlimm wäre ein „Grexit“ für die Griechen – dort liege eindeutig die Hauptlast: „Ich kann nur hoffen, dass die Regierung für alle Eventualitäten Vorbereitungen trifft“, sagte der Notenbankchef und EZB-Rat: „Die bisherigen Erfahrungen lassen mich aber skeptisch sein.“ Aktuell sollten alle Anstrengungen darauf gerichtet sein, den Euro-Abgang noch zu verhindern.
Die EZB stoße dabei an Grenzen. Zu einer Brückenfinanzierung schränkte Nowotny nun ein: „Eine Brücke muss ans andere Ufer führen, nicht ins Nichts.“ Voraussetzung sei somit ein „glaubwürdiges, belastbares, von beiden Seiten akzeptiertes Programm oder zumindest die Perspektive darauf“.

Ohne Einigung bräuchten die Griechen humanitäre Hilfe: „Die EU kann nicht mitleids- und teilnahmslos über die katastrophale soziale Lage hinwegsehen“, mahnte der OeNB-Chef.

Einige Hausaufgaben

Für Österreichs Banken sieht die OeNB mehrere Herausforderungen:
Fremdwährungskredite Die Summe der Schweizer-Franken-Kredite in Österreich ist seit Ende 2008 um 30 Prozent zurückgegangen. Noch sind aber 26 Mrd. Euro bei den Haushalten offen. Die Deckungslücke der Tilgungsträger hat durch die Franken-Aufwertung sogar auf 6 Mrd. Euro zugenommen. Positiv sei, dass diese Kredite vor allem an wohlhabendere Haushalte vergeben worden seien, sagte OeNB-Volkswirtin Doris Ritzberger-Grünwald.

Osteuropa Österreichs Banken schreiben in der Region Gewinne, diese gingen aber 2014 signifikant zurück. Die OeNB empfiehlt, den Abbau Not leidender Kredite rasch voranzutreiben.

Geringe Gewinne "Das Business-Modell der Banken ist nicht kaputt, aber sie haben Herausforderungen zu meistern", sagte OeNB-Direktor Philip Reading. Nach dem Verlust 2013 war das konsolidierte Jahresergebnis der heimischen Banken 2014 mit 1,4 Milliarden Euro positiv. Die Profitabilität bleibe aber schwach, die Banken müssten auf die Kosten schauen.

Zu diesen trägt die strengere Regulierung bei. Laut OeNB-Berechnung kostet der höhere Systemrisikopuffer (wegen Osteuropa) die Banken 33 Millionen Euro, der Einlagen- und Abwicklungsfonds 362 Millionen Euro und der Wegfall bisheriger (impliziter) Staatsgarantien 650 Millionen Euro – jeweils im Jahr. Die Regierung sollte sich deshalb überlegen, auf die 640 Millionen Euro Bankenabgabe zu verzichten, regte OeNB-Vize Andreas Ittner an.

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