Wirtschaft
09.03.2018

Österreichs Außenhandel-Defizit stieg 2017 deutlich

Einführen erhöhten sich um 8,8 Prozent auf 147,6 Mrd. Euro. Ausfuhren legten um 8,2 Prozent auf 141,9 Mrd. Euro zu. USA zweitwichtigstes Exportland. Geplanter Brexit hinterlässt Spuren

Österreichs Außenhandel hat sich auch im Vorjahr sehr dynamisch entwickelt. Die Einfuhren stiegen 2017 laut vorläufigen Zahlen der Statistik Austria um 8,8 Prozent auf 147,6 Mrd. Euro, die Ausfuhren um 8,2 Prozent auf 141,9 Mrd. Euro. Das Außenhandelsdefizit wuchs damit von 4,54 auf 5,70 Mrd. Euro. Die USA blieb zweitwichtigster Exportpartner. Deutliche Spuren hinterließ der bevorstehende Brexit.

Während sich das Handelsdefizit mit den EU-28-Ländern von 5,74 auf 5,57 Mrd. Euro verringerte, verwandelte sich der 1,21 Mrd.-Überschuss im Handel mit Drittstaaten in ein Defizit von 0,13 Mrd. Euro.

Der Warenhandel mit Großbritannien erlitt angesichts des bevorstehenden Austritts aus der EU einen starken Dämpfer. Die Importe aus dem Vereinten Königreich gingen um 8,4 Prozent auf 2,47 Mrd. Euro und die Exporte um 4,8 Prozent auf 3,91 Mrd. Euro zurück. Bei den Ausfuhren wurden die Briten von Polen überholt, bei den Importen fiel es hinter Russland und Spanien auf Rang 14 zurück.

USA zweitwichtigstes Einzelland

Die USA, die aktuell mit der Einführung von Strafzöllen auf Stahl und Aluminium von sich reden machen, konnte im Vorjahr hinter Deutschland seine Stellung als zweitwichtigster Exportpartner gut behaupten. Waren im Wert von 9,66 Mrd. Euro wurden 2017 in die USA exportiert. Das waren um 10,7 Prozent mehr als 2016. Der Anteil an den gesamten Warenexporten betrug damit 6,8 Prozent. Am meisten wurden Maschinen und Fahrzeuge in die USA geliefert. Ihr Anteil am Gesamthandel betrug 54,5 Prozent, ein Plus von 14,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Die Importe aus den USA stiegen um 16,2 Prozent auf 5,81 Mrd. Euro. Die Vereinigten Staaten waren damit das sechswichtigste Importland. Der Anteil an den gesamten Einfuhren betrug 3,9 Prozent. Die wichtigste Warengruppe waren chemische Erzeugnisse mit einem Anteil von 43,3 Prozent, ein Plus von 8,7 Prozent.

Wichtigster Handelspartner blieb aber auch im Vorjahr Deutschland. Waren im Wert von 42,77 Mrd. Euro (+6,8 Prozent) wurden in unser Nachbarland verschickt und Waren im Wert von 54,30 Mrd. Euro (+7,7 Prozent) von dort bezogen. Der Anteil Deutschlands an den gesamten österreichischen Exporten betrug 30,1 Prozent, an den Importen 36,8 Prozent.

Italien traditionell wichtig, Frankreich wuchs

Hinter Deutschland und den USA folgt als drittwichtigster Exportpartner Italien. In das südliche Nachbarland wurden Waren im Wert von 9,10 Mrd. Euro (+8,7 Prozent) exportiert. Die größte Steigerung konnte bei den Exporten nach Frankreich erzielt werden. Mit einem Warenwert von 7,05 Mrd. Euro, ein Plus von 32,3 Prozent, konnte Frankreich die Schweiz vom vierten Platz verdrängen. Die Exporte in die Schweiz verringerten sich um 2,2 Prozent auf 7,01 Mrd. Euro. Danach folgen Tschechien (5,26 Mrd. Euro, +9,9 Prozent), Ungarn (4,81 Mrd. Euro, +9,9 Prozent und Polen (4,35 Mrd. Euro, +11 Prozent).

Die Exporte nach Russland zogen um kräftige 16,1 Prozent auf 2,18 Mrd. Euro an. Neben Großbritannien und der Schweiz verringerten sich unter den 20 wichtigsten Exportländern nur noch die Exporte in die Türkei, nämlich um 1,0 Prozent auf 1,31 Mrd. Euro.

Importe aus Deutschland, Italien und China

Abgesehen von Deutschland wurden die meisten Waren aus Italien eingeführt. Ihr Importwert stieg um 8,1 Prozent auf 9,08 Mrd. Euro, was einem Anteil an den gesamten Importen von 6,1 Prozent entsprach. Hinter Italien folgen als wichtigste Importländer China (8,5 Mrd. Euro, +6,6 Prozent), die Schweiz (7,62 Mrd. Euro, +7,3 Prozent) und Tschechien (6,35 Mrd. Euro, +8,3 Prozent).

Russland konnte sich im Ranking der Importländer vom 14. auf den 12. Platz verbessern. Österreich importierte Waren im Wert von 2,76 Mrd. Euro, ein Plus von 12,1 Prozent. Brennstoffe und Energie standen für 82,3 Prozent der russischen Importe. Die Niederlande verbesserten sich von Platz neun auf sieben, Frankreich fiel dagegen von Platz sieben auf neun zurück. Die Türkei war neben Großbritannien das einzige Land, aus dem weniger importiert wurde, nämlich um 1,0 Prozent (1,44 Mrd. Euro). Mit 18 Prozent zogen die Importe aus Schweden (1,44 Mrd. Euro) am stärksten an.

Kleiner Anteil zum westlichen Balkan

Auf die westlichen Balkanländer, die noch nicht EU-Mitglieder sind - Albanien, Bosnien & Herzegowina, Kosovo, Mazedonien, Montenegro und Serbien - entfielen gemeinsam 0,8 Prozent (1,14 Mrd. Euro) der österreichischen Einfuhren und 0,9 Prozent (1,31 Mrd. Euro) der Ausfuhren.

Wichtigster Außenhandelsmotor blieb die Produktgruppe Maschinen und Fahrzeuge mit einem Anteil von 35,7 Prozent an den Einfuhren und 39,9 Prozent an den Ausfuhren. Die Importe legten dabei um 8,7 Prozent auf 52,7 Mrd. Euro zu, die Exporte um 7,7 Prozent auf 56,6 Mrd. Euro. Danach folgen bearbeitete Waren mit einem Anteil von 15,8 Prozent an den Einfuhren und 21,8 Prozent an den Ausfuhren, chemische Erzeugnisse (13,7 bzw. 14,0 Prozent) und sonstige Fertigwaren (14,9 bzw. 11,2 Prozent).