Wirtschaft
25.10.2017

Österreicher lieben Sparbücher, Vorsorge-Produkte aber weniger

Die Österreicher vertrauen auf die staatliche Pension. Die private Vorsorge stagniert seit 20 Jahren.

Wenn es um Geldanlage geht, gibt es für die meisten Österreicher nur einen Gedanken: Sparbuch. Das lässt sich aus der jüngsten Geldvermögen-Statistik der Oesterreichischen Nationalbank ableiten. Demnach veranlagen die heimischen Haushalte im Durchschnitt zwei Drittel ihres frisch angesparten Geldes in Einlagen – Girokonten oder Sparbücher.

Dafür nehmen sie sogar eine fast nicht mehr vorhandene Verzinsung in Kauf. Gerade einmal 0,28 Prozent brachten Einlagen im Vorjahr ein. Denn von den rund 15,6 Milliarden Euro, die die Österreicher in den zwölf Monaten bis Juni 2017 angespart haben, flossen 80 Prozent auf Einlagenkonten. Und dabei wiederum zum Großteil auf tägliche fällige Einlagen, gebundene Sparbücher verloren an Bedeutung. "Sicherheit und Verfügbarkeit spielen für die heimischen Anleger eine große Rolle", betont Johannes Turner, Direktor der Statistikabteilung der OeNB. "Wobei sie mit Sicherheit weniger ihre Bank meinen als die Tatsache, dass sie mit Sparkonten keinen Kursschwankungen ausgesetzt sind", ergänzt er.

Unter EU-Durchschnitt

Die Veranlagung in Vorsorgeprodukte wird von den Österreichern stiefmütterlich behandelt. Während im Vorjahr im Durchschnitt der EU-Länder 38 Prozent des Geldvermögens in Altersvorsorge steckte, waren es in Österreich nur 21 Prozent. Das Vertrauen in das staatliche Pensionssystem ist hierzulande offenbar noch groß.

In den zwölf Monaten bis Juni 2017 gab es zum Beispiel bei den Lebensversicherungen sogar weniger Neuveranlagungen als Auszahlungen. In Summe verzeichneten die Lebensversicherer damit 1,3 Milliarden Euro an Mittelabflüssen. In kapitalgedeckte Pensionsansprüche und in betrieblichen Vorsorgekassen flossen in diesem Zeitraum zwölf Prozent der Geldvermögensbildung. Völlig anders als in Österreich schaut es bei der privaten Pensionsvorsorge in den Niederlanden aus. Dort stecken 68 Prozent des Geldvermögens in Altersvorsorgeprodukten. Dazu muss man allerdings wissen, dass es in den Niederlanden bereits seit den 1960er Jahren betriebliche Pensionskassen gibt, in Österreich erst seit 1992.

Auf Wertpapiere legen die Österreicher bei der Veranlagungen kaum noch wert. Mit 320 Millionen Euro spielen handelbare Wertpapiere – also Aktien, Anleihen, Fonds in den zwölf Monaten bis Mitte Juni dieses Jahres kaum eine Rolle. Zwar haben die Österreicher Investmentzertifikate zugekauft, dafür wurden aber Bankanleihen getilgt. In Summe hob sich das fast auf.

Wegen des großen Anteils an beinahe unverzinsten Spareinlagen haben die heimischen Haushalte 2016 nur 2,4 Prozent Ertrag mit ihren Geldanlagen erzielt. Nach Abzug der Inflation blieben den Anlegern daher nur noch 1,5 Prozent.