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Konjunktur
09/15/2014

Österreich schafft 2014 nur Mini-Wachstum

Bank Austria rechnet nur noch mit 0,6 Prozent BIP-Plus. OECD sieht für Eurozone 0,8 Prozent Wachstum.

Das Wachstum in Österreich bricht heuer offenbar noch stärker weg als bisher gedacht. Die Bank Austria hat die Prognose für den BIP-Anstieg im Gesamtjahr 2014 auf nur mehr 0,6 Prozent gesenkt, wie das Institut am Montag bekannt gab. Vor einem Monat rechneten die Ökonomen der Bank noch mit einer um 0,8 Prozent höheren Wirtschaftsleistung. Grund für die weitere Anpassung nach unten sei die nur sehr moderate Erholung der heimischen Wirtschaft in der ersten Jahreshälfte und der weithin fehlende Impuls für eine spürbare Aufhellung des Konjunkturklimas, erklärte Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl. Die Ursache für die Kürzung der BIP-Prognose liege in erster Linie in der schwächeren Entwicklung des Welthandels.

Am Donnerstag dieser Woche legen Wifo und IHS ihre neuen vierteljährlichen Vorschauen vor, auch da wird eine deutliche Rücknahme erwartet. Denn Ende Juni hatten die Institute für heuer noch mit 1,4 bzw. 1,5 Prozent BIP-Wachstum gerechnet. Zuletzt hatte die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) Ende August in Alpbach die BIP-Prognose 2014 von 1,6 auf 0,9 Prozent gekappt.

Russland-Konflikt dämpft

Der aufschwellende Russland/Ukraine-Konflikt habe erwartungsgemäß die Stimmung der heimischen Konsumenten getrübt, meinte Bank-Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer am Montag in einer Aussendung. Seit mittlerweile einem halben Jahr tendiere der Bank Austria Konjunkturindikator nun bereits stetig leicht nach unten und habe mit aktuell nur noch 0,2 Punkten den tiefsten Stand seit vorigem Sommer erreicht.

Die Vorgaben aus dem Ausland seien insgesamt wenig erfreulich, denn auch in den wichtigsten europäischen Abnehmerländern der heimischen Betriebe - wie Deutschland, Italien und Frankreich - habe sich das Industrievertrauen verschlechtert. Der mit dem österreichischen Außenhandel gewichtete Gesamtindex übersteige jedoch aktuell klar den langjährigen Durchschnittswert. Allerdings hätten sich die Aussichten für den Außenhandel auch durch die gestiegenen geopolitischen Spannungen eingetrübt.

Bis zum Jahresende rechnet die Bank Austria laut Pudschedl nur noch mit Wachstumsraten von 0,2 bis 0,3 Prozent im Quartalsabstand - „insbesondere unsere Erwartungen hinsichtlich des Schwungs der Investitionen haben abgenommen“, betont der Experte. Für 2015 sehen die Ökonomen der Bank derzeit ein reales Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent - sofern sich, wie sie erwarten, rund um den Jahreswechsel 2014/15 das Konjunkturklima aufzuhellen beginne. Wifo und IHS hatten Ende Juni für 2015 mit 1,7 bzw. 1,9 Prozent BIP-Plus gerechnet. Exporte und Investitionen sollten sich in der Folge allmählich erholen, so die Bank-Austria-Experten, und sich im Laufe des nächsten Jahres sukzessive festigen. Dies werde im späteren Jahresverlauf 2015 auch dem privaten Konsum zu etwas mehr Schwung verhelfen. Allerdings würden die globalen Spannungen durch die nochmals erweiterten Sanktionen gegen Russland als auch die Lage im Nahen Osten ein erhebliches Abwärtsrisiko darstellen.

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) geht von einem schwächeren Wachstum in fast allen Mitgliedsländern aus. Ihre Konjunkturprognosen reduzierte die OECD verglichen mit ihrer letzten Projektion von Anfang Mai bis auf wenige Ausnahmen durch die Bank weg. Zusammenfassend ist in einer Mitteilung vom Montag die Rede von einem "moderaten und unsteten" Wachstum.

Die Entwicklung in großen Volkswirtschaften klaffe zusehends auseinander. Als besonders problematisch wird die anhaltend schwache Konjunktur im Euroraum hervorgehoben.

"Erholung im Euroraum ist enttäuschend geblieben"

"Die Erholung im Euroraum ist enttäuschend geblieben, vor allem in den größten Ländern Deutschland, Frankreich und Italien", schreibt die OECD. Den Euroraum sieht man jetzt heuer nur noch um 0,8 Prozent wachsen, bisher wurden 1,2 Prozent Plus erwartet. Für 2015 wurde die Euroraum-Prognose sogar von 1,7 auf 1,1 Prozent zurückgenommen.

Das Hauptrisiko sei, dass die Inflation gering bleibe und die schwache Nachfrage zusätzlich schwächle. "Eine Inflation nahe Null erhöht auch klar das Risiko, in eine Deflation zu fallen, was die Stagnation verfestigen und die Schuldenlast erhöhen könnte." Besonders deutlich wurden die Wachstumserwartungen für Italien gesenkt. Für dieses Jahr erwartet die OECD einen spürbaren Rückgang der Wirtschaftsleitung.

Konfliktherde als Wachstumsrisiken

Neben Gefahren aus dem Euroraum nennt die OECD zusätzliche Wachstumsrisiken. Verwiesen wird auf zahlreiche Konfliktherde wie in der Ostukraine oder im Mittleren Osten. Auch das am Donnerstag stattfindende Unabhängigkeitsreferendum in Schottland wird genannt. Darüber hinaus sieht die Organisation Risiken in den Schwellenländern, etwa in der hohen Verschuldung dortiger Unternehmen oder einer erneuten Kapitalflucht im Zuge einer geldpolitischen Straffung in den USA.

An den Finanzmärkten sieht die OECD das Risiko einer zu großen Gelassenheit: "Die Robustheit der Finanzmärkte scheint im Widerspruch zu stehen zur Verschärfung vieler erheblicher Risiken." Angesichts der Rekordjagd an zahlreichen Börsen bestehe die Möglichkeit, dass Risiken nicht richtig "eingepreist" seien. Es bestehe die Gefahr einer plötzlichen Korrektur.

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