Wirtschaft 07.12.2011

Ökonomen: „Finanzmärkte erwarten Einigkeit“

Die Börsen schwanken zwischen Zuversicht und Sorge: Auf kurzfristige Aktienkursgewinne folgen rasch wieder Verluste.

Die Börsen schwanken vor dem EU-Gipfeltreffen, das einen Durchbruch zur Rettung der Eurozone bringen könnte, zwischen Zuversicht und Sorge: Auf kurzfristige Aktienkursgewinne folgen rasch wieder Verluste.

Den Volkswirten geht es nicht viel anders. Auch sie pendeln zwischen „Die Euro-Rettung wird gelingen“ und „Wir müssen wieder an den Schilling gewöhnen“.

 

Als Minimalkompromiss, der zumindest kurzfristig eine Beruhigung in die Finanzmärkte und damit tiefere Zinsen für Staatsanleihen bringen könnte, sieht der Chefökonom der Bank Austria, Stefan Bruckbauer, eine Einigkeit der Politik zur Euro-Rettung. „Keine Streitereien. Die Kakofonie muss ein Ende haben. Der Gipfel sollte ein Papier beschließen, das eine klare Handlungsanleitung beinhaltet“, sagt Bruckbauer. Und die Anleitung müsse umsetzbar und überprüfbar sein.

 

Ein klarer Weg zum Null-Defizit der Euro-Staaten sei nötig. Dann könne nämlich auch die Europäische Zentralbank (EZB) den Märkten problemlos Geld zur Verfügung stellen und die drohende Kreditklemme verhindern. „Mit dem Bekenntnis zum Defizitabbau würde die Bereitstellung von Liquidität durch die EZB nicht als Risiko gesehen“, erklärt der Bank Austria-Ökonom. Zudem sollte die EZB auf lange Zeit für niedrige Zinsen sorgen, damit Wachstum in der Eurozone in Gang komme.

 

 

Zerfall

Sollte das alles nicht gelingen, sieht Bruckbauer den Weg zurück zum Schilling gekommen. Denn von einem „Nord-Euro“, der einige Länder wie Österreich, Deutschland oder die Niederlande umfasst, hält er nichts. Die Deutschen müssten zu viel Geld in die Hand nehmen, um etwa Österreich in diesem Worst Case des Zerfalls der Eurozone zu unterstützen.

 

Bernhard Felder, Chef des Instituts für Höhere Studien (IHS), hat keine großen Erwartungen an den EU-Gipfel. Für ihn ist die Schuldenbremse als Verfassungsgesetz der Weg aus dem Chaos. Alles andere würden die Finanzmärkte nicht akzeptieren. Und dass am Gipfel ein Budget-Überwachungskommissar beschlossen werde, glaubt Felderer nicht. Das sei in den Ländern nicht durchsetzbar.

 

Optimistisch ist der IHS-Chef für Italien, das ein beeindruckendes Sparpaket beschlossen habe. Die Märkte würden das 2012 mit deutlich niedrigeren Risikoaufschlägen für italienische Staatsanleihen honorieren.

 

So wie Bruckbauer hält es auch Felderer für wichtig, dass die EZB die Euro-Rettung mit genügend Liquidität unterstützt.

 

Ganz anderer Meinung ist der Ökonom Heiner Flassbeck, Direktor bei der UNCTAD (UN-Organisation für Handel und Entwicklung) in Genf. Er glaubt, dass das Gesund-Sparen für Staaten gefährlich sei. Denn damit lösen sie eine wirtschaftliche Rezession aus, die sie weiter in die Schulden treibt. „Das Herzproblem der Eurozone ist nicht die Verschuldung, sondern die unterschiedliche Wettbewerbsfähigkeit“, betont Flassbeck.

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( Kurier ) Erstellt am 07.12.2011