Wirtschaft 05.12.2011

ÖGB fordert eigene Lohnrunde für Frauen

© Bild: KURIER/Gnedt

Durch Sonder-KV-Verhandlungen soll die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen verringert werden.

Wir müssen endlich ernsthafte Schritte setzen, die Fraueneinkommen jenen der Männer anzugleichen." Wolfgang Katzian, Chef der Angestelltengewerkschaft GPA-djp, wünscht sich eigene Kollektivvertragsrunden, um die geschlechtsspezifische Einkommenslücke langfristig zu schließen. In regelmäßigen Abständen - "vielleicht drei Mal in zehn Jahren" - sollen die Sozialpartner in Sonder-KV-Verhandlungen die Ursachen für die Lohndifferenzen analysieren und gezielte Gegenmaßnahmen setzen.

In den "Frauen-Runden", für die es laut Katzian allerdings noch "kein fix und fertiges Konzept" gibt, sollen vor allem die Einstufungen von Frauen innerhalb des Lohnschemas und die Berufsverläufe analysiert werden. Denn oft würden Frauen - so GPA-Cheflohnverhandler Karl Proyer - bei gleicher Qualifikation und Tätigkeit in eine niedrige Lohngruppe eingestuft als ihre Kollegen. Daraus entstünde dann während der Berufslaufbahn eine erhebliche Einkommensdifferenz. Weitere Gründe sind der hohe Teilzeit-Anteil oder die Konzentration von Frauen in Niedriglohn-Branchen.

Ablehnung

Aus der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) ernten Katzian und Proyer ein schlichtes "Nein" für ihren Vorstoß. Die Lohnverhandlungen würden - so das Argument - seit vielen Jahren geschlechtsneutral geführt, bei dieser Linie werde die Kammer auch bleiben. "Ein bisschen verwundert" ist Manfred Engelmann, Geschäftsführer der Bundessparte Industrie: "Wir haben in den vergangenen Jahren alle unmittelbaren und auch mittelbaren Benachteiligungen, die es in einigen Kollektivverträgen gegeben hat, ausgemerzt." Etwa Einstufungen nach der Schwere der Arbeit, wodurch für manche Tätigkeiten Männer bevorzugt wurden. "Jetzt sehe ich", argumentiert Engelmann, "keinen Grund, im Kollektivvertrag andere Regelungen einzuführen."

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek dagegen begrüßt den Vorschlag: "Es ist ein Ansatz, der durchaus positiv zu sehen ist und den sich die Sozialpartner im Detail anschauen sollten." Diskutiert werden sollten etwa die sehr unterschiedlichen Mindestlöhne in den diversen Branchen.

Metaller

Die am 22. September startende Lohnrunde für rund 160.000 Metaller wird auch ohne das Thema Fraueneinkommen mühsam. Denn angesichts der hohen Inflation und der hohen Produktivitätssteigerungen will die Gewerkschaft deutlich mehr als drei Prozent durchsetzen.

Proyer: "Zusätzlich zur Abgeltung der Inflation muss es einen deutlichen Ausgleich für die guten Ergebnisse geben." Mit "ein paar Zehntelprozent über der Inflation" will sich die Gewerkschaft nicht abspeisen lassen. Laut GPA beträgt die Inflationsrate seit dem letzten Abschluss (per 1. November 2010) derzeit 2,9 Prozent. 2010 stiegen die Ist-Löhne um 2,3 Prozent.

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Erstellt am 05.12.2011