Brexit würde Briten teuer zu stehen kommen

© APA/AFP/DAMIEN MEYER

Studie
04/27/2016

OECD: "Brexit ist wie eine Steuer"

Die Kosten eines Austritts wären groß: Jeder Brite wäre um Monatsgehalt ärmer.

Für die Briten würde sich ein Austritt aus der Europäischen Union wie eine massive Steuererhöhung auswirken: Dieses Szenario hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Mittwoch vorgestellt, rund zwei Monate vor dem britischen Referendum über einen EU-Austritt des Landes. OECD-Generalsekretär Angel Gurria sagte der BBC vor der offiziellen Veröffentlichung des Berichtes: "Ein Brexit ist wie eine Steuer." Die Auswirkungen entsprächen dem Verlust eines Monatsgehalts über vier Jahre gerechnet.

Der Brexit wäre ein "Fehler", sagte Gurria und richtete einen Appell an die Briten: "Es gibt keine Art von Geschäft, das für euch besser wäre als die Gesellschaft der Europäer."

Mitte April hatte bereits der britische Finanzminister George Osborne eindringlich vor einem Brexit gewarnt. In diesem Fall wäre Großbritannien "auf Dauer ärmer", schrieb Osborne in einem Zeitungsbeitrag. Den Berechnungen seines Ministeriums zufolge würde ein Austritt jeden Haushalt auf der Insel jährlich 4.300 Pfund (rund 5.550 Euro) kosten. Das Bruttoinlandsprodukt läge 2030 um sechs Prozent niedriger als im Falle eines Verbleibs in der EU, hieß es in einer Studie.

Brexit-Befürworter nannten die OECD-Prognose "fadenscheinig". Die Organisation ist die bisher letzte in einer ganzen Reihe internationaler Institutionen, die zuletzt vor einem Brexit warnten. Die Briten sind am 23. Juni aufgerufen, sich für oder gegen einen Verbleib ihres Landes in der EU auszusprechen. Bisher zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Gegnern und Befürwortern ab. Fünf Prozent der Wähler sind noch unentschieden.

Wachstum schon verlangsamt

Die britische Wirtschaft hat im ersten Quartal 2016 indes an Schwung verloren. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs von Jänner bis März nur noch um 0,4 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistikamt am Mittwoch in London mitteilte. Getragen wurde das Wachstum hauptsächlich von den Dienstleistern, zu der auch die große Finanzbranche gehört. Industrie und Bau produzierten dagegen weniger.

"Die gute Nachricht ist, dass Großbritannien weiter wächst", sagte Finanzminister Osborne. "Aber es gibt Hinweise, dass die Gefahr eines EU-Abschieds auf unserer Wirtschaft lastet." Investitionen und Bauvorhaben würden verschoben.

"Wir gehen davon aus, dass sich das Wachstum im zweiten Quartal weiter abschwächen wird", sagte Ökonom James Knightley von ING. "Die Brexit-Gefahr belastet das Geschäftsklima."

eine Newsletter Anmeldung Platzhalter.

Wir würden hier gerne eine Newsletter Anmeldung zeigen. Leider haben Sie uns hierfür keine Zustimmung gegeben. Wenn Sie diesen anzeigen wollen, stimmen sie bitte Piano Software Inc. zu.

Jederzeit und überall top-informiert

Uneingeschränkten Zugang zu allen digitalen Inhalten von KURIER sichern: Plus Inhalte, ePaper, Online-Magazine und mehr. Jetzt KURIER Digital-Abo testen.